Vorteile des Mischanbaus unter Low-Input-Bedingungen
Untersuchungen zeigen, dass Pflanzen im Mischanbau unter Stressbedingungen Wasser und Nährstoffe effektiver nutzen können als im Reinanbau. Eine direkte gegenseitige Förderung der Pflanzen wurde dabei nachgewiesen. Bei nachlassendem Stress kann diese Förderung jedoch in Konkurrenz umschlagen.
Der Mischanbau ist daher besonders unter „Low-Input“-Bedingungen relevant, die infolge des Klimawandels auch in Deutschland häufiger erwartet werden. Hierzulande gibt es noch begrenzte Erfahrungen mit Mischkulturen. Insbesondere der gemeinsame Anbau von Energie- oder Futterpflanzen mit Leguminosen kann vorteilhaft sein. Solche Kombinationen versprechen stabilere Erträge, eine Einsparung von Stickstoffdüngern, ein geringeres Nitratauswaschungsrisiko, verbesserten Erosionsschutz und eine höhere Biodiversität.
Forschungsergebnisse zum Mischanbau
Ein Forscherteam der Universität Rostock hat den Mischanbau von Mais oder Sorghum mit verschiedenen Leguminosen wie Soja-, Acker- und Feuerbohnen sowie Blauen und Andenlupinen untersucht. Dies erfolgte sowohl im Gewächshaus als auch unter Feldbedingungen im Vergleich zum Reinanbau.
Bei suboptimalen Wachstumsbedingungen lag der Mischanbau in puncto Ertrag tatsächlich gleichauf mit dem Reinanbau und war zum Teil sogar überlegen. Dabei erhielten die Mischungen aber nur die Hälfte der Stickstoffdüngung!
Dies berichtet Projektleiterin Bettina Eichler-Löbermann über die Ergebnisse.
Besonders deutlich zeigten sich die Vorteile in Gefäßversuchen auch unter Phosphor-Mangel. Bei ausbleibender Phosphor-Düngung wiesen die Gemenge deutlich höhere Gehalte an pflanzenverfügbarem Phosphor im Boden auf als Mais oder Sorghum im Reinanbau. Dies deutet auf eine aktive Mobilisierung von Phosphorquellen im Boden hin. Im Feldversuch mit Feuerbohnen und Andenlupinen als Partner für Mais bzw. Sorghum war dieser Effekt nicht eindeutig nachweisbar. Die Forscher gehen jedoch auch hier von positiven Effekten für die Phosphor-Versorgung aus, da auf diesen Flächen für den Mischanbau deutlich höhere Aktivitäten von Enzymen gefunden wurden, die am Phosphor-Umsatz im Boden beteiligt sind.
In den Feldversuchen zeigte sich zudem, dass die Erträge im Mischanbau stabiler waren und weniger stark von der Bewirtschaftung beeinflusst wurden als Mais oder Sorghum im Reinanbau. Die Gemenge wiesen im Herbst geringere Werte an mineralisiertem Stickstoff auf, was ein geringeres Risiko einer Nitratverlagerung ins Grundwasser bedeutet. Unter Feldbedingungen schnitten die rankenden Feuerbohnen häufig besser ab als die Andenlupinen, die stärker unter Konkurrenz und Lichtmangel in den Mischungen litten. Im Gefäßversuch schnitt unter suboptimalen Bedingungen auch die Sojabohne gut ab, die im Feldversuch nicht getestet wurde. Die Kombination von Mais oder Sorghum mit Leguminosen stellt somit eine Option dar, auf ertragsschwächeren Standorten stabile Erträge bei gleichzeitiger Einsparung von Dünger zu erzielen.
Herausforderungen und Potenziale für die Praxis
Für eine breitere Anwendung dieses Anbausystems in der Praxis sind weitere Schritte notwendig. Eichler-Löbermann betont:
Wir brauchen insbesondere noch mehr Anbauerfahrungen auf verschiedenen Standorten. Das betrifft besonders die Auswahl geeigneter Sorten, die Aussaatdichte und –zeit. Auch Unkräuter können im Mischanbau sehr problematisch sein, hier müssen geeignete Empfehlungen entwickelt werden. Trotz dieser Herausforderungen birgt der Mischanbau mit Leguminosen eine große Chance zur Erhöhung der Artenvielfalt im Pflanzenbau und trägt zur Eiweißpflanzenstrategie bei.
Der Abschlussbericht zu diesem Projekt ist auf fnr.de unter dem Förderkennzeichen 2030111 verfügbar.
Zwei weitere vielversprechende Gemenge-Partner sind Mais und Gartenbohnen (Phaseolus vulgaris). Die Optimierung dieses Anbausystems unter konventionellen und ökologischen Bedingungen war Gegenstand eines Verbundprojektes der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen und der Universität Kassel. Mais und Bohnen werden traditionell in Nord-, Mittel- und Südamerika seit Jahrtausenden, teilweise auch zusammen mit Kürbissen, kultiviert und sind dort durch Selektion optimal an den Mischanbau angepasst. Für europäische Verhältnisse gilt es, geeignete Sorten und optimale Anbauparameter zu ermitteln. Dennoch kultivieren Pioniere auch hierzulande bereits seit einigen Jahren Mais und Bohnen für Biogasanlagen oder die Milchkuhfütterung. Informationen zu den Projekten finden sich auf fnr.de unter den Förderkennzeichen 22003612 und 2203712.


