Die Grüne Stadt

Urban Gardening: Grüne Impulse für Städte weltweit

Die Urban-Gardening-Bewegung gewinnt an Bedeutung und war Thema der 2. Fachtagung der LWG in Veitshöchheim. Die Tagung beleuchtete die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen für diesen gesellschaftlichen Wandel und präsentierte Beispiele sowie Lösungswege für Stadtverwaltungen.

Rahmenbedingungen für den Wandel im Urban Gardening

Bürger möchten sich aktiv an der Gestaltung ihres grünen Umfeldes beteiligen. Dr. Hermann Kolesch, Präsident der LWG, betonte in seinem Grußwort die Notwendigkeit klarer Rahmenbedingungen, um diesen gesellschaftlichen Wandel nachhaltig zu gestalten. Die Tagung bot hierfür Beispiele und Lösungswege für Stadtverwaltungen. Der Wunsch nach Veränderungen, auch im Kontext des Klimawandels, nimmt über alle Altersgruppen hinweg zu. Dr. Christa Müller, Vorsitzende der Stiftung „anstiftung“, stellte die Initiative vor, die 750 Gärten in Deutschland umfasst und den Erfahrungsaustausch sowie die Erforschung von Gartengruppen und der DIY-Bewegung fördert.

Die „Essbare Stadt“ Andernach als Vorbild

Dr. Lutz Kosack von der Stadt Andernach präsentierte das Konzept der „Essbaren Stadt“. Hierbei wurden öffentliche Grünanlagen in Gemüsegärten umgewandelt, die Bürgern das Mitgärtnern und Ernten ermöglichen.

Dabei geht es darum die Stadt nicht nur als ´Lebens-Mittelpunkt´, sondern auch als ´Lebens-Mittel´ erlebbar zu machen.

Dieser Ansatz zielt darauf ab, die städtische Bevölkerung stärker für das öffentliche Grün zu sensibilisieren und aktiv in dessen Nutzung und Pflege einzubinden. Neben Obst und Gemüse finden auch Hühner und Schafe ihren Platz in der Stadt. Zudem wird die Biodiversität durch die Einrichtung von Blühinseln auf Rasenflächen gefördert.

Paris auf dem Weg zur grünen Metropole

Paris verfolgt ambitionierte Ziele zur Begrünung der Stadt, darunter Obstgärten in Schulen, Gemüsegärten in Kitas und 100 Hektar begrünte Dächer und Fassaden bis 2020. David Lacroix von der Stadt Paris stellte vier Aktionsbereiche vor: die Vereinigung von Akteuren und Grundbesitzern, die Begrünung städtischer Einrichtungen, die Entwicklung des Urban Farming sowie Beratung und Unterstützung der Bevölkerung. Der „Begrünungsschein“, der über 2.000 Pariser Anwohnern die Pflege einer eigenen Grünfläche ermöglicht, ist ein zentrales Element. Der „Pariser Biodiversitätsplan 2018/19“ umfasst 30 Aktivitäten zur Stärkung der Biodiversität. Für Urban Farming sind 30 Hektar auf Dachflächen oder in alten Parkhäusern geplant, wo neben Obst und Gemüse auch Hopfen für die Biererzeugung angebaut werden soll. Für die Begrünungskampagne „2020“ wurden bereits 74 Projektpartner aus der Wirtschaft gewonnen.

Urban Gardening in Südostasien: Herausforderungen und Lösungen

Dr. Robert Holmer von Urban Food International beleuchtete die Entwicklung in Südostasien am Beispiel Manilas. Das schnelle Stadtwachstum und der Flächenverbrauch gehen dort mit einer Zunahme von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes einher, während gleichzeitig ein Viertel der Bevölkerung unterernährt ist. Auch in diesen Metropolen steigt der Wunsch nach Stadtgärten. Gemeinschaftsgärten werden angelegt, um die Ernährung mit vitaminreichem Gemüse zu verbessern und soziale Kontakte zu fördern. Gemüse wird in Boxen, Tüten und Containern angebaut, und Schulgärten entstehen. In Singapur entwickeln sich im Bereich Urban Farming sogar Fabriken, in denen Pflanzen in Regalen auf Nährlösungen unter LED-Beleuchtung kultiviert werden.

Forschung und Praxis bei der LWG: Innovative Ansätze

Florian Demling vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau berichtete über Forschungsprojekte zum Gemüseanbau auf Dächern und an Fassaden. Während der Anbau auf Dächern mit geringem technischen Aufwand möglich ist, erfordert der Fassadenanbau einen höheren Technikeinsatz und die Klärung von Bewässerungsfragen. Gundula Holm vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Erlangen (AELF) betreut seit 2017 einen Demonstrationsgarten, der in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Gartenakademie entstand. Dort werden neben Hochbeeten und Kistengärten auch innovative Ansätze wie Pflanztürme, Deep-Water-Systeme und vertikale Anbautechniken gezeigt. Aufgrund der positiven Resonanz soll dieser Demonstrationsgarten als Vorbild für weitere urbane Demoflächen in jedem bayerischen Regierungsbezirk dienen. Für 2019 sind zwei weitere Demonstrationsgärten geplant, weitere sollen in den Jahren 2020 und 2021 folgen.

27.03.2019

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