Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Zahlungsmoral
Im zweiten Quartal 2009 hat die Wirtschaftskrise die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen beeinflusst. Eine Studie des Wirtschaftsinformationsdienstes D&B Deutschland zeigt, dass nur noch 78,4 Prozent der Unternehmen ihre Rechnungen innerhalb des vereinbarten Zahlungsziels beglichen. Dies entspricht einem Rückgang von 1,13 Prozentpunkten im Vergleich zum ersten Quartal 2009.
Mit diesen Zahlen und ihrer Entwicklung präsentiert sich jedoch die deutsche Wirtschaft in Zeiten der Wirtschaftskrise bei der Zahlungsmoral durchaus stabil. Derzeit mehren sich die Zeichen für eine Erholung der Zahlungsmoral. Es bleibt weiterhin abzuwarten, wie sehr sich die restriktive Vergabepolitik der Banken bei Krediten auf die Liquidität der Unternehmen und deren Cashflow auswirken wird.
Die durchschnittliche Verzugszeit bei Unternehmen, die nicht fristgerecht zahlten, betrug 9,7 Tage. Im ersten Quartal lag dieser Wert noch bei 9,1 Tagen. Trotz Kürzungen von Limiten durch Kreditversicherer und strengerer Kreditvergabepraktiken der Banken verfügten deutsche Firmen im zweiten Quartal 2009 über ausreichend liquide Mittel, um ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die Auswertung von 600 Millionen deutschen Rechnungen im Rahmen des D&B DunTrade® Programms bestätigt, dass der Großteil der Unternehmen in Deutschland weiterhin eine gute Zahlungsmoral aufweist.
Branchenunterschiede im Zahlungsverhalten
Im Branchenvergleich zeigte sich, dass der Maschinenbau als einzige Sparte eine verbesserte Zahlungsmoral aufwies, mit einem Plus von 0,17 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der aktuelle Auftragseinbruch in diesem Sektor hatte sich bislang nicht negativ auf das Zahlungsverhalten ausgewirkt. Andere untersuchte Branchen verzeichneten hingegen Rückgänge in der Zahlungsmoral.
Die Pharmaunternehmen führten mit 92,79 Prozent weiterhin die Liste der Branchen mit der besten Zahlungsmoral an, verzeichneten jedoch kleinere Verluste. Die Banken, die die zweitbeste Zahlungsmoral aufwiesen, erlitten mit einem Minus von 2,11 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2009 den drittstärksten Rückgang. Der Maschinenbau (82,49 Prozent) überholte den Groß- und Einzelhandel (81,54 Prozent) auf Platz drei. Den stärksten Rückgang der Zahlungsmoral verzeichnete der Bereich Transport und Logistik mit minus 6,1 Prozent, was auf den Rückgang des Welthandels zurückgeführt wird. Die meisten Beanstandungen bezüglich der Zahlungsmoral wurden bei Unternehmen aus dem Baugewerbe sowie bei Verlagen und Druckereien festgestellt.
Regionale Entwicklungen der Zahlungsmoral
Auch im Vergleich der Bundesländer sank das Zahlungsverhalten der Unternehmen vom ersten zum zweiten Quartal 2009. Kein Bundesland konnte eine Verbesserung der pünktlichen Zahlungen verzeichnen. Berlin blieb mit 71,88 Prozent weiterhin das Schlusslicht. Die Top-3-Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg und Sachsen behielten ihre Positionen bei. Gläubiger in Bremen erhielten ihr Geld am schnellsten.
Ausblick für das zweite Halbjahr 2009
Trotz der anhaltenden Berichterstattung über Rezession, Wirtschaftskrise, Insolvenzen und Arbeitslosigkeit zeigte sich die Zahlungsmoral deutscher Unternehmen als robust. Im Gegensatz dazu stieg beispielsweise in der Schweiz die durchschnittliche Verzugszeit von 14,8 Tagen im ersten Quartal 2008 auf 21,9 Tage an. Für Deutschland, insbesondere in exportorientierten Branchen wie dem Maschinenbau, der Chemie oder der Automobilindustrie, werden die kommenden Monate weiterhin herausfordernd sein.
D&B prognostiziert für Deutschland einen Anstieg der Insolvenzen um etwa 17 Prozent, der unter anderem auf die Liquiditätskrise vieler Firmen und unzuverlässiges Zahlungsverhalten von Kunden zurückzuführen ist. Dies erhöht das Risiko von Forderungsausfällen. Volkswirte interpretieren die positive Entwicklung mehrerer Wirtschaftsindikatoren, wie den Anstieg der Auftragseingänge, als Zeichen einer leichten Besserung der wirtschaftlichen Lage im zweiten Halbjahr. Es bleibt abzuwarten, inwiefern politische Maßnahmen und Konjunkturprogramme trotz strengerer Kreditprüfungen durch Banken die Unternehmen ausreichend mit Kapital versorgen können.