Naturschutz

Weltweiter Artenverlust bedroht Lebensgrundlagen

Der Weltbiodiversitätsrat warnt in seinem Globalen Bericht vor einer dramatischen Verschlechterung der Natur. Bis zu eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht, was die Lebensgrundlagen der Menschheit gefährdet. Eine grundlegende Reform der Agrarpolitik ist entscheidend.

Globaler Bericht zeigt dramatische Verschlechterung der Natur

Der Weltbiodiversitätsrat hat seinen Globalen Bericht zum Zustand der Natur vorgestellt. Dieser Bericht verdeutlicht, dass sich der Zustand der Natur dramatisch verschlechtert. Bis zu eine Million Arten sind vom Aussterben bedroht, viele davon bereits in den kommenden Jahrzehnten. Ökosysteme sind zunehmend geschädigt, wodurch ihre Leistungen für den Menschen gefährdet sind.

Die Menschheit sägt an dem Ast, auf dem sie sitzt. Die Natur ist in einem immer schlechteren Zustand. Die Menschen sind dabei, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu zerstören. Die Herausforderungen beim Artensterben sind ähnlich groß wie beim Klimawandel. Darum hoffe ich, dass der Bericht eine vergleichbare politische Dynamik auslöst. Er zeigt aber auch Auswege aus der Krise: Der wichtigste Hebel hierfür ist eine grundlegende Reform der Agrarpolitik, vor allem der EU-Agrarförderung.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze betonte die Notwendigkeit von mehr und effektiveren Schutzgebieten. Zudem kündigte sie ein „Aktionsprogramm Insektenschutz“ an, das derzeit in der Bundesregierung abgestimmt wird.

Der Bericht des Weltbiodiversitätsrats ist ein klares Signal an die Menschheit, umzudenken und die Artenvielfalt zu schützen. Die dargelegten Trends des Artenverlustes sind zutiefst beunruhigend. Der Bericht ist ein wichtiger Meilenstein und führt uns vor Augen, dass immenser Handlungsbedarf besteht – auch in der Wissenschaft. Forschung muss die noch bestehenden Wissenslücken schließen, Lösungsmöglichkeiten aufzeigen und deren Umsetzung in die Praxis begleiten. Dazu wird die Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt meines Hauses einen erheblichen Beitrag leisten, um unsere Natur und unsere Zukunft zu sichern.

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek hob hervor, dass der Bericht den weltweit akzeptierten Sachstand zum Zustand der Natur darstellt. Vertreter aus 132 Mitgliedstaaten nahmen an den Beratungen des Weltbiodiversitätsrats vom 29. April bis 4. Mai 2019 in Paris teil.

Die biologische Vielfalt und die Leistungen von Ökosystemen, wie die Bereitstellung von Nahrung, sauberem Wasser und Medizin, sind für das Überleben der Menschheit essenziell. Trotzdem verschlechtert sich ihr Zustand dramatisch. Das Artensterben ist heute mindestens Dutzende bis Hunderte Male größer als im Durchschnitt der vergangenen zehn Millionen Jahre. 75 Prozent der Landoberfläche und 66 Prozent der Meeresfläche sind stark verändert. Über 85 Prozent der Feuchtgebiete sind verloren gegangen.

Professor Josef Settele vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) leitete seit 2016 als Ko-Vorsitzender die Erstellung des Globalen Sachstandsberichts. An diesem waren insgesamt 450 Experten beteiligt, darunter 40 aus Deutschland.

Die negative Entwicklung ist auf zahlreiche direkte Treiber wie beispielsweise Landnutzung, Umweltverschmutzung und Klimawandel zurückzuführen. Auch an den indirekten Treibern, also den sozialen und politischen Rahmenbedingungen, müssen wir ansetzen. Dies umfasst Maßnahmen auf allen gesellschaftlichen Ebenen, vom einzelnen Bürger und Konsumenten, über Gemeinden und Regierungen, bis hin zur Wirtschaft und internationalen Gremien und Konzernen.

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) ist ein zwischenstaatliches Gremium zur wissenschaftlichen Politikberatung für biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen. IPBES ist vergleichbar mit dem Weltklimarat IPCC. Deutschland ist einer der größten Finanzgeber, und das Sekretariat des Weltbiodiversitätsrats hat seinen Sitz in Bonn.

Das Bundesumweltministerium (BMU) und das Bundesforschungsministerium (BMBF) unterstützen die Arbeit der Wissenschaftler und die Geschäftsstelle für die Erstellung des globalen Berichts mit Fördermitteln. Beide Ministerien haben 2014 gemeinsam die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle eingerichtet.

06.05.2019

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