Die Grüne Stadt

Plädoyer für langlebige Bäume: Baumpflegeunternehmen Thomsen kritisiert gängige Praxis

Das Baumpflegeunternehmen Uwe Thomsen aus Pinneberg kritisiert Praktiken in der Aufzucht, Pflanzung und Pflege von Bäumen, die zu einer verkürzten Lebensdauer führen. Das Unternehmen setzt sich für einen bewussteren Umgang mit Bäumen und ihren Wurzeln ein.

Baumpflegeunternehmen Thomsen fordert Umdenken im Umgang mit Bäumen

Das Baumpflegeunternehmen Uwe Thomsen aus Pinneberg setzt sich für einen bewussteren Umgang mit Bäumen und ihren Wurzeln ein. Das Unternehmen kritisiert Praktiken in der Aufzucht, Pflanzung und Pflege von Bäumen, die nach seiner Auffassung zu einer verkürzten Lebensdauer führen.

Uwe Thomsen sammelt und konserviert Beispiele von Fehlern, die bei der Baumkultivierung entstehen. Diese Exponate, darunter Stammquerschnitte, Baumstubben und Wurzelteile, werden auf Schulungen, Fachtagungen und Seminaren präsentiert. Ziel ist es, auf die Problematik aufmerksam zu machen, dass Bäume oft als „Wegwerfartikel“ behandelt werden.

Nach Einschätzung von Thomsen erreichen Stadtbäume heute in vielen Fällen nicht mehr als 30 Jahre. Dies sei kein angemessenes Alter für einen Baum. Die Verantwortung dafür liege bei den Akteuren, die für die Aufzucht und Pflege der Bäume zuständig sind.

„Der Baum hat für die Menschen heute nicht mehr den Wert, den er früher einmal hatte. Die Methoden einer artgerechten Verschulung, Pflanzung und Pflege sind allgemein bekannt und auch in diversen Regelwerken und Handlungsanweisungen festgesetzt. Aber sie werden zu oft nicht beachtet, weil man sich keine Gedanken mehr um den Baum und seine Wurzeln macht. Weil es für viele nicht mehr wichtig ist, dass ein Baum ein für ihn angemessenes Alter erreicht“, so Uwe Thomsen.

Das Unternehmen setzt sich dafür ein, dass traditionelle Methoden im Umgang mit Bäumen wieder stärker berücksichtigt werden, damit Bäume ein höheres Alter erreichen können.

Aufklärungsarbeit und Kritik an der Baumschulung

Uwe Thomsen und seine Mitarbeiter suchen bewusst die Konfrontation, um auf Missstände hinzuweisen. In ihren Ausstellungen zeigen sie Baumschulern, Landschaftsgärtnern sowie Mitarbeitern von Grünflächen- und Tiefbauämtern die Konsequenzen fehlerhaften Handelns auf. Dies beginnt bereits bei der Kultivierung in Baumschulen.

Thomsen erläutert, dass der Begriff „Baumschule“ vom Wort „Verschulen“ abgeleitet ist, was das regelmäßige Verpflanzen von Jungbäumen bedeutet. Dieses Vorgehen ist notwendig, damit die Bäume starke und gesunde Verankerungswurzeln ausbilden können, die ihnen später die nötige Standsicherheit verleihen.

In der Praxis würden Bäume jedoch oft in zu kleinen Containern kultiviert und nicht in größere umgepflanzt. Dies führt dazu, dass die Bäume statt sternförmiger Verankerungswurzeln sogenannte Ringwurzeln entwickeln. Dieses Wurzelverhalten bleibt auch nach dem Einpflanzen am Bestimmungsort bestehen. Die Folge ist eine mangelhafte Verankerung im Boden, was bei großen Baumkronen zu einem erhöhten Umsturzrisiko führt.

Herausforderungen bei Pflanzung und Pflege

Svenning Holz, Mitarbeiter bei Uwe Thomsen, ergänzt, dass das Schicksal vieler Bäume auch während der Pflanzung am späteren Standort besiegelt wird. Ein Problem sei die mangelhafte Planung, bei der oft ungeeignete Baumarten für bestimmte Standorte ausgewählt werden. Hinzu kommt, dass das Personal, das mit der Pflanzung und Pflege betraut ist, häufig nicht über das notwendige Fachwissen verfügt.

Bäume werden demnach auf verschiedene Weisen unsachgemäß gepflanzt. Dies reicht von zu kleinen Pflanzgruben über zu tiefe Pflanzungen, die die Sauerstoffversorgung der Wurzeln beeinträchtigen, bis hin zu unzureichendem Raum für die Wurzelentwicklung.

Nach der Pflanzung birgt eine unsachgemäße Pflege weitere Risiken für die Baumgesundheit. Holz kritisiert, dass zwar viele Bäume in Städten gepflanzt werden, die anschließende Pflege jedoch oft vernachlässigt wird. Ein Großteil der Bäume werde vergessen, und Kronen würden erst dann beschnitten, wenn der Baum groß ist und eine Gefahr für die Verkehrssicherheit darstellt. Zu diesem Zeitpunkt sei es oft zu spät, und die Schnitte verursachten große Wunden, die der Baum nicht mehr überwallen könne.

„Wer einen Baum pflanzt, muss sich um ihn kümmern. Auch, und vor allem, wenn er noch jung ist. Ein regelmäßiger Erziehungsschnitt in den ersten 15 Jahren ist eine unerlässliche Basis dafür, dass sich ein Baum gesund entwickeln kann und verkehrssicher bleibt“, so das Fazit von Svenning Holz.

Rückbesinnung auf altes Wissen

Trotz anfänglicher Skepsis stoßen die Exponate und Aufklärungsarbeiten von Uwe Thomsen auf großes Interesse. Seminare sind schnell ausgebucht, und Fachveranstaltungen wie die Deutschen Baumpflegetage ziehen zahlreiche interessierte Fachleute an. Die visuellen Beispiele an ehemals lebenden Objekten verdeutlichen die drastischen Auswirkungen einer nicht fachgerechten oder fehlenden Baumpflege.

„Wir wünschen uns ein allgemeines Umdenken in Richtung eines bewussteren Umgangs mit Bäumen. Wir möchten zurück zu den Wurzeln, womit wir zum einen meinen, dass man den Wurzeln, also dem Fundament der Bäume, Beachtung schenken und sie schützen sollte. Aber wir meinen damit auch, dass das jahrhundertealte Wissen über einen artgerechten Umgang mit Bäumen wieder an Bedeutung gewinnen und zum Einsatz kommen muss!“, so Uwe Thomsen.

Nur so könnten Stadtbäume wieder gesund altern und ihre volle Lebensspanne erreichen.

19.06.2019

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