Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Auf dem Weg für Grüne Stadtentwicklung

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Für die vom Bundesverband für den Garten- und Landschaftsbau (BGL) e.V. in Zusammenarbeit mit der Stiftung DIE GRÜNE STADT initiierte Charta ´Zukunft Stadt und Grün` hat sich ein breites, branchenübergreifendes Bündnis aus Verbänden, Stiftungen und Unternehmen zusammen getan. Seit der Veröffentlichung im Januar 2014 in der Bundespressekonferenz in Berlin und der anschließenden Präsentation im Umweltministerium mit Bundesumweltministerin Dr. Barbara Hendricks sind weitere exponierte Unterzeichner dazugekommen.

Für die Albert Speer & Partner GmbH aus Frankfurt unterzeichnete der Inhaber Prof. Albert Speer (m.) am Freitag, den 11. Juli in Anwesenheit von BGL-Vizepräsident Eiko Leitsch (r.) und BGL-Referent Wolfgang Groß (l.) die Charta Zukunft Stadt und Grün.

Das Ziel, in der Öffentlichkeit einen Diskurs über Integrierte Grüne Stadtentwicklung zu etablieren und die Debatte auf die lokale Ebene zu tragen, verfolgt eine neue Veranstaltungsreihe, die 2014 in voraussichtlich zehn Städten stattfinden wird.

Sommerfest auf Landesgartenschau in Gießen

Am 5. Juli 2014 gab es im Rahmen des Sommerfestes der Grünen Verbände auf der Landesgartenschau in Gießen die Auftaktveranstaltung der Tournee. Jens Heger, Präsident des FGL Hessen-Thüringen begrüßte das Fachpublikum im gut gefüllten Festzelt: „Mit der Präsentation und Diskussion der Charta `Zukunft Stadt und Grün` im Rahmen des diesjährigen Sommerfestes wollen wir unseren Betrieben Argumente an die Hand geben, die sie in den Gesprächen mit öffentlichen Auftraggebern nutzen können und auch dazu beitragen, das Bewusstsein für den Wert von Grün in der Öffentlichkeit weiter zu stärken.“ Eiko Leitsch, Vorsitzender des Ausschuss Stadtentwicklung des BGL und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung DIE GRÜNE STADT, stellte die Kernaussagen der Charta vor. „Die Politik weiß zwar um die Bedeutung einer nachhaltigen Stadtentwicklung. Diese wird jedoch viel zu einseitig diskutiert und oft auf technische Lösungen reduziert." Ein Anliegen der Charta sei es daher, den vielfältigen Nutzen von urbanem Grün herauszustellen. „Stadtgrün ist nicht nur schön anzusehen, sondern bietet einen ökologischen, ökonomischen und sozialen Mehrwert, der sich rechnet." Die Podiumsdiskussion eröffnete die Bürgermeisterin von Gießen, Gerda Weigel-Greilich, mit einem klaren Statement für den Wert von Grün als integriertem Bestandteil der Stadtentwicklung. Gießen sei eine wachsende Stadt und müsse den Wunsch der Bürger nach Freiraum und sehr konkret auch den Wunsch nach Grünraum erfüllen, um attraktiv zu bleiben. Stefan Heldmann, Gartenamtsleiter von Frankfurt, sprach zugleich als Vertreter der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK), die die Charta mitunterzeichnet hatte. Ebenso Stefan Kettlitz, der als Vorsitzender des bdla Hessen auch den Bundesverband deutscher Landschaftsarchitekten (bdla) repräsentierte und die Motive für das Engagement in der Charta-Initiative aus Planersicht erläuterte. Professor Klaus Werk von der Hochschule Geisenheim betonte die Notwendigkeit einer verstärkten Forschung und eines intensiven Wissens- und Erfahrungsaustausches zu Fragen der grünen Stadtentwicklung.

