Die Grüne Stadt

Erfolgreiches 4. Internationales FBB-Fassadenbegrünungssymposium 2011

Das 4. FBB-Symposium zur Fassadenbegrünung in Stuttgart war ein voller Erfolg und verzeichnete über 120 Fachleute. Die Veranstaltung erhielt eine durchschnittliche Bewertung von 1,8 und präsentierte in 16 Vorträgen verschiedene Aspekte begrünter Fassaden, von Forschungsergebnissen bis zu praktischen Systemlösungen.

Forschungsergebnisse und klimatische Vorteile begrünter Fassaden

Prof. Dr. Manfred Köhler von der Hochschule Neubrandenburg eröffnete das Symposium mit einer Zusammenfassung aktueller Forschungsergebnisse zur Fassadenbegrünung aus verschiedenen Ländern. Seine Ausführungen basierten auf einer umfassenden Literaturauswertung von rund 700 Zitaten und einer Sammlung von über 1200 Arbeiten. Er betonte, dass ein Blätterdach in heißem Klima nachweislich bioklimatisch angenehmer für Stadtbewohner ist als textile Verschattungselemente. Der größte finanzielle Nutzen begrünter Fassaden liegt in der sommerlichen Verschattung und der Verdunstungskühle.

An einem Modellprojekt in Chile wurde eine Einsparung von 35 % der sommerlichen Klimatisierungskosten durch Fassadenbegrünung ermittelt. Weitere positive Effekte ergeben sich aus der Staubbindung auf den Blättern, wodurch Feinstäube zu nicht lungengängigen Partikeln verklumpen und beim Blattfall abgeführt werden.

Forschungsprojekt "GrünStadtKlima" in Österreich

Dipl.-Ing. Vera Enzi vom österreichischen Verband für Bauwerksbegrünung e.V. (VfB) stellte das Forschungsprojekt "GrünStadtKlima" vor. Dieses Projekt, das Anfang 2010 vom VfB und der Universität für Bodenkultur (IBLB) initiiert wurde, untersucht erstmals umfassend den Einfluss begrünter Bauwerksoberflächen auf Klima, Wasserhaushalt und den Wert von Immobilien in Österreich. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen die klimatischen und ökonomischen Argumente für begrünte Bauwerke untermauern und zur Optimierung bestehender Bauweisen beitragen.

Das Projekt befindet sich in der ersten von drei Phasen, in der detaillierte Daten erhoben werden. In der zweiten Phase werden diese Daten mittels Simulation auf einen virtuellen Musterstadtteil übertragen, der mit verschiedenen Klimaszenarien ausgestattet werden kann. Die dritte Phase zielt darauf ab, begrünte Bauweisen in raumplanerische Instrumente und Förderrichtlinien zu integrieren und Strategien zur baulichen Anpassung an den Klimawandel im städtischen Raum vorzuschlagen.

Systematik und Planungshilfen für Fassadenbegrünung

Die Vorstellung der Arbeitsergebnisse der FBB-Projektgruppe "Fassadenbegrünung" durch Martin Bahsitta an Dr. Gunter Mann leitete die nächsten Vorträge ein. Dipl.-Ing. Nicole Pfoser von der Technischen Universität Darmstadt präsentierte ihre Arbeit an einer neuen Systematik der Fassadenbegrünung und den damit verbundenen Entscheidungs- und Arbeitshilfen. Sie hob hervor, dass ein Planungshilfsmittel, das konstruktive und vegetationstechnische Entscheidungsparameter zusammenführt, einen Überblick über aktuelle Anwendungssysteme bieten sollte.

Ihre Übersichtstabelle klassifiziert Bauweisen und Anwendungsbedingungen sowie wirtschaftliche und ökologische Kriterien für verschiedene Typen der bodengebundenen und fassadengebundenen Gebäudebegrünung sowie deren Mischformen. Dazu gehören bodengebundene Systeme für Selbstklimmer und Gerüstkletterpflanzen, fassadengebundene Regalsysteme sowie modulare und vollflächige Systeme für formal frei gestaltbare vertikale Flächenbegrünungen. Eine Mischform aus boden- und fassadengebundener Begrünung repräsentiert die Vielfalt möglicher Kombinationen.

