Friedhöfe als wertvolle ökologische Nischen
Friedhöfe bieten Insekten, insbesondere Bienen und Schmetterlingen, einen wertvollen Lebensraum. Der Verein zur Förderung der deutschen Friedhofskultur e.V. (VFFK) weist seit Jahren auf den hohen ökologischen Wert dieser Flächen hin.
Imker Rainer Seifert aus Bonn betont die Bedeutung von Friedhöfen für Bienen. Dort fänden sie ein vielfältiges Nahrungsangebot. Besonders alte Bäume wie Linde, Kastanie, Ahorn oder Robinie im städtischen Bereich sorgten für eine abwechslungsreiche Geschmacksbasis, die sich von Monokulturen in ländlichen Agrarflächen unterscheide. Dies sei besonders im Sommer relevant, wenn Bienen vielerorts nicht ausreichend Pollen und Nektar finden.
„Meine Bienen sammeln beispielsweise auf dem Poppelsdorfer Friedhof in Bonn ihren Nektar. Durch die Bepflanzung auf dem Friedhof mit Linden- und Kastanienbäumen unterscheidet sich der Geschmack meines Honig deutlich von dem, der außerhalb städtischer Bebauungen entsteht.“
Seifert betreut sechs Bienenvölker an seinem Bienenstand am Bonner Kreuzberg und erntet zweimal jährlich Stadthonig. Er weist darauf hin, dass die Honigbiene als drittwichtigstes Nutztier nach Rind und Schwein gelte und setzt sich für den Erhalt blühender Landschaften ein.
Tipps für bienenfreundliche Bepflanzung auf Friedhöfen
Bertram Fleischer, Generalsekretär des Zentralverbandes Gartenbau e.V., hebt hervor, dass ein mangelndes Nahrungsangebot Bienen schwächen und zu Krankheiten führen kann. Daher sei es wichtig, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Grün bienenfreundliche Pflanzen zu verwenden. Dies gelte nicht nur für die Rahmengestaltung von Friedhöfen, sondern auch für die individuelle Grabbepflanzung.
Für die Grabbepflanzung steht eine breite Auswahl an bienenfreundlichen Pflanzen zur Verfügung. Die Palette reicht von blühenden Adonisröschen (Adonis vernalis) bis zur Zwergmispel (Cotoneaster), einem pflegeleichten Bodendecker. Diese Blütenvielfalt kann nahezu das ganze Jahr über Nahrung liefern.
Beliebte Zwiebelblüher im Frühjahr sind Krokusse und Schneeglöckchen. Im Sommer bieten Hortensien und Lavendel Nahrung. Auch im Herbst versorgen Schneeheide (Erica carnea) und Christrose (Helleborus niger) viele Bienen. Der VFFK setzt sich mit seiner Kampagne „Er ist..." für diese Vielfalt auf Friedhöfen ein und betont die Entwicklung des Friedhofs zu einem vielfältigen Lebensraum.