Forum auf Landesgartenschau Schwäbisch Gmünd

Mehr als 70 Teilnehmer, Vertreter von Kommunen, Architekten, und Landschaftsplaner kamen am 17. Juli 2014 zu der Vortragsveranstaltung mit Podiumsdiskussion ins Himmelreich der Landesgartenschau in Schwäbisch Gmünd. Richard Arnold, Oberbürgermeister der Stadt Schwäbisch Gmünd hielt ein eindrucksvolles Plädoyer für grüne Stadtentwicklung: Die Landesgartenschau und die damit möglichen Infrastrukturmaßnahmen in der Stadt hätten schon jetzt erkennbar eine grundlegende und nachhaltige Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität in der Stadt zur Folge. Auch Reiner Bierig, Geschäftsführer des Verband für den Garten- und Landschaftsbau Baden-Württemberg e.V. und Mitglied des Kuratoriums der Stiftung DIE GRÜNE STADT, betonte den Wert von Grün für die Zukunft der Städte. Grünplanung und -pflege müssten als integrierte Teile der Stadtentwicklung auf Augenhöhe mit anderen Themen der städtischen Infrastruktur betrachtet werden.

Der Landschaftsarchitekt Christof Luz aus Stuttgart sprach nicht nur mit dem Hintergrund seiner langjährigen Erfahrung als Planer, sondern auch als Vertreter des bdla. Es gehe um eine Neujustierung von Infrastruktur und Ingenieurbau: Nur, wenn man gesellschaftliche Entwicklungen beispielsweise der Demographie und des Freizeitverhaltens der Menschen einbezöge, entstünden öffentliche Räume, die akzeptiert und genutzt würden. Eine enge Kooperation der unterschiedlichen Disziplinen und Interessen sei geboten, um Fehler in der Planung zu vermeiden. Auch Dr. Andre Baumann, hauptamtlicher Landesvorsitzender des NABU Baden-Württemberg und Mitglied des Vorstands der NABU-Stiftung Naturerbe Baden-Württemberg betonte in seinem Beitrag die Gemeinsamkeiten. Ziel sei es, den Menschen Naturerfahrung im direkten Lebensumfeld zu ermöglichen und die schon heute hohe Artenvielfalt von Pflanzen und Tieren in Städten zu erhalten und zu fördern. Dabei gehe es nicht darum, den öffentlichen Raum verkommen zu lassen oder Einsparungen im Pflegehaushalt zu rechtfertigen, sondern zum Beispiel gezielt Rückzugsräume für wildlebende Insekten und Tiere zu schaffen. Der Garten- und Landschaftsbau-Unternehmer Stefan Arnold aus Leinfelden-Echterdingen appellierte als Mitglied des BGL-Ausschusses Stadtentwicklung an die verantwortlichen Entscheider in Städten und Kommunen: „Grünflächen brauchen eine Pflege, die auf Art und Intensität der Nutzung angepasst ist - und dazu ist Sach- und Fachkenntnis die erste Voraussetzung!“ Nicole Preussner, Leiterin der Abteilung Grünflächen und Ökologie der Stadt Ludwigsburg, legte den Fokus auf den Sozialen Wert des öffentlichen Grüns und zeigte Wege auf, wie es gelingen kann, dass Kommunen ihre Bürger und die lokale Wirtschaft einbeziehen. Vor allem eine regelmäßige und intensive Kommunikation sei wichtig, um bei den Bürgern Interesse und ein Bewusstsein für Grün zu wecken. „Emotionen sind der Schlüssel zu Engagement“, ist Preussner überzeugt.

