Städtisches Grün als Schlüssel zur Artenvielfalt

Die Grüne StadtNaturschutz

Der Artenschutz-Report 2015 zeigt, dass ein Drittel der Arten in Deutschland gefährdet ist. Städtisches Grün spielt eine entscheidende Rolle im Artenschutz und bietet vielfältige Lebensräume. Es ist bemerkenswert, dass die Artenvielfalt in Städten oft höher ist als in der freien Landschaft.

Warum städtisches Grün so wichtig ist

Der Artenschutz-Report 2015 des Bundesamts für Naturschutz weist darauf hin, dass ein Drittel der in Deutschland auf Roten Listen geführten Arten gefährdet ist. Als Hauptursache wird die intensive Nutzung von Natur und Landschaft genannt. Der Artenreichtum eines Lebensraums hängt sowohl bei Tieren als auch bei Pflanzen direkt von seiner Fläche ab. Eine Verkleinerung oder maßgebliche Veränderung eines Lebensraums führt zum Verlust eines Teils seines Artenbestandes.

Dies erklärt, warum moderne Agrarlandschaften, die auf maschinelle Bearbeitung und Monokulturen optimiert sind, anderen Pflanzenarten keine Lebensräume mehr bieten. In solchen Landschaften fehlen oft Hecken, Raine, Böschungen, Baumgruppen oder natürliche Wasserflächen, die vielen Tieren, Pflanzen und Insekten Nahrung und Lebensraum bieten. Auch der Klimawandel trägt zur Veränderung von Lebensräumen bei, was beispielsweise zu Routenänderungen bei Zugvögeln führt, sodass bekannte Überwinterungsgebiete nicht mehr angeflogen werden.

Die Bedeutung der Vielfalt

Die Ökologie lehrt, dass Vielfalt ein entscheidendes Kriterium für eine intakte Natur ist, während Monokulturen schädlich für andere Lebewesen sind. Infolgedessen ist die Artenvielfalt von Pflanzen und wildlebenden Tieren in Städten heute oft höher als in der freien Landschaft. Dies ist bemerkenswert, da Städte durch einen hohen Versiegelungsgrad, eine hohe Bevölkerungsdichte sowie entsprechenden Verkehr und Lärm gekennzeichnet sind – Bedingungen, die nicht als typische Lebensräume für eine vielfältige Natur gelten.

Angesichts der Tatsache, dass bereits drei Viertel der deutschen Bevölkerung in Ballungsräumen und Städten leben, hat die Bundesregierung 2007 die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt beschlossen. Ziel ist es, die Bevölkerung in Städten und Gemeinden für den Erhalt der Biodiversität zu gewinnen und den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Eine ausreichende Versorgung mit Grünflächen bietet Naherholungsmöglichkeiten, die idealerweise fußläufig erreichbar sind, und erfüllt gleichzeitig wichtige ökologische Funktionen, etwa für das Stadtklima.

Bäume und Sträucher als grüne Infrastruktur

Städte sind als Lebensräume für Mensch und Natur von extremen Bedingungen geprägt, darunter höhere Temperaturen, Trockenheit, Lärm und Feinstaub. Die grüne Infrastruktur der Städte kann diese Belastungen abpuffern und zum Gesundheitsschutz beitragen. Diese Funktionen werden unter den Vorzeichen des Klimawandels, der diese Extrembedingungen verstärken wird, noch wichtiger.

Was viele nicht wissen, ist, dass Bäume und Sträucher das Gerüst des Grüns in der Stadt bilden und die Voraussetzung schaffen für abwechslungsreiche Gärten und öffentliches Grün.

Je vielfältiger die Grünflächen in Städten sind, desto mehr Lebensräume bieten sie für wildlebende Arten, desto positiver beeinflussen sie das Stadtklima und desto höher ist die Lebensqualität der Menschen im direkten Wohnumfeld. Der Erhalt und Ausbau der Artenvielfalt in urbanen Räumen nützt somit direkt der Natur und den Menschen. Die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt von 2007 formulierte bereits das Ziel, die Durchgrünung der Siedlungen, einschließlich wohnumfeldnahem Grün wie Hofgrün, kleine Grünflächen, Dach- und Fassadengrün, bis 2020 deutlich zu erhöhen.

Öffentlich zugängliches Grün mit vielfältigen Qualitäten und Funktionen soll spätestens 2020 in der Regel fußläufig für jeden erreichbar sein. Hierfür sollen alle Möglichkeiten genutzt werden, um die direkte Umgebung von Wohngebäuden zu verbessern, beispielsweise durch Entsiegelung, Hof- und Gebäudebegrünung, Rückbau und Beruhigung von Straßen.

Umsetzung der Nationalen Strategie in Kommunen

Das im Oktober 2015 vom Bundesumweltministerium vorgelegte Handlungsprogramm "Naturschutz-Offensive 2020" umfasst rund 40 Maßnahmen und Initiativen zur Verbesserung der Artenvielfalt. Auch im Rahmen der Städtebauförderung soll mehr Raum für Natur und Naturerleben geschaffen werden. Kommunen sind wichtige Partner bei der Umsetzung der Nationalen Strategie und werden in verschiedenen Netzwerken und Programmen gefördert.

Im Jahr 2012 gründete sich das „Bündnis für biologische Vielfalt“ mit zunächst 60 Unterzeichnern, unterstützt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Bis November 2013 hatten bereits über 250 Kommunen die Deklaration „Biologische Vielfalt in Kommunen“ unterzeichnet.

Den Kommunen kommt für den Erhalt der biologischen Vielfalt eine Schlüsselrolle zu. Denn gerade Siedlungsräume zeichnen sich durch eine beachtliche Vielfalt an Arten und Lebensräumen aus. Vor allem aber ist die kommunale Ebene diejenige Politikebene, die den Bürgern am nächsten ist. In den Städten und Gemeinden werden wesentliche konkrete Handlungsentscheidungen getroffen. Sie haben zudem die unmittelbare Möglichkeit, das öffentliche Bewusstsein zur Bedeutung der biologischen Vielfalt zu stärken.

Der urbane Raum spielt auch in anderen Handlungsfeldern eine wichtige Rolle, etwa bei Bildung und Information, insbesondere um Kinder und Jugendliche zu erreichen, die nicht erst weite Wege zurücklegen müssen, um Naturerfahrungen zu sammeln. Hierzu sollen verstärkt Waldkindergärten eingerichtet, Schulgärten angelegt und genutzt sowie Naturerlebnisräume für Kinder geschaffen werden.

Einige Kommunen loben Wettbewerbe für naturnahe Gärten aus oder stellen die Artenvielfalt in Aktionen wie den „Offenen Gärten“ heraus. Die Juroren des Wettbewerbs „Naturnahe Gärten Königswinter“ 2015 bei Bonn sprachen von „Grünen Oasen mitten in der Stadt“ und hoben die hohe Biotop- und Artenvielfalt hervor. In einem Landschaftsgarten wurden 35 Libellen-Arten sowie seltene Tierarten wie Eisvogel, Schleiereule und Mittelspecht gefunden. Ein wesentliches Ziel des Wettbewerbs ist auch die Heranführung von Kindern an Naturerlebnisse. In den Gärten zählen Wildhecken, alte Bäume mit Spechthöhlen neben jungen Bäumen sowie naturnahe Nutzgärten als Pluspunkte.

Weitere Informationen:

Bundesamt für Naturschutz (BfN)

Konstantinstr. 110
53179 Bonn
Deutschland

Tel.: +49 228 8491-0
Fax: +49 228 8491-9999

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