Gutachten empfiehlt aktive Waldbewirtschaftung im Klimawandel
Die Anpassung der Wälder an den Klimawandel ist die zentrale Aufgabe der aktuellen Waldpolitik. Zu diesem Ergebnis kommt der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik beim Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) in seinem aktuellen Gutachten. Darin sprechen sich die Wissenschaftler klar für eine aktive Bewirtschaftung der Wälder aus. Nichtstun sei angesichts der klimabedingten Schäden keine Option.
Vor dem Hintergrund von rund 280.000 Hektar Schadfläche, die wiederbewaldet werden müssen, hat das BMEL ein Waldumbauprogramm in Höhe von 1,5 Milliarden Euro gestartet. Auf mehreren Tausend Hektar wurden bereits überwiegend reine Laubwälder sowie Mischwälder mit hohem Laubbaumanteil neu begründet. Ziel sind standortangepasste und klimastabile Bestände.
Die nachhaltige Wiederbewaldung und Waldanpassung sind die Schlüsselaktivitäten im Kampf für einen Klimaschutz mit Wald. Unsere Maßnahmen haben wir daher immer eng mit den Praktikern und der Wissenschaft abgestimmt. Dieser Ansatz wird jetzt nochmal bestätigt – dem Wissenschaftlichen Beirat danke ich für die Beratung und seine Arbeit. Gleichzeitig zeigt das Gutachten, dass wir auch mit unserer Waldstrategie 2050 die richtigen Leitplanken setzen, um den Wald mit seinen vielfältigen Funktionen für die kommenden Generationen zu erhalten. Dazu gehört auch, dass wir diejenigen langfristig unterstützen, die unseren Wald als maßgeblichen Klimaschützer erhalten, pflegen und bewirtschaften. Insofern ist auch die Erklärung der Weltklimakonferenz, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen, ein wichtiger und gleichzeitig längst überfälliger Schritt im globalen Kampf gegen den Klimawandel. Ich halte es zudem für notwendig, dass ein solches Verbot der Abholzung und weitere Nachhaltigkeitsstandards zu den Kernvoraussetzungen zukünftiger Handelsabkommen gehören.
Der Vorsitzende des Beirats, Prof. Dr. Jürgen Bauhus, betont die langfristige Perspektive der Empfehlungen:
Unsere Empfehlungen zielen darauf ab, die Vielfalt der Ökosystemleistungen langfristig sicherzustellen. Dafür benötigen wir einerseits resiliente und anpassungsfähige Wälder und andererseits Betriebe und Institutionen, die in der Lage sind, diese Daueraufgabe der Anpassung zu bewerkstelligen.
Zentrale Handlungsempfehlungen des Beirats
- Resiliente und anpassungsfähige Wälder erhalten und entwickeln
- Waldschutz gegenüber biotischen Risiken verbessern
- Risikomanagement für Extremereignisse weiterentwickeln
- Biodiversität sichern und erhöhen
- Boden und Wasser schützen
- Nachhaltige Holzverwendung fördern
- Wälder als Orte für Erholung, Sport und Tourismus entwickeln
- Ökosystemleistungen honorieren
- Monitoring optimieren
- Forschungskapazitäten stärken und besser vernetzen
Die Verbände & Organisationen im Forst- und Umweltbereich erhalten damit eine klare fachliche Orientierung. Für Betriebe im Garten- & Landschaftsbau sind insbesondere Aspekte wie Biodiversität, Bodenschutz und klimaangepasste Gehölzverwendung von Bedeutung, da sie zunehmend in kommunale und private Projekte einfließen.
Waldstrategie 2050 setzt Schwerpunkte
Die Waldstrategie 2050 des BMEL bündelt zentrale Handlungsfelder. Im Fokus stehen Klimaschutz und Klimaanpassung, unter anderem durch staatlich geförderte Beratungs- und Umsetzungsprogramme sowie ein zentrales Klimawandel-Monitoring für den Wald. Zudem soll die Klimaschutzleistung der Wälder honoriert werden.
Im Bereich Biodiversität ist vorgesehen, den Anteil naturnaher Waldflächen – derzeit 76 Prozent – weiter auszubauen. Ein begleitendes Monitoring soll Fortschritte und Anpassungsbedarf erfassen. Auch die nachhaltige Waldbewirtschaftung wird gestärkt. So soll die Holzbauquote im Wohnungsneubau auf 30 Prozent erhöht werden, wobei die öffentliche Hand eine Vorbildfunktion übernehmen soll.
Darüber hinaus wird der Wald als Erholungsraum in den Blick genommen. Formate wie Bundeswaldtage, die „Bundesplattform Wald – Sport, Erholung und Gesundheit“ sowie das Kompetenz- und Informationszentrum Wald und Holz sollen Wissen und Bewusstsein stärken.
Der Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik berät die Bundesregierung interdisziplinär zu Rahmenbedingungen einer nachhaltigen, multifunktionalen Waldbewirtschaftung. Mit dem aktuellen Gutachten bestätigt er den eingeschlagenen Kurs einer aktiven, klimaorientierten Waldpolitik.