Engagiertes Bündnis Grün Bremen

Am 22. Juli 2014 stand die Charta „Zukunft Stadt und Grün“ im Mittelpunkt einer Veranstaltung in den Räumen der „botanica GmbH“ im Bürgerpark in Bremen. Rainer Kavermann, Mitglied im Ausschuss Stadtentwicklung des BGL, begrüßte die Teilnehmer und freute sich, dass so viele lokal Verantwortliche und Interessierte der Einladung gefolgt waren. Peter Menke, Vorstand der Stiftung DIE GRÜNE STADT, stellte die Charta vor und betonte, dass die darin definierten allgemeinen Wirkungs- und Handlungsfelder erst durch die lokale Interpretation mit Leben gefüllt werden. Einen Ansatz dazu lieferte Ulf Jacob, Sprecher des Bündnis ´Grünes Bremen`, indem er mögliche Eckpunkte einer zu entwickelnden Grünstrategie für Bremen vorstellte. Es sei notwendig „Kräfte zu bündeln, Synergien zu erschließen, neue Strategien zu entwickeln und aufzuzeigen, wie sich öffentliche, private und semiprivate Freiräume und Grünflächen in die Gesamtentwicklung der Stadt einfügen.“ Konkret müsse dem zuständigen Umweltbetrieb in Bremen mehr eigenverantwortliche Steuerung und strategische Freiräume für Planung, Entwicklung und Pflege des Stadtgrüns zugestanden werden, so die Position des Bündnis ´Grünes Bremen`. Grün- und Freiräume klima- und sozialgerecht weiterzuentwickeln, das seien trotz finanzieller Engpässe Kernthemen jeder zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Grün in der Stadt fördere die Gesundheit, die Artenvielfalt, reduziere die Feinstaubbelastung, mildere die Folgen des Klimawandels und übernehme wichtige soziale Funktionen. Eine gute Grünentwicklung sei daher auch ein soziales, kulturelles und standortpolitisches Projekt der Stadt, so Jacob.

Heiner Baumgarten sprach als Vertreter der Ständigen Konferenz der Gartenamtsleiter (GALK) beim Deutschen Städtetag. Grün dürfe keine freiwillige Aufgabe sein, notwendig sei eine breite gesellschaftliche Allianz zur Sicherung von Lebensqualität in Städten, insbesondere vor dem Hintergrund der Folgen des Klimawandels. Er beklagte die permanente Reorganisation von Grünflächenämtern mit dem Ergebnis, dass immer mehr Wissen, Kompetenz und Daten verloren gingen. Statt einer weiteren Aufsplitterung sei eine Bündelung der Zuständigkeiten für Grün notwendig, so Baumgarten. Die Charta sei eine sehr gute Basis für neue Allianzen zur Stadtentwicklung. In der Podiumsdiskussion sprachen auch Vertreter der Landespolitik und Grünverwaltung: Dr. Maike Schäfer, umweltpolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion „Bündnis 90/Die Grünen“ und Arno Gottschalk, umweltpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion sowie der Geschäftsführer des Umweltbetriebs Bremen, Dr. Georg Grunwald, stellten ihre Sicht auf die lokale Situation vor und beantworteten Fragen der Zuhörer.

Gemeinsam statt einsam

Bei allen Veranstaltungen bestand Konsens mit Blick auf die Kernaussagen der Charta „Zukunft Stadt und Grün“: Öffentliche Grünflächen wie Parks, Straßenbegleitgrün, Friedhöfe aber auch private Gärten oder Dach- und Fassadenbegrünung tragen wesentlich zur nachhaltigen Stadtentwicklung bei. Je nach Ausführung und spezieller Nutzung sind mal eher ökologische, wirtschaftliche oder auch soziale Aspekte bei der Bewertung von Grünflächen in Städten vorrangig. Die Charta lässt jedem offen, auf einem oder mehreren der acht so genannten Wirkungs- und Handlungsfelder aktiv zu werden. Es gibt nicht den einen Königsweg für alle Städte und Gemeinden, aber wenn es gelingt, auf lokaler Ebene die Beteiligten zusammenzubringen und auf Augenhöhe miteinander zu sprechen, kann grüne Stadtentwicklung der Lösungsweg für viele Kommunen sein.