Naturschutz

Wildkatzenbestände in Deutschland: Ausbreitung und Herausforderungen

Die Europäische Wildkatze breitet sich in Teilen West- und Süddeutschlands wieder aus, doch fehlen Nachweise in vielen geeigneten Lebensräumen. Das Projekt „Wildkatzensprung“ des BUND analysiert die Bestände und schafft „grüne Korridore“ zur Unterstützung der Wiederausbreitung.

Genetische Analyse und Ausbreitungsbarrieren der Wildkatze

Seit 2011 wurden in zehn Bundesländern über 2.400 Haarproben gesammelt und genetisch analysiert. Diese Untersuchung der Wildkatzenbestände ist weltweit einzigartig. Die Ergebnisse zeigen genetische Trennungen zwischen den verschiedenen Wildkatzenbeständen. Zudem wurde keine Wildkatze in mehr als einem Waldgebiet nachgewiesen, was auf Ausbreitungsbarrieren hindeutet.

Während beispielsweise in Nordrhein-Westfalen in der Nähe von Bonn oder in Nord- und Mittelbayern überraschend viele Nachweise gelangen, sind im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und im Osten Deutschlands noch immer keine Wildkatzen heimisch. Dies zeigt, dass die Wildkatzen bis hierhin noch nicht wandern konnten und an ihrer Wiederausbreitung gehindert werden. [cite: 20]

Grüne Korridore als Lösung für die Vernetzung der Lebensräume

Das Projekt „Wildkatzensprung“ setzt seit vier Jahren an diesen Herausforderungen an. In Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Thüringen wurden Wälder durch „grüne Korridore“ – Waldverbindungen aus Bäumen und Büschen – wieder miteinander verbunden.

Straßen und Siedlungen wachsen und zerschneiden die Wälder. Gehölzgruppen und -säume gehen durch die Intensivierung der Landbewirtschaftung verloren. Um der Wildkatze und mit ihr vielen anderen gefährdeten Tieren eine Chance zu geben, müssen wir deutschlandweit ein Netz verbundener Wäldern schaffen. Die Waldverbindungen des Projekts ‚Wildkatzensprung‘ zeigen, dass dies mit einer breiten Unterstützung vor Ort gelingen kann. Damit veranschaulicht dieses Projekt aus dem Bundesprogramm Biologische Vielfalt, dass der Schutz der Artenvielfalt eng verknüpft ist mit der Förderung der Zusammenarbeit der vielen beteiligten Akteure. [cite: 20]

Zusammenarbeit und Bürgerbeteiligung im Naturschutzprojekt

Die Zusammenarbeit unterschiedlicher Interessengruppen aus Landwirtschaft, Behörden, Jagd, Forst und Naturschutz war anspruchsvoll. Offene Gespräche, pragmatische Lösungen und zuverlässige Partner vor Ort trugen zum Erfolg bei. Ehrenamtliche übernahmen dabei oft eine Schlüsselrolle. Mehr als 1.200 freiwillige Helfer und „Wildkatzenbotschafter“ unterstützten den BUND unter anderem beim Sammeln von Haarproben und dem Pflanzen von Waldverbindungen.

Das Projekt ‚Wildkatzensprung‘ ist nicht nur eines der größten Naturschutzprojekte Europas, sondern auch beispielhaft für die Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in die Wissenschaft als sogenanntes „Citizen Science“-Projekt. Laien und Wissenschaftler sind gemeinsam der Wildkatze in Deutschland auf die Spur gekommen – in einem Umfang, wie er bislang nicht möglich war. [cite: 20]

Hintergrund des Projekts „Wildkatzensprung“

Das Projekt „Wildkatzensprung“ wird von 2011 bis 2017 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

09.11.2015

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