Kritik an den Ergebnissen der Welternährungskonferenz
Die Ergebnisse der Welternährungskonferenz in Rom bewerten Agrar-Experten der Universität Hohenheim als enttäuschend. Die Weltengemeinschaft habe sich lediglich auf kurzfristige Hilfen im einstelligen Milliardenbereich geeinigt, anstatt der von UN-Generalsekretär Ban Ki-moon geforderten jährlichen Investitionen von 30 Milliarden Dollar zur Verbesserung der globalen Agrarwirtschaft.
In Deutschland und Europa waren die Ausgaben für Agrarforschung in den 1990er Jahren rückläufig, und Sparmaßnahmen an Agrarfakultäten halten weiterhin an. Im Gegensatz dazu stieg das Budget für Agrarforschung im asiatischen Raum seit 1980 jährlich um über 4 Prozent. Die Wissenschaftler formulieren als vorrangiges Ziel eine Landwirtschaft, die auf Kleinbauern in Entwicklungsländern ausgerichtet ist. Diese solle auf bestehender Fläche mit weniger Wasser mehr produzieren, ohne Klimaschutz, Artenschutz, Ernährungssicherung und die Prävention politischer Krisen zu vernachlässigen.
Angesichts 12 Milliarden Dollar Subventionen für Biotreibstoffe und 370 Milliarden Dollar, mit denen die Industrieländer jährlich den eigenen Agrarmarkt subventionieren, sind 30 Milliarden für die Lösung der Nahrungskrise eine lächerliche Summe.
Dies erklärte Prof. Dr. Manfred Zeller, Experte der Universität Hohenheim für internationale Agrarpolitik und Nahrungssicherung. Er bezeichnete die geforderte Summe von 30 Milliarden Euro zur Lösung der globalen Nahrungsmittelkrise als „Peanuts“.
Die realen Entwicklungshilfeausgaben für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sind von 8 Milliarden Dollar im Jahr 1984 auf 3,4 Milliarden Dollar im Jahr 2004 gesunken. Statt kurzfristiger Hilfe, wie in Rom vereinbart, seien wieder langfristige Investitionen in Agrarförderung und -forschung notwendig. Prof. Dr. Zeller urteilt, dass die Nahrungskrise sich in jüngster Zeit durch kurzfristige Trends zugespitzt habe, aber vorhersehbar gewesen sei. Bereits seit acht Jahren übersteige die Nachfrage das Angebot, und die weltweiten Nahrungsmittelvorräte reichten nur für 54 Tage.
Forschung und Innovation im Agrarbereich seien gleichzeitig vernachlässigt worden. Der Agrarwissenschaftler merkt an, dass die entsprechenden Budgets in den 1990er Jahren um mehr als die Hälfte gekürzt wurden.
Enttäuschender Trend trotz ermutigender Beispiele
Die dringend notwendige Trendwende ist jetzt in Rom nicht eingetreten.
Dies bedauerte Prof. Dr. Zeller. Er verwies auf ermutigende Beispiele: Im asiatischen Raum zeige die öffentliche Agrarforschung mit Wachstumsraten von 4,2 Prozent Erfolge. Das UN-Millenniumsziel, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren, werde in dieser Region voraussichtlich erreicht.
Wir brauchen eine Landwirtschaft, die auf der bestehenden Fläche bei zunehmend knappem Wasser mehr Lebensmittel erzeugt.
So formulierte Prof. Dr. Zeller die Herausforderung. Die Produktion müsse gleichzeitig nachhaltig erfolgen: Landwirtschaft müsse klimabewusst arbeiten, weniger fossile Energie verbrauchen, die globale Artenvielfalt schützen, Armut und Hunger eliminieren und politische Krisen verhindern.
Konkurrenz zur Bioenergie bleibt bestehen
Prof. Dr. Zeller befürwortet konkrete Maßnahmen wie die Abschaffung der Subventionen auf herkömmliche Agrartreibstoffe der ersten Generation, die Öffnung der Märkte der Industrieländer für Produkte aus Entwicklungsländern und eine konzentrierte Agrarforschung zusammen mit den Entwicklungsländern. Zur Konkurrenz von Bioenergie und Nahrungsmitteln äußerte er:
Angesichts der steigenden Energiepreise, wird uns die Konkurrenz zwischen Nahrungsmittel und Bioenergie erhalten bleiben.
Daher sei Forschung im Bereich Bioenergie umso wichtiger, um die Effizienz zu steigern, Reststoffe und Pflanzen von Standorten zu verwerten, die für die Nahrungsmittelproduktion ungeeignet sind, und Energiepflanzen der zweiten Generation einzusetzen, die vollständig in Energie umgesetzt werden.
Agrarforschung in Hohenheim
Die Fakultät Agrarwissenschaften der Universität Hohenheim konzentriert sich auf folgende Schwerpunkte: Globale Ernährungssicherung, Qualität und Sicherheit in der Food Chain, Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergie, Anpassung landwirtschaftlicher Produktionssysteme an die Folgen des globalen Wandels, insbesondere Klimaveränderungen und Wasserverfügbarkeit, sowie die Nutzung genomischer Diversität in der landwirtschaftlichen Produktion. An der Fakultät lehren und forschen derzeit 49 Professorinnen und Professoren. Sie werden von 480 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, davon 220 im wissenschaftlichen Dienst, unterstützt.
Die Fakultät bildet aktuell etwa 1.700 Studierende in drei Bachelor-Studiengängen, zehn Master-Programmen und einem Promotionsstudiengang aus. Hinzu kommen rund 350 Doktorandinnen und Doktoranden.