EMI-Umfrageergebnisse im Detail
Die Industrieproduktion in Deutschland verharrt weiterhin in der Schrumpfungszone, während der Servicesektor expandiert. Dies zeigen die aktuellen Umfrageergebnisse des IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) für April.
Der Frühindikator für das Verarbeitende Gewerbe in Deutschland verbesserte sich im April leicht auf 44,4 Punkte, nach 44,1 Punkten im März. Dennoch liegt der PMI den vierten Monat in Folge unter der Wachstumsschwelle von 50,0 Punkten. Dies teilte der Finanzdienstleister IHS Markit mit.
Die Stimmung in Deutschland ist gut – zumindest bei den Konsumenten und im Bausektor. Anders sieht es derzeit noch in der Industrie aus, auch wenn der jüngste EMI leicht höher als im Vormonat ausfiel. Das verarbeitende Gewerbe zeige sich derzeit besonders schwach. Dafür sei insbesondere der Automobilsektor verantwortlich.
Die Helaba-Bankdirektorin ergänzte, dass starke Konjunkturimpulse in China, anhaltendes Wachstum in den USA und Erholungstendenzen bei den europäischen Nachbarn, gepaart mit einer starken Nachfrage in den Servicesektoren, der deutschen Industrie bald wieder Aufwind geben könnten.
Die aktuellen Daten zeigen einmal mehr die Probleme der deutschen Industrie auf, die letztlich auf der Gesamtwirtschaft lasten. Dies sind eine generelle Industrieschwäche in der Weltwirtschaft sowie die bekannten Probleme vom immer noch nicht geklärten Brexit bis hin zu den Sonderthemen der Automobilindustrie.
Trotz dieser Einschätzung deuteten die Daten dank einer starken Binnenkonjunktur auf ein intaktes Wachstum im ersten und zweiten Quartal hin. Dies könnte dazu führen, dass einige Wachstumsprognosen für das laufende Jahr nach oben korrigiert werden müssen.
Die Industrie verliert weiterhin an Stärke. Die erneute Abnahme der Auftragseingänge sorgt für Unsicherheit bei den Unternehmen über ihre zukünftigen Geschäfte.
Hinzu kämen internationale Handelsstreitigkeiten und der Brexit. Es sei notwendig, Unternehmen von zu hohen Steuern und zu viel Bürokratie zu entlasten, um die Konjunktur zu stützen und die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern.
Bezüglich des EMI-Teilindex Einkaufspreise äußerte sich Dr. Heinz-Jürgen Büchner, Managing Director Industrials, Automotive & Services der IKB Deutsche Industriebank AG:
Aktuell sorgen die Rohölnotierungen für eine hohe Volatilität. Bereits Anfang April hatten die Preise leicht angezogen. Die Ankündigung der USA, die bisher erteilten und bis Mai 2019 terminierten Genehmigungen zum Bezug iranischen Rohöls nicht zu verlängern, ließ die Rohölpreise kräftig steigen.
Die Situation habe sich etwas beruhigt, nachdem Präsident Trump ankündigte, Saudi-Arabien sei bereit, die Lücke kurzfristig zu schließen. Das Bezugsembargo treffe insbesondere China, Indien, die Türkei und Südkorea. Eine Blockade der Straße von Hormus, dem wichtigsten Seelieferweg aus der Golfregion, durch die iranische Regierung würde die Ölversorgung gefährden, insbesondere vor dem Hintergrund der sinkenden Rohölproduktion in Venezuela.
Die IKB erwartet, dass die derzeitige Förderbeschränkung der OPEC spätestens im Juni aufgehoben wird, da Saudi-Arabien auf das Wohlwollen der USA angewiesen sei. Daher sei bis zur Jahresmitte 2019 mit einem Rohölpreis zwischen 70 und 75 US-Dollar je Barrel Brent zu rechnen. Eine temporäre Schließung der Straße von Hormus hätte kurzfristig weiteres Steigerungspotenzial für den Rohölpreis.
Jahresausblick und EMI-Hintergrund
Die EMI-Umfrageergebnisse vom April zeigen, dass die Geschäftsaussichten im produzierenden Gewerbe weiterhin eher negativ sind. Der Teilindex Jahresausblick rutschte weiter unter die neutrale Referenzlinie von 50 Punkten und signalisierte den stärksten Pessimismus seit November 2012. Die größten Sorgen bereiten den Einkaufsmanagern die Automobilindustrie, der Brexit sowie die anhaltenden internationalen Handelsstreitigkeiten.
Der IHS Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) bietet einen Überblick über die konjunkturelle Lage der deutschen Industrie. Er wird seit 1996 unter der Schirmherrschaft des BME veröffentlicht und von IHS Markit erstellt. Die Grundlage bilden Befragungen von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland, die repräsentativ nach Branche, Größe und Region ausgewählt werden. Der EMI orientiert sich am US-Purchasing Manager's Index (Markit U.S.-PMI).