Muster-Leistungsverzeichnisse und konstruktive Anforderungen

Gert Moegenburg vom FVHF stellte neue Muster-Leistungsverzeichnisse zur Fassadenbegrünung vor. Ziel von FVHF und FBB war es, gärtnerische und konstruktive Kompetenzen zu bündeln, um allgemein brauchbare Texte zur exakten Beschreibung der zu erbringenden Leistungen zu erstellen. Diese Texte sollen Ausschreibende bei der vollständigen Leistungsermittlung unterstützen. Eine inhaltliche Angleichung an die VOB/C wurde angestrebt, um ein bewährtes Bindeglied zwischen Auftraggeber, Bauherr, Planer und Ausführendem zu schaffen.

Die Bemessung und Verankerung von Kletterhilfen sowie fassadengebundenen Begrünungen sind konstruktive Aufgaben, die normativen und bauaufsichtlichen Anforderungen genügen müssen. Dies gilt auch für die Materialauswahl der Kletterhilfen. Die gärtnerische Leistung wird dadurch wirkungsvoll unterstützt. Die detaillierte Beschreibung von Teilleistungen bietet allen Beteiligten Preissicherheit, auch für spätere Wartungs- und Unterhaltsarbeiten.

Im Anschluss dankte Dr. Mann dem scheidenden Gert Moegenburg für seine langjährige Arbeit und die Verbundenheit von FVHF und FBB.

Bewässerungslösungen und Pflanzenverwendung

Dipl.-Ing. Dr. Ulrike Pitha von der Universität für Bodenkultur Wien präsentierte einen Erfahrungsbericht zu Bewässerungslösungen für fassadengebundene Begrünungssysteme. Daraus lassen sich folgende Punkte für Planung, Ausführung, Betrieb und Pflege ableiten:

  • Planung, Bau, Steuerung und Wartung sollten ausschließlich von Spezialisten durchgeführt werden.
  • Bewässerungszeit und -dauer müssen auf Standort, Bepflanzung sowie Substrat oder Trägermaterial abgestimmt sein.
  • Die Bewässerungsdauer ist auf die Füllzeit der Zuleitungsrohre und Bewässerungskreisläufe abzustimmen.
  • Für die Winterbewässerung sollten selbstentleerende Bewässerungssysteme eingesetzt werden.
  • Bedarfsgerechte Bewässerungen erfordern den gezielten Einsatz von Bodenfeuchtesensoren.
  • Wasserspeicherndes Substrat oder Trägermaterial ist zu verwenden, wobei auf regelmäßiges Durchfeuchten zu achten ist.
  • Abstände der Tropfer und die Position der Pflanze zu den Tropfern sind auf den Wasserbedarf der Pflanze abzustimmen.
  • Eine Kombination von Bewässerung und Düngung ist vorteilhaft.

Nils van Steenis aus den Niederlanden gab einen informativen Vortrag über seine Erfahrungen mit der Pflanzenverwendung bei "Living Walls". Bei der Pflanzenauswahl sind folgende Faktoren zu beachten:

  • Licht: Entscheidend für die Auswahl und das gewünschte Vegetationsbild.
  • Wasser: Die Basis für eine gute Pflanzenentwicklung.
  • Substrat: Ein gutes Substrat zeichnet sich durch ein ausreichendes Luftporenvolumen bei völliger Wassersättigung aus.
  • Luftzirkulation: Bewegt die Pflanzen und fördert die Entwicklung der oberirdischen Teile.
  • Umgebungsfaktoren: Wie Windzirkulation, Schatten und Reflexion von Sonnenlicht.

Systemlösungen und Abschluss des Symposiums

Eine Premiere des Symposiums war die Möglichkeit für FBB-Mitglieder, ihre Systemlösungen in 15-minütigen Kurzvorträgen vorzustellen. Firmen wie Biotekt, Vertico, Optigrün, Carl Stahl, 90 De Green, Zinco, Greenwall, Schadenberg und Sempergreen nutzten dieses Angebot, um neun Fassadenbegrünungssysteme zu präsentieren und den Teilnehmern einen schnellen Überblick zu ermöglichen.

Prof. Köhler schloss die Tagung traditionell mit einer "Weltreise" zu begrünten Fassaden ab. Das FBB-Symposium wurde zudem von den FBB-Mitgliedern Ecorain, Optigrün, Kuberski Verlag, Vertiko und Carl Stahl unterstützt. Weitere Informationen zur Fassadenbegrünung und der Tagungsband als PDF sind online verfügbar.

19.10.2011

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Bundesverband GebäudeGrün e. V (BuGG)

Leipziger Platz 16
10117Berlin
Deutschland

Tel.:+49 681 9880570
Fax:+49 681 9880572

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