Pflanzen und Pflanzenteile

Aus der Moosfabrik

Im Projekt „MossTech“ werden Moose als nachhaltige Molekülfabriken weiterentwickelt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Ralf Reski von der Universität Freiburg sollen sie komplexe Substanzen für Medizin und Parfümindustrie produzieren.

Internationale Zusammenarbeit und Förderung des Projekts

Das Vorhaben wird von der Technischen Universität Dänemark in Kopenhagen geleitet. Weitere beteiligte Institutionen sind die Universität Lund (Schweden), das Institut Gulbenkian (Portugal) sowie die Unternehmen Taxa Biotechnologies (USA), Transactiva (Italien), ArcticMass (Island) und Mosspiration Biotech (Dänemark).

Die Europäische Union fördert das Projekt als Innovatives Training Netzwerk (ITN) innerhalb des Programms „Horizon 2020“ mit über 1,6 Millionen Euro für vier Jahre. Davon entfallen knapp eine halbe Million Euro auf den Standort Freiburg.

Moose als vielversprechende Modellorganismen

Moose stellen nach den Samenpflanzen die zweitgrößte Gruppe der heutigen Landpflanzen dar. Die Arbeitsgruppe um den Pflanzenbiotechnologen Reski hat nachgewiesen, dass das Erbgut des Laubmooses Physcomitrella patens etwa 10.000 Gene mehr enthält als das menschliche Genom. Viele dieser Gene sind für die Synthese komplexer chemischer Moleküle, wie mehrfach ungesättigter langkettiger Fettsäuren, verantwortlich.

Die Freiburger Forscher entwickelten zudem gentechnische Methoden zur gezielten und basengenauen Veränderung des Moosgenoms. Ähnliche Methoden des Genome Editing, beispielsweise durch die Technologie CRISPR/Cas9 bei anderen Pflanzen und Tieren, haben bereits Aufmerksamkeit erregt.

Anwendung und Ausbildung im MossTech-Projekt

Im Rahmen des MossTech-Projekts werden zwei der insgesamt sechs Doktoranden diese Techniken für ein Jahr in Freiburg erlernen. Anschließend werden sie diese für jeweils zwei weitere Jahre mit Industriepartnern in Dänemark beziehungsweise Italien weiterentwickeln und auf bisher unerforschte Moose anwenden. Ziel ist die kostengünstige und sichere Produktion komplexer Feinchemikalien in genetisch veränderten Moosen.

Ich freue mich sehr, dass wir vier für uns bisher neue kleine und mittelständische Unternehmen für die Moostechnologie begeistern konnten und damit eine weitere Möglichkeit bekommen, unsere Forschung in konkrete Produkte zu überführen. Die so international und praxisnah ausgebildeten jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler werden allerbeste Chancen auf dem europäischen Arbeitsmarkt haben.

Die Freiburger Biologen sind auf die Moosforschung spezialisiert und haben dazu beigetragen, Moose zu weltweit genutzten Modellorganismen für Biologie und Biotechnologie zu entwickeln. Ralf Reski ist Inhaber der Professur für Pflanzenbiotechnologie an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Er ist zudem Mitglied des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies und war Senior Fellow am Freiburg Institute for Advanced Studies (FRIAS) sowie am USIAS, dem Institute for Advanced Study der Université de Strasbourg.

19.10.2017

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