Herausforderungen für den heimischen Gemüsebau in Deutschland
Die bayerische Agrarministerin Michaela Kaniber betonte anlässlich der 58. Delegiertenversammlung deutscher Gemüseanbauer in Feldkirchen, dass mehr Gemüse aus inländischer Produktion konsumiert werden sollte. Aktuell geraten heimische Produzenten im Vergleich zu Importware zunehmend unter Druck.
Es sollte viel mehr Gemüse aus inländischer Produktion auf den Teller kommen. Aber statt die Quote zu verbessern, geraten unsere Produzenten im Vergleich zu Importware derzeit weiter unter Druck. Wir sehen das mit Sorge. Deshalb ist Ihr Thema mehr als aktuell.
Deutschland, und damit auch Bayern, zählt aufgrund seiner ökologischen Bedingungen zu den Gunststandorten für den Anbau von Lebensmitteln. Die Sicherstellung gut gefüllter Regale mit Qualitätsprodukten erfordert jedoch eine Stärkung der Urproduktion vor Ort.
Während der Corona-Pandemie stieg der Konsum von frischem Obst und Gemüse, und Verbraucher bevorzugten regionale Produkte. Der Angriffskrieg in der Ukraine und die sinkende Kaufkraft haben diese Entwicklung jedoch umgekehrt. Der Anteil importierter Ware nimmt zu, was in Verbindung mit stark steigenden Kosten zu einem erheblichen Preisdruck für deutsche Gemüseanbauer führt.
Ungleichheit im europäischen Wettbewerb
Ein zentraler Diskussionspunkt der Tagung war die Konkurrenzsituation mit europäischen Nachbarländern, insbesondere im Hinblick auf die Lohnkosten. In Deutschland fallen für die handarbeitsintensive Gemüseproduktion mindestens zwölf Euro pro Stunde an Lohnkosten an, während diese in Ländern wie Spanien unter sieben Euro liegen.
Weitere Themen der Tagung waren die zukünftige Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmitteln und deren Bedeutung für den integrierten und biologischen Anbau. Ebenso wurden der Mindestlohn, Strategien für die zukünftige Energieversorgung des heimischen Gartenbaus sowie die hohen deutschen Sozialstandards und Qualitätskriterien im europaweiten Vergleich beleuchtet.
Die Verbraucher müssen den Mehrwert heimischer Lebensmittel vor Augen haben. Mit regionalem Einkauf sichern sie nicht nur Selbstversorgung und Arbeitsplätze in der Region, sie schonen gleichzeitig das Klima. Schön wäre, wenn noch viel mehr Verbraucher die Leistungen der Erzeugerinnen und Erzeuger finanziell anerkennen würden.
Gemüseanbau in Bayern – Ein Überblick
In Bayern werden auf rund 1600 Hektar Freilandfläche Gemüse angebaut. Mit einem Anteil von 16 Prozent der deutschlandweit erzeugten Gemüsemenge nimmt Bayern nach Nordrhein-Westfalen den zweiten Platz ein. Die wichtigsten Freilandkulturen sind Spargel, gefolgt von Speisezwiebeln, Möhren und Karotten. Im geschützten Anbau dominieren Tomaten.
Wichtige Produktionsstandorte befinden sich im Knoblauchsland, in Nordschwaben, an der Mainschleife rund um Kitzingen sowie in den Gunstlagen des bayerischen Gäubodens und der Münchner Schotterebene. Auch das größte deutsche Anbau- und Vermarktungszentrum für Einlegegurken liegt in Bayern. Trotz dieser Produktionskapazitäten liegt der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse in Deutschland nur bei etwa 36 Prozent.
Die meisten Gemüseimporte stammen aus europäischen Nachbarstaaten wie den Niederlanden, Italien oder Spanien. Pro Kopf werden in Deutschland geschätzt etwa 119 Kilogramm Gemüse verzehrt, davon rund 79 Kilogramm als Frischgemüse.
