Einzigartiges Projekt im urban-industriellen Raum des Saarlandes
Prof. Dr. Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, hob die Besonderheit von LIK Nord hervor.
Unter unseren 80 Naturschutzgroßprojekten ist LIK Nord etwas ganz Besonderes: Es war bei seinem Start 2009 das erste Naturschutzgroßprojekt im dicht besiedelten Raum und das einzige mit dem expliziten Ziel, einer von starkem Strukturwandel geprägten, urban-industriellen Landschaft mit Hilfe des Naturschutzes zukunftsfähige Perspektiven zu eröffnen.
Sie würdigte die Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptamt sowie die Unterstützung von Kommunen, Land und Bund, die „Großes“ für den Naturschutz, die Region und die Bevölkerung bewirke.
Der saarländische Umweltminister Reinhold Jost betonte die Bedeutung des Projekts für das Land.
Mit der Bewilligung dieses Naturschutzgroßvorhabens ist es erstmalig gelungen, ehemals bergbaulich und industriell genutzte Flächen im Sinne des Naturschutzes neu in Wert zu setzen und weiter zu entwickeln. Damit sticht dieses Projekt aus der Reihe sonstiger Naturschutzgroßprojekte des Bundes deutlich hervor. Es passt natürlich in unser Land mit seiner wechselvollen bergbaulichen und industriellen Geschichte. Wir wollen dieses Erbe aus Bergbau und Stahlgewinnung in eine neue Zukunft führen.
Umfassende Maßnahmen und Erfolge des Projekts
Seit 2015 wurden in den vier Landschaftslaboren von LIK Nord umfangreiche Investitionen getätigt. Bürgermeister Lutz Maurer, Verbandsvorsteher von LIK Nord, erläuterte die Maßnahmen.
Unter anderem wurden Verbauungen etwa im Fahrbachtal entfernt, Teiche und Wiesen renaturiert sowie Wanderwege und Beobachtungsplattformen konzipiert, die auch Menschen mit Gehbehinderung das Naturerleben erlauben.
Diese Investitionen umfassten Grunderwerb sowie die Förderung der Artenvielfalt und Besucherinformation.
Hintergrund des Naturschutzgroßprojekts „LIK Nord“
Das Projektgebiet im mittleren Saarland ist eine typische Bergbaufolgelandschaft, die kleinteilig, dicht besiedelt und von Verkehrswegen zerschnitten ist. Diese Landschaft zeichnet sich durch ein Mosaik spezialisierter Lebensräume aus, in denen nahezu 100 Rote-Liste-Arten vorkommen. Der Niedergang von Bergbau und Schwerindustrie hat die Region tiefgreifend verändert. Ziel des Projekts ist es, den besonderen Wert der dabei entstandenen Landschaft zu sichern und weiterzuentwickeln. Das Bundesumweltministerium fördert das Vorhaben von 2009 bis 2024 mit 9,6 Millionen Euro.
In der ersten Projektphase von 2009 bis 2012 erstellte der Projektträger, ein Zweckverband aus Gebietskörperschaften der Region, einen umfassenden Pflege- und Entwicklungsplan. Die anschließende zweite Phase konzentriert sich auf die Umsetzung konkreter Maßnahmen. Dazu gehören die Entwicklung einer großflächigen Weidelandschaft im Umfeld eines Schlammweihers, die Reaktivierung der für das Saarland typischen Streuobstwiesen, der Umbau von Nadelholzbeständen in lichte Laubwälder sowie die Renaturierung von zwei Bächen. Zusätzlich werden Natur- und Landschaftsführer ausgebildet, die Exkursionen anbieten.
Das Förderprogramm „chance.natur“ des Bundes
Mit dem Programm „chance.natur“ verfolgt die Bundesregierung das Ziel, herausragende und repräsentative Landschaften Deutschlands zu erhalten und zu sichern. Seit 1979 wurden 80 Naturschutzgroßprojekte mit einer Gesamtfläche von über 3.700 Quadratkilometern gefördert. Davon sind 65 Projekte abgeschlossen, 15 laufen noch. Der Bund hat dafür rund 500 Millionen Euro bereitgestellt. Derzeit stehen jährlich 14 Millionen Euro für die Erhaltung und Optimierung bundesweit bedeutender Natur- und Kulturlandschaften zur Verfügung.
