Schottergärten: Hoher Pflegeaufwand und ökologische Folgen
Die Annahme, Schottergärten seien pflegeleicht, erweist sich oft als Trugschluss. Landschaftsgärtner Denny Apsel, der sich im Rahmen seiner Bachelorarbeit intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, stellt fest, dass viele Eigentümer ihre Entscheidung im Nachhinein bereuen. Mit der Zeit sammeln sich Unrat, Staub und Laub zwischen den Steinen an. Wird dies nicht manuell entfernt, entsteht eine Humusschicht, die ideale Bedingungen für unerwünschte Wildkräuter und Moos bietet.
Aus meinen Befragungen weiß ich, dass viele sich aus Unkenntnis über die Folgen für Schotter entschieden haben.
Apsel ergänzt, dass viele Menschen Zeitmangel als Grund für die Wahl von Schotter angeben oder ästhetische Gründe anführen, da Schotterflächen für sie Klarheit und Ordnung ausstrahlen. Diese Ordnung sei jedoch oft nur von kurzer Dauer.
Pflanzen als pflegeleichte und attraktive Alternative für den Vorgarten
Achim Kluge vom Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) betont, dass durchdacht ausgewählte und angeordnete Gewächse deutlich weniger Arbeit verursachen können. Sie bieten zudem über das Jahr hinweg ein attraktives Erscheinungsbild und verändern den Vorgarten auf vielfältige Weise.
Bodendecker beispielsweise wachsen so dicht, dass sie die Ansiedlung von Wildkräutern erschweren. Stauden und Gräser sind bei richtiger Auswahl hitzetolerant, benötigen im Sommer wenig Wasser und lediglich einen Rückschnitt im Frühjahr. Zwiebelblumen, im Herbst gesetzt, sorgen im Frühling für Blütenpracht ohne weiteren Aufwand.
Es ist unbedingt wichtig, aufzuzeigen, dass Pflanzflächen nicht pflegeaufwändig sein müssen und je nach Situation auch finanziell günstiger sind als Schotterwüsten.
Ökologischer Nutzen bepflanzter Vorgärten für Klima und Artenvielfalt
Pflanzen im Vorgarten erfüllen nicht nur ästhetische Zwecke und sind pflegeleicht, sondern spielen auch eine wichtige Rolle für die Tierwelt und das lokale Klima. Viele Vorgartenbesitzer verzichten jedoch bewusst auf Grünflächen vor ihrem Haus, oft mit dem Argument, dass der Garten hinter dem Haus ausreichend Vielfalt biete.
Apsel beschreibt, dass in solchen Vorgärten Pflanzen oft als Fremdkörper wirken und der Fokus auf nüchterner Leere statt auf Lebendigkeit liegt. Dabei wird übersehen, dass die Summe vieler Vorgärten eine erhebliche Fläche darstellt, die direkte Auswirkungen auf das Mikroklima im Wohngebiet hat.
Kluge vom BGL hebt hervor, dass Pflanzen an heißen Sommertagen die Luft aktiv kühlen, sich weniger stark aufheizen als Schotterschüttungen und durch ihre Blätter Boden, Haus und Asphalt beschatten. Sie tragen somit zu einem klimatischen Ausgleich und einer angenehmen Atmosphäre bei.
Bei Regen stehen grüne Vorgärten als Versickerungsfläche zur Verfügung, sie schlucken Schall, was die Wohnquartiere leiser macht, und sie binden Feinstaub, reinigen die Luft und produzieren Sauerstoff!
Bepflanzte Vorgärten sind zudem wichtige Trittsteine für die Vernetzung von Ökosystemen und schaffen Lebensräume für Vögel und Insekten. Apsel betont, dass Pflanzen nicht nur ein Baustoff sind, sondern im Mittelpunkt der Gestaltung stehen sollten. Kluge ergänzt, dass ein abwechslungsreicher Garten hinter dem Haus zwar wichtig ist, dies aber ebenso für den Vorgarten gilt, da jeder Quadratmeter zählt.


