Konjunkturelle Einschätzungen zum EMI-Anstieg
Die aktuellen EMI-Daten machen unseren Einkäufern Mut, dass die von vielen Konjunkturexperten befürchtete Rezession vorerst abgewendet scheint. Es gilt allerdings, die Neu- und Folgeaufträge im Fokus zu behalten.
Dies erklärte Dr. Holger Hildebrandt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME). Er wies darauf hin, dass der Teilindex für Neu- und Folgeaufträge noch im negativen Bereich liegt, wenngleich niedriger als in den vergangenen sechs Monaten. Ein leichter Anstieg der Einkaufspreise sei auf die Verteuerung mineralölbasierter Produkte zurückzuführen.
Der EMI und zugleich die deutsche Wirtschaft haben im letzten Quartal 2011 nur eine Verschnaufpause eingelegt. Bereits im Januar dieses Jahres signalisiert der EMI wieder Wachstum. Die hohe Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie treffe auf eine stärkere Nachfrage weltweit. Selbst die eingeleiteten Konsolidierungsmaßnahmen unserer Nachbarländer in der Eurozone können die zugrundeliegende Dynamik nicht ausbremsen. So wird Deutschland auch in diesem Jahr ein solides Wachstum von etwa 1,2 Prozent hinlegen. Von Rezession kann also keine Rede sein.
Ergänzte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba).
Produktionsentwicklung und Frühindikatoren
Die meisten Industriebetriebe verzeichneten im Berichtsmonat eine robuste Ausweitung ihrer Produktion, nachdem diese in den drei vorangegangenen Monaten deutlich zurückgefahren worden war. Der saisonbereinigte Teilindex erreichte mit 54,3 Punkten (Dezember: 49,4) den höchsten Wert seit Juni 2011. Insbesondere im Vorleistungs- und Investitionsgüterbereich wurde mehr produziert. Diese Bereiche gelten als wichtige konjunkturelle Frühindikatoren, da ihre Fertigung am Beginn der Produktionskette steht.
Hintergrund des EMI
Der Markit/BME-Einkaufsmanager-Index (EMI) dient als monatlicher Frühindikator zur Vorhersage der konjunkturellen Entwicklung in Deutschland. Er wird seit 1996 unter der Schirmherrschaft des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) veröffentlicht und von der britischen Forschungsgruppe Markit Economics erstellt. Die Berechnung des Index basiert auf der Befragung von 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der verarbeitenden Industrie in Deutschland, die nach Branche, Größe und Region repräsentativ ausgewählt werden. Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager’s Index (PMI).