Die Grüne Stadt

Grüne Zukunft der Stadt: Herausforderungen und Lösungsansätze für den GaLaBau

Eine Fachveranstaltung beleuchtete die Herausforderungen des Klimawandels für Städte und die grüne Branche. Experten diskutierten Lösungsansätze für die Begrünung urbaner Räume, um diese langfristig attraktiv zu gestalten und die Lebensqualität zu sichern.

Klimawandel und seine Auswirkungen auf Stadtbäume

Am 27. Januar 2016 fand eine Fachveranstaltung unter dem Titel „Grüne Zukunft – Neue Sortimente braucht die Stadt“ statt. Kommunale Entscheider, Baumschulgärtner und Landschaftsgärtner diskutierten dabei über die Herausforderungen des Klimawandels für Kommunen und die grüne Branche. Ziel war es, Lösungsansätze für die Begrünung von Städten zu finden. Die Veranstaltung wurde von der Messe Essen in Kooperation mit dem Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. und der Stiftung DIE GRÜNE STADT organisiert.

Peter Menke, Vorstand der Stiftung DIE GRÜNE STADT, betonte die zunehmenden Belastungen für Stadtbäume durch trockene, heiße Sommer, Unwetter sowie neue Krankheiten und Schädlinge.

Die Frage ist, wie wir unsere Städte langfristig attraktiv begrünen.

Anpassung der Baumbestände an den Klimawandel

Die Auswahl zukünftiger Baumarten für Straßen, Plätze und Grünanlagen ist ein zentrales Thema. Dr. Philipp Schönfeld von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, Abteilung Landespflege in Veitshöchheim, wies auf die Problematik einer geringen Diversität bei Baumbeständen hin. Dies erhöhe die Anfälligkeit für Krankheiten, Schädlinge und Klimastress.

Um unsere theoretischen Annahmen über die Stresstoleranz einzelner Baumarten zu überprüfen, ist es jedoch unerlässlich, ihre tatsächliche Eignung in Forschungsprojekten mit der Realität abzugleichen.

Schönfeld ist Teil des Projekts „Stadtgrün 2021“, das seit 2009 an drei Standorten in Bayern zwanzig Baumarten auf ihre Klimastresstoleranz testet. 2015 wurde das Projekt um zehn weitere Baumarten erweitert. Insgesamt 650 Versuchsbäume werden jährlich auf Frostschäden, Trockenstress, Schädlinge, Krankheiten, Phänologie, Zuwachs und Nährstoffversorgung untersucht. Das Projekt, das bis 2021 läuft, hat ein Volumen von 720.000 Euro. Endgültige Empfehlungen können erst nach Abschluss des Projekts gegeben werden. Es wird empfohlen, bei der Sortimentsauswahl das lokale Klima zu berücksichtigen, da einige Bäume besser für harte Winter und andere für heiß-trockene Sommer geeignet sind.

Essen als Grüne Hauptstadt Europas 2017

Simone Raskob, Dezernentin für Umwelt und Bauen in Essen, stellte vor, wie die Stadt den Titel „Grüne Hauptstadt Europas 2017“ gewann. Dieser Titel wird seit 2010 von der Europäischen Kommission vergeben.

Ausschlaggebend für unseren Erfolg war, dass wir uns auf die bereits vorhandenen Bemühungen, in unserer Stadt grüne Infrastruktur zu schaffen, konzentrierten. Eine Grundlage war der Umbau der Emscher.

Die Bachzuläufe zur Emscher wurden renaturiert und mit Rad- und Fußwegen für die Bevölkerung zugänglich gemacht. Ein Ziel der Bewerbung war es, dass jeder Bewohner Essens in einem Umkreis von 500 Metern eine große Grünanlage erreichen kann. Dies sei bereits zu siebzig Prozent erreicht. Raskob berichtete auch von Rückschlägen, wie dem Sturm Ela im Jahr 2014, der über 20.000 Bäume in Essen zerstörte und einen Schaden von 61 Millionen Euro verursachte. Bei der Neubepflanzung von Parks, Sportanlagen und Spielplätzen werden Erkenntnisse zu klimastresstoleranten Bäumen berücksichtigt.

Innovative Konzepte für urbanes Grün

Landschaftsarchitekt Andreas Kipar, der international tätig ist, plädierte für innovative Konzepte im städtischen Grün.

Es geht darum, für Bäume ein kulturelles und gleichzeitig ein biologisches Verständnis zu entwickeln. Grün bringt Stadtbewohnern hohe Lebensqualität. Doch das funktioniert nur, wenn die Pflanzen auch vital und lebensfähig sind.

Kipar sieht Bäume als Teil einer grünen Infrastruktur, die sich durch den urbanen Raum zieht. In Essen habe sich aus wenigen Hauptachsen entlang der Emscher ein Wabennetz entwickelt. Er forderte dazu auf, urbanes Grün neu zu denken und die Bürger aktiv einzubinden. Kipar hob hervor, dass spektakuläre Projekte mit Grün an Fassaden, Dächern und Brücken ein Bewusstsein für den Wert urbanen Grüns schaffen, auch wenn diese Bäume technische Unterstützung benötigen. Für eine erlebbare Natur müsse dem Grün in der Stadt auch Raum zur freien Entfaltung gegeben werden, ohne Belastungen durch Bebauung und Straßen.

In der anschließenden Diskussion mit etwa 120 Teilnehmern wurde die Notwendigkeit von abwechslungsreichem Grün mit Blütenpflanzen betont, um Lebensraum für Wildbienen, Insekten und andere Tiere in Städten zu schaffen. Hans-Jürgen Redeker, Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung DIE GRÜNE STADT, unterstrich die Bedeutung starker Grünflächenämter für den Erhalt und die Weiterentwicklung des öffentlichen Grüns in Städten.

05.02.2016

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