Hochwasserschutz, Naturschutz

Ökologisch vorbildliche Praxis im Auen- und Hochwasserschutz

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat Beispiele für naturverträglichen Hochwasserschutz, Auenschutz und ökologisch optimierte Wasserkraftnutzung gesammelt. Die Ergebnisse sollen Impulse für neue Projekte geben und Synergien zwischen Biodiversitätsschutz und Hochwasserschutz aufzeigen.

BfN-Studie zu naturnahen Lösungen

Nach jüngsten Hochwasserereignissen am Rhein und an der Elbe rückt die Notwendigkeit effizienter Maßnahmen für den Auen- und Hochwasserschutz verstärkt in den Fokus. Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) hat im Rahmen eines Forschungsvorhabens Beispiele für naturverträglichen Hochwasserschutz, Auenschutz und ökologisch optimierte Wasserkraftnutzung gesammelt.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind in der BfN-Schriftenreihe „Naturschutz und biologische Vielfalt“ (Band 112) veröffentlicht. Die Publikation stellt 37 Vorhaben dar, beleuchtet deren Erfolge und angestrebte Ziele sowie die Herausforderungen bei der Umsetzung. Ziel ist es, Impulse für neue Projekte zu geben und die Synergien zwischen dem Schutz der Biodiversität in Auen und Fließgewässern sowie dem ökologischen Hochwasserschutz aufzuzeigen.

Ebenso werden Hinweise gegeben, wie die negativen Begleiteffekte der klimafreundlichen Wasserkraft durch konkrete Anlagenverbesserungen vor Ort gemindert werden können. Die Häufungen von "Jahrhunderthochwassern" an verschiedenen Flüssen in Verbindung mit einem gesteigerten Bewusstsein für den Wert von Artenvielfalt haben die gesellschaftliche Wertschätzung von Naturschutzmaßnahmen an Flüssen gesteigert. Die europäische Wasserrahmenrichtlinie verlangt einen guten Zustand der Fließgewässer, der auch von deren Auen abhängt. Jetzt sind die Akteure gefordert, guten Auen-, Gewässer und Hochwasserschutz aufeinander abgestimmt umzusetzen.

Dies erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Die gestiegene Wertschätzung von Naturschutzmaßnahmen an Flüssen resultiert aus der Häufung von Hochwasserereignissen und einem wachsenden Bewusstsein für die Artenvielfalt.

Hintergrund und Herausforderungen

An den großen Flüssen Deutschlands bestehen vielfältige Nutzungsansprüche, darunter Schifffahrt, Energiegewinnung durch Wasserkraft, Besiedlung und landwirtschaftliche Nutzung der Auen, Konzentration von Verkehrswegen und Infrastruktur sowie Erholungsräume für die Bevölkerung. Um diese Ansprüche zu erfüllen und gleichzeitig den lokalen Hochwasserschutz zu gewährleisten, wurden Flüsse oft gestaut, verbaut und durch Dämme von ihren Auen getrennt.

Diese Entwicklung führte nicht nur zu einer Beeinträchtigung der regionalen Hochwasserrückhaltung, sondern auch zu einem Verlust der Funktion der Auen als Zentren der Artenvielfalt. In Deutschland sind zwei Drittel der ehemals überfluteten Auen durch Dämme von ihren Flüssen abgetrennt. Von den verbleibenden Auen, die noch überflutet werden, sind lediglich 10 % naturnah. Diese naturnahen Bereiche beherbergen noch viele der ursprünglichen auentypischen Pflanzen- und Tierarten, Biozönosen und Lebensräume, von denen viele gefährdet sind.

Die bisherige Nutzung von Flüssen und Auen hat somit zu einer Verschlechterung des natürlichen Hochwasserschutzes und zu erheblichen Verlusten an wertvollen Auenbiozönosen geführt. Nach Hochwasserkatastrophen werden regelmäßig Maßnahmen zum vorbeugenden Schutz gefordert. Dazu gehören die Schaffung von Retentionsflächen, insbesondere durch die Renaturierung ehemaliger Auen, die Verbesserung der Fließgewässerstrukturen, die Anpassung der Nutzung an die Bedingungen in Überschwemmungsgebieten und die Erhöhung der Rückhaltefähigkeit durch angepasste Bewirtschaftung. Diese Anforderungen sollen in die Planungen von Wasserwirtschaft, Raumordnung und Naturschutz integriert werden.

Synergien und Lösungsansätze

Der Bedarf an möglichst großen und naturnahen Auenflächen verbindet die Erhaltung der Biodiversität mit dem vorsorgenden Hochwasserschutz. Die Kombination von Auenschutz und ökologischem Hochwasserschutz schafft nicht nur einen funktionalen, sondern auch einen volkswirtschaftlich darstellbaren Mehrwert. Die gesammelten Beispiele für das Zusammenspiel von Hochwasserschutz und Auenschutz sollen diesen integrativen Ansatz in der Projektumsetzung unterstützen.

Das BfN initiierte die Studie zu überregional bedeutsamen Vorhaben in Deutschland und angrenzenden Ländern, um aufzuzeigen, wie Synergien zwischen dem Schutz der Biodiversität in Auen und dem ökologischen Hochwasserschutz realisiert werden können. Auch der Konflikt zwischen der klimafreundlichen Nutzung der Wasserkraft und der lokalen Verschlechterung des ökologischen Zustandes von Gewässern und Auen kann durch geeignete Maßnahmen, insbesondere für den Auf- und Abstieg von Fischen, gemindert werden. Die vorgestellten Beispiele sollen wichtige Impulse für die Bewältigung dieses Konflikts geben.

Der vorliegende Band macht gelungene Ansätze des Auenschutzes, des Hochwasserschutzes und der ökologisch optimierten Wasserkraftnutzung einem breiten Publikum zugänglich und wirbt für die Umsetzung weiterer notwendiger Projekte.

08.02.2012

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