Globale Bedrohung: Intensive Landwirtschaft und Pestizide gefährden Bestäuber
Der Welt-Biodiversitätsrat hat seinen ersten globalen Bericht zur Bedeutung von Blütenbestäubern für die Nahrungsmittelproduktion vorgelegt. Das zwischenstaatliche Gremium verabschiedete den Bericht auf seiner Plenarsitzung in Kuala Lumpur, Malaysia. Demnach sind intensive Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden in einigen Regionen für den Rückgang von Bienenvölkern und anderen Bestäubern verantwortlich.
Wenn wir die Bienen nicht hätten, dann hätten wir bald auch keine Äpfel, Birnen, Kirschen und Pflaumen mehr. Die Bienen und andere Bestäuber schaffen Milliardenwerte, auf die die Menschheit dringend angewiesen ist. Der Weltbiodiversitätsrat zeigt: Wir brauchen eine nachhaltigere Landwirtschaft, auch in Deutschland und Europa. Es kann nicht sein, dass mit öffentlichen Geldern eine Landwirtschaft unterstützt wird, die letztendlich unsere Lebensgrundlagen zerstört. Wir sollten stattdessen den Landwirten die Leistungen vergüten, die sie für den Natur- und den Artenschutz und für die Kulturlandschaft erbringen.
In vielen Teilen der Erde werden seit einigen Jahren deutliche Verluste bei Blütenbestäubern beobachtet. Dazu zählen wildlebende Bienen, Schmetterlinge, Schwebfliegen und Honigbienen. Eine umfassende Erklärung für dieses Phänomen fehlte bislang.
Die Produktion vieler hochwertiger pflanzlicher Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse, ist von der Blütenbestäubung abhängig. Der Bericht zeigt, dass der dramatische Verlust von Bienenvölkern in Europa und Nordamerika in anderen Weltregionen nicht im gleichen Ausmaß auftritt. Intensive landwirtschaftliche Produktion und der Einsatz von Pestiziden werden als Hauptursachen für die Gefährdung von Blütenbestäubern und der Bestäubung identifiziert.
Als Antwort auf diese Entwicklung wird eine nachhaltigere Landwirtschaft mit vielfältigen Strukturen vorgeschlagen. Dazu gehören diversifizierte Anbausysteme, ökologischer Landbau und der Ausbau der ökologischen Infrastruktur, wie beispielsweise Hecken, Feldränder oder Gewässerrandstreifen.
Die Analyse der Forschungsergebnisse zu Pflanzenschutzmitteln und gentechnisch veränderten Pflanzen (GVP) wurde mit Spannung erwartet. Es gibt erste Hinweise auf negative Einflüsse von Pestiziden wie Neonikotinoiden und GVP auf Blütenbestäuber. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse sind jedoch noch nicht ausreichend gesichert, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen.
Insbesondere die nicht tödlichen Einflüsse von Neonikotinoiden müssen verstärkt im Freiland und unter realen Feldbedingungen getestet werden. Dies ist notwendig, um mögliche Auswirkungen auf das Überleben und die Fortpflanzungsfähigkeit von Bienen, Käfern, Schmetterlingen und anderen Insekten einschätzen zu können. Der Bericht weist darauf hin, dass die Risikobewertungen bei der Zulassung von GVP in den meisten Ländern die negativen Auswirkungen auf Blütenbestäuber nicht ausreichend berücksichtigen.
Für diese erste globale Studie des 2012 gegründeten Welt-Biodiversitätsrates (IPBES) haben Experten wissenschaftliche Erkenntnisse aus allen Erdteilen zusammengetragen und ausgewertet. Auch das Erfahrungswissen indigener Völker und lokaler Gruppen wurde in die Studie einbezogen. Der neue Biodiversitätsrat, dessen Sekretariat in Bonn ansässig ist, stellt den Regierungen der Mitgliedsstaaten mit diesen Ergebnissen wissenschaftlich fundierte Informationen für die Entscheidungsfindung zur Verfügung.
