Branchenverbände

50 Jahre Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg: Bilanz und Zukunftsperspektiven

Der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg feierte sein 50-jähriges Bestehen. Über 300 Fachleute diskutierten auf der GaLaBau-Fachtagung die Zukunft der Branche, Chancen und Herausforderungen der Begrünung urbaner Räume.

Jubiläumsfeier und Fachtagung: Rückblick und Ausblick

Der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V. (FV HH) feierte sein 50-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass kamen am 8. Februar über 300 Fachleute und Entscheidungsträger aus Stadtplanung, der Grünen Branche und Politik zur 36. GaLaBau-Fachtagung in der Handwerkskammer Hamburg zusammen. Die Diskussionen konzentrierten sich auf die Zukunft der Branche, Chancen und Herausforderungen der Begrünung urbaner Räume.

Der FV HH wurde am 21. Januar 1969 gegründet. Die GaLaBau-Fachtagung, die seit über drei Jahrzehnten eine feste Größe in Hamburg ist, bot in diesem Jahr die Gelegenheit, die Verbandsgeschichte zu reflektieren und einen Ausblick auf die Entwicklung des Hamburger Grüns und des Garten- und Landschaftsbaus zu geben.

Podiumsdiskussion beleuchtet Kernthemen des Landschaftsbaus

Die Podiumsdiskussion zu Beginn der Fachtagung befasste sich mit zentralen Fragen wie dem Fachkräftemangel, der Integration von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund und den Möglichkeiten der Digitalisierung im Garten- und Landschaftsbau. Zudem wurde erörtert, ob Hamburg nach der igs 2013 weitere gartenbauliche Großprojekte benötigt oder ob die Qualifizierung bestehender Grünflächen im Zuge der Verdichtung Priorität haben sollte.

Hanns-Jürgen Redeker, ehemaliger Vorsitzender des FV HH und Mitinitiator der Hamburger igs 2013, sprach sich für eine gezielte Pflege und Weiterentwicklung der vorhandenen Grünflächen aus. Er betonte, dass es nicht darum gehe, immer größere Projekte zu planen, sondern nachhaltige Konzepte und finanzielle Mittel für den Erhalt der bestehenden grünen Infrastruktur bereitzustellen.

Mit Großprojekten wie der igs und früheren Gartenschauen haben wir in Hamburg Parks für Generationen gebaut. Es geht aber nicht darum, immer größer, höher und weiter zu planen. Wir brauchen vor allem nachhaltige, durchdachte Konzepte und finanzielle Mittel für den Erhalt der bestehenden grünen Infrastruktur. Nur dann kann diese ihre Aufgaben erfüllen, erholsame Frei- und Lebensräume für Menschen und Tiere zu schaffen und das Klima in Städten positiv zu regulieren.

Redeker wies darauf hin, dass sich Grünflächen im Gegensatz zu Bauwerken ständig weiterentwickeln und dies bei der langfristigen Planung und Pflege berücksichtigt werden müsse.

Integration als Chance: Erfahrungen im GaLaBau

Thomas Schmale, amtierender Vorsitzender des FV HH, betonte die Notwendigkeit weiterer Fachkräfte für eine professionelle Entwicklung der grünen Infrastruktur. In seinem Familienbetrieb, Rudolf Schmale Garten- und Landschaftsbau, sind seit zwei Generationen viele Mitarbeiter mit Migrationshintergrund beschäftigt.

Aktuell haben genau 50 Prozent unserer Beschäftigten ausländische Wurzeln. Sie kommen aus Polen, Portugal und vor allem aus der Türkei.

Schmale berichtete, dass die Integration im Betrieb nie ein Problem darstellte. Er führte dies auf eine menschliche Betriebsführung zurück, bei der alle Mitarbeiter gleich behandelt werden und Aufstiegsmöglichkeiten für alle bestehen. Das Problem der Integration liege nicht in der Herkunft der Menschen oder der Bereitschaft der Unternehmen, sondern im politischen Umgang mit der Integration. Er forderte eine Entbürokratisierung der Prozesse, da die Volkswirtschaft ohne ausländische Arbeitskräfte in den kommenden 20 Jahren nicht bestehen könne.

Digitalisierung im Garten- und Landschaftsbau

Lutze von Wurmb, Präsident des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL), äußerte sich zum digitalen Wandel in der Branche. Obwohl die Grüne Branche traditionell eher analog geprägt sei, öffne sie sich dem Fortschritt. Digitale Leistungs- und Stundenerfassung, die Dokumentation von Tagesberichten und Fotos via Tablet sowie Softwarelösungen für die Verwaltung seien in vielen Fachbetrieben bereits Standard.

Zugegebenermaßen ist es eine schnelle Evolution, aber dennoch ein Prozess, der vor mehreren Jahrzehnten seinen Anfang nahm, sich nicht aufhalten lässt und dem sich kein Unternehmen verschließen kann, das zukunftsfähig sein möchte.

Von Wurmb betonte, dass der Garten- und Landschaftsbau diese Entwicklungen als Chance begreife.

Fachvorträge zu Trends und Baumpflege

Zwei Fachvorträge ergänzten die Podiumsdiskussion. Bernd Franzen, Gartenarchitekt bei der Gartenplus GmbH, stellte aktuelle Trends im Privatgarten vor. Er hob hervor, dass der Garten zunehmend als erweiterter Wohnraum verstanden wird und die eigene Persönlichkeit im Garten Ausdruck findet. Als Gegentrend zur vollständigen Verkieselung von Gärten beobachtet Franzen eine Rückbesinnung auf Natur und Pflanzen.

Das Naturerlebnis rückt wieder mehr in den Fokus, und es zeichnet sich der Wunsch nach Authentizität ab. Die Kunden möchten keine Palmen im Garten, sondern lieber einen heimischen Apfelbaum.

Frank Rinn, Baumsachverständiger aus Heidelberg, referierte über kostengünstige Methoden der urbanen Baumpflege und die Beurteilung der Bruch- und Standsicherheit von Bäumen. Er empfahl, für die Baumbegutachtung neutrale Informationsquellen zu nutzen, anstatt sich auf Konzepte wie VTA und SIA zu verlassen. Dies könne zu einer Reduzierung vermeintlich notwendiger Baumpflegemaßnahmen führen.

08.02.2019

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