Dünger und Substrate

Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland sinkt weiter

Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist 2019 erneut zurückgegangen. Dies bestätigt den seit 2012 beobachteten Abwärtstrend. Besonders der Rückgang bei Herbiziden und Fungiziden sowie Glyphosat ist bemerkenswert.

Jahresbericht 2019 bestätigt langfristigen Trend

Der Absatz von Pflanzenschutzmitteln in Deutschland ist im Jahr 2019 erneut zurückgegangen. Dies geht aus dem Jahresbericht hervor, den Bundesministerin Julia Klöckner und BVL-Präsident Friedel Cramer in Berlin vorgestellt haben. Die Zahlen, die jährlich vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) veröffentlicht werden, zeigen eine Fortsetzung des seit 2012 beobachteten Abwärtstrends.

Im Vergleich zum Vorjahr sank die Menge der im Inland verkauften Pflanzenschutzmittel um etwa 6,7 Prozent. Eine trockene Wetterlage trug zu dieser Entwicklung bei. Der Rückgang ist hauptsächlich auf eine geringere Nachfrage nach Herbiziden (minus 6,5 Prozent) und Fungiziden (minus 10 Prozent) zurückzuführen. Besonders hervorzuheben ist der Rückgang bei Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Glyphosat, dessen Absatz sich um 11,3 Prozent verringerte.

„Unser Ziel ist, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln immer weiter zu reduzieren und gleichzeitig Ernten zu sichern. Das tun wir, indem wir etwa die Forschung im Bereich nicht-chemischer Alternativen massiv fördern. Auch treiben wir den Ausbau der Präzisionslandwirtschaft voran, um den Einsatz noch präziser zu gestalten und dadurch zu minimieren. Neue Pflanzenzüchtungen – beispielsweise im Weinbau – die mit bis zu 80 Prozent weniger Pflanzenschutz auskommen, sind ein weiterer Baustein. So wenig Pflanzenschutzmittel wie möglich, so viel wie nötig – darum geht es mir. Mit Augenmaß und auf Basis von Fakten und wissenschaftlicher Erkenntnisse. Die aktuellen Zahlen und auch der Trend der vergangenen Jahre zeigen, dass wir hier auf einem guten Weg sind.“

BVL-Präsident Friedel Cramer äußerte sich ebenfalls positiv zu den Entwicklungen:

„Der Rückgang beim Absatz von Pflanzenschutzmitteln in den letzten Jahren ist sehr erfreulich. Die Schwankungen zwischen einzelnen Jahren deuten darauf hin, dass die Notwendigkeit des chemischen Pflanzenschutzes auch von der Witterung abhängt und die Landwirte dem Rechnung tragen. Aufgrund der hohen Anforderungen an die Unbedenklichkeit von Pflanzenschutzmitteln sind diese mit den Jahren immer besser geworden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung prüft vor der Zulassung, dass keine schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit von Menschen und Tieren zu befürchten sind. Das Umweltbundesamt ist dafür zuständig, dass Pflanzenschutzmittel keine unannehmbaren Auswirkungen auf die Umwelt haben.“

Maßnahmen zur Reduzierung des Pflanzenschutzmitteleinsatzes und Forschungserfolge

Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert verschiedene Projekte und Initiativen, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren:

  • Für die Entwicklung biologischer und nicht-chemischer Alternativen sind im Zeitraum 2017 bis 2023 über 23 Millionen Euro vorgesehen.
  • Projekte zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln erhalten fast 14,5 Millionen Euro.
  • Zusätzliche 17 Millionen Euro sind im Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) eingestellt.
  • Die Ackerbaustrategie 2035 legt einen Schwerpunkt auf die Förderung der Biodiversität im Ackerbau.
  • Digitale Techniken zur Reduzierung von Pflanzenschutzmitteln werden unter anderem auf mehreren digitalen Experimentierfeldern gefördert.
  • Die Entwicklung neuer, resistenterer Züchtungen, die mit weniger Pflanzenschutz auskommen, wird vorangetrieben.

Konkrete Beispiele aus der Forschung

  • In Zusammenarbeit mit dem Julius-Kühn-Institut werden pilzresistente Rebsorten (Piwi-Rebsorten) entwickelt, die den Pflanzenschutzmittelaufwand im Weinbau um 60 bis 70 Prozent, in der Spitze sogar um 80 Prozent, reduzieren können.
  • Raubmilben sollen als Nützlinge mit Überwinterungsmöglichkeit im Hopfen angesiedelt werden, um Schädlinge wie die Spinnmilbe zu bekämpfen.
  • Zur Kontrolle von Bodenschädlingen wie Maikäferengerlingen, Drahtwürmern und Eulenraupen werden biologische Bekämpfungsstrategien entwickelt, bei denen Mikroorganismen und Viren isoliert, formuliert und getestet werden.
  • Es wird an der Entwicklung von Zuckerrüben gearbeitet, die Resistenzen gegenüber Vergilbungsviren aufweisen, die von Blattläusen übertragen werden, um eine Alternative zur chemischen Bekämpfung zu bieten.
  • Der Einsatz von Kulturschutznetzen als Alternative zum chemischen Pflanzenschutz im Gemüsebau wird weiterentwickelt.

Erprobung digitaler Techniken

Auf den vom BMEL geförderten Experimentierfeldern werden digitale Techniken erprobt:

  • Die Universität Göttingen untersucht auf dem Experimentierfeld „Farmerspace“, wie digitale Kameras Pflanzenkrankheiten und Unkräuter frühzeitig erkennen können, um eine zielgerichtete Behandlung oder mechanische Beseitigung zu ermöglichen.
  • Auf dem Experimentierfeld „Agro Nordwest“ in Osnabrück wird der Einsatz von Robotern oder digital gesteuerten Hackgeräten zur Unkrautbeseitigung erforscht.
  • Das Experimentierfeld Diwakopter der Hochschule Geisenheim untersucht den Einsatz von Multikoptern im Weinberg und auf dem Acker für den Pflanzenschutz.
  • Das Experimentierfeld Agrosense Demmin nutzt Satellitendaten zur Optimierung des Pflanzenbaus und zur gezielten Anwendung von Pflanzenschutzmaßnahmen.

Hintergrund der Datenerhebung und Meldepflichten

Gemäß § 64 des Pflanzenschutzgesetzes sind Hersteller, Vertreiber und Importeure von Pflanzenschutzmitteln verpflichtet, dem BVL jährlich die Mengen der im Inland abgegebenen oder ausgeführten Pflanzenschutzmittel und deren Wirkstoffe zu melden. Dies schließt auch Pflanzenschutzmittel aus dem Parallelhandel ein. Die vom BVL veröffentlichten Inlands-Absatzzahlen dienen als Indikator für die Menge der eingesetzten Pflanzenschutzmittel im jeweiligen Berichtsjahr.

12.08.2020

Zurück