Branchenentwicklung und Verbandstätigkeit im Fokus
Die Branche befindet sich in einem dynamischen Wandel, sowohl in den Unternehmen als auch in den Verbänden. Eva-Maria Kähler-Theuerkauf, Präsidentin des größten Gartenbaulandesverbandes in Nordrhein-Westfalen, berichtete über die erfolgreiche Fusion der beiden Landesverbände. Sie betonte, dass die Intensität der Verbandsarbeit verstärkt werde, um den Anforderungen der Branche gerecht zu werden.
Für Jürgen Mertz, Präsident des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG), und Generalsekretär Bertram Fleischer ist die interne und externe Kommunikation eine zentrale Aufgabe. Es gehe darum, die vielfältigen Themen, die im Dachverband bearbeitet werden, an die Politik, nachgelagerte Behörden und die Mitglieder zu vermitteln. Mertz nannte als Beispiele Diskussionen zu Exportfragen, das vom ZVG geforderte Bundesprogramm zur Steigerung der Energieeffizienz, die Schließung von Lücken bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln sowie Baurechtsfragen.
Pflanzenschutz und politische Rahmenbedingungen
Dr. Wolfgang Zornbach vom Referat Pflanzenschutz des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) forderte die Fortführung des Verbundprojektes Lückenindikation. Er betonte, dass das BMEL an diesem Projekt festhalte und eine Verlängerung befürworte. Zornbach äußerte zudem die Sorge, dass die Geschwindigkeit des Wirkstoffwegfalls, insbesondere für Zierpflanzen, weiter zunehmen könnte. Als Beispiel nannte er die Diskussion um endokrine Disruptoren. Er plädierte für eine separate Bewertung jedes Stoffes, um Pauschalausschlüsse zu vermeiden, und wünschte sich eine Versachlichung der Diskussionen um Pflanzenschutzmittel sowie Entscheidungen, die auf wissenschaftlichen Ergebnissen basieren. Die Diskussion um die Zulassung von Glyphosat zeige, dass auch im Pflanzenschutz die Kommunikation eine tragende Rolle spiele, der sich das Ministerium nun annehmen wolle. Auch die Verbände sieht er hier in der Pflicht.
Die Bedeutung von Pflanzengesundheit und Pflanzenschutz für die Branche wurde auch in der Präsentation von Julia Stark, Europareferentin des ZVG, deutlich. Diese Themen nehmen einen großen Raum in der EU-Gesetzgebung ein und sind neben der Düngeverordnung, Patentregelungen, der Öko-Verordnung, der Mehrwertsteuersystemrichtlinie und Energiefragen ein Handlungsschwerpunkt.
Isabelle Lampe stellte den Zierpflanzenproduzenten die praktische Anwendung von PSInfo – MeinBetrieb vor. Dieses Online-System, ein Zusatzmodul von PS-Info, ermöglicht die virtuelle Verwaltung des Spritzschrankes sowie die gesetzeskonforme Dokumentation und Planung von Anwendungen basierend auf aktuellen Zulassungsdaten.
Marktentwicklungen und Zukunftsstrategien
Franz-Willi Honnen von der Landgard Blumen und Pflanzen GmbH diskutierte mit den Delegierten und Gästen der BVZ-Tagung die Veränderungen im Markt. Er hob hervor, dass die Marktzahlen eindeutig seien und Verbraucher zunehmend fachfremde Einkaufsstätten wählen.
Um den Anforderungen der Zukunft zu entsprechen, müssten sich Produktion und Vermarktung noch mehr auf das Einkaufsverhalten und die Wünsche der Verbraucher einstellen und dies auch bei den Absatzförderungsmaßnahmen entsprechend berücksichtigen. Storytelling und das Vermitteln von Glücksgefühlen stehe dabei an erster Stelle.
Matthias Bremkens, Vorsitzender des BVZ, rief seine Kollegen auf, sich als Unternehmer den Herausforderungen zu stellen und Betriebskonzepte stetig anzupassen. Er betonte die Notwendigkeit, die Unternehmen zukunftsfähig zu machen. Ein Baustein hierfür sei die Nutzung des Förderprogramms zur Steigerung der Energieeffizienz. Dieses Bundesprogramm stelle auch in den Jahren 2017 und 2018 insgesamt 50 Millionen Euro bereit, die von der Branche in Anspruch genommen werden können.
Die Herbsttagung wurde durch den Besuch des Blumengroßmarktes Köln und Exkursionen zu den Firmen Schönges in Korschenbroich, Kamp in Neuss und Engels in Pulheim abgerundet. Diese boten Raum für intensive Diskussionen der Delegierten aus dem gesamten Bundesgebiet. Die nächste Herbsttagung ist für den 19. bis 21. Oktober 2017 in Bayern geplant.
