Naturschutz

Forschungsprojekt soll Bio-Äpfel besser vor Schwarzer Sommerfruchtfäule schützen

Ein Forschungsprojekt in Niedersachsen soll Bio-Äpfel besser vor der Schwarzen Sommerfruchtfäule schützen. Im Fokus stehen vorbeugende Maßnahmen wie verbesserte Plantagenhygiene sowie der gezielte Einsatz natürlicher Präparate zur Reduzierung von Pilzbefall.

Forschungsprojekt entwickelt vorbeugende Strategien gegen Pilzbefall im Öko-Obstbau

Die Schwarze Sommerfruchtfäule stellt den ökologischen Obstbau zunehmend vor Herausforderungen. Umweltschonende Bekämpfungsstrategien gegen den Pilzbefall stehen bislang kaum zur Verfügung. Der Verein Öko-Obstbau Norddeutschland und die Obstbauversuchsanstalt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Jork arbeiten deshalb an einem neuen vorbeugenden Schutzkonzept.

Gefördert wird das Vorhaben von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 70.000 Euro. Ziel ist es, wirksame Maßnahmen für den ökologischen Obstbau zu entwickeln und gleichzeitig den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren.

Pilzkrankheit breitet sich zunehmend aus

Die Schwarze Sommerfruchtfäule tritt in Deutschland erst seit 2007 verstärkt auf. Besonders betroffen sind Apfelanbauflächen an der Niederelbe. Ernteverluste von mehr als fünf Prozent sind nach Angaben der Projektpartner keine Seltenheit.

„In Südeuropa und anderen wärmeren Gefilden ist der Erreger bereits seit langem bekannt“, erklärt Dr. Roland Weber von der Obstbauversuchsanstalt Jork.

Als mögliche Ursache für die Ausbreitung gelten steigende Temperaturen infolge des Klimawandels. Um den Erreger besser zu verstehen, wird im Alten Land eine mehrjährige Versuchsfläche eingerichtet.

Vorbeugende Maßnahmen statt Chemie

Im Mittelpunkt des Projekts steht eine Kombination verschiedener vorbeugender Maßnahmen. Ein wichtiger Ansatz ist die Entfernung sogenannter Fruchtmumien. Dabei handelt es sich um vertrocknete Äpfel, die nach der Ernte an den Bäumen verbleiben und dem Pilzerreger als Rückzugsort dienen können.

Die Fruchtmumien sollen während des Projekts konsequent von Hand entfernt werden. Ziel ist es, die Hygiene in den Plantagen zu verbessern und den Infektionsdruck zu reduzieren.

„In Großbetrieben wird darauf aus ökonomischen Gründen häufig verzichtet und stattdessen zur chemischen Variante gegriffen“, erklärt Weber.

Gerade im ökologischen Anbau seien chemische Mittel jedoch nur eingeschränkt zulässig. Deshalb gewinnt die vorbeugende Pflanzenhygiene nach Einschätzung der Projektpartner an Bedeutung.

Tonerde und Schwefelkalk im Test

Zusätzlich soll untersucht werden, ob Tonerde-Präparate die natürliche Abwehrkraft der Apfelbäume stärken können. Die Mittel werden im Sommer auf die Pflanzen gespritzt und könnten die Ausbreitung von Pilzen erschweren.

Darüber hinaus analysieren die Forscher die sogenannte Infektionsbiologie des Erregers. Dabei geht es unter anderem um den Zusammenhang zwischen Regenfällen, Sporenflug und Krankheitsausbruch.

Die gewonnenen Erkenntnisse sollen helfen, den optimalen Zeitpunkt für den Einsatz von Schwefelkalk-Präparaten zu bestimmen. Diese Mittel sind im ökologischen Obstbau zugelassen und sollen gezielt gegen die Ausbreitung des Pilzes eingesetzt werden.

Langfristiger Strategiewechsel angestrebt

Nach Einschätzung der Projektpartner liegt der Schlüssel im Zusammenspiel verschiedener Maßnahmen. Neben der Bekämpfung der Schwarzen Sommerfruchtfäule soll auch geprüft werden, ob sich ähnliche Strategien gegen weitere Pilzerkrankungen einsetzen lassen.

„Damit wollen wir aber nicht nur der Schwarzen Sommerfruchtfäule wirksam entgegentreten. Wir möchten auch untersuchen, ob sich mit einem solchen Vorgehen die Bekämpfung anderer, bereits weit verbreiteter Erreger verbessern lässt“, sagt Bastian Benduhn vom Verein Öko-Obstbau Norddeutschland.

Langfristig soll der Pflanzenschutz stärker auf vorbeugende Verfahren ausgerichtet werden, um den Einsatz chemischer Mittel weiter zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten.

08.03.2011

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

DBU - Deutsche Bundesstiftung Umwelt

An der Bornau 2
49090Osnabrück
Deutschland

Tel.:0541 9633-0
Fax:0541 9633-190

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