Beetpflanzen und Gehölze

Kletterpflanzen an Bäumen: Ökologischer Nutzen und Risikofaktor

Kletterpflanzen an Bäumen bieten ökologische Vorteile, bergen aber auch Risiken. Besonders im Siedlungsraum ist die Verkehrssicherungspflicht zu beachten. Regelmäßige Kontrollen und fachgerechte Pflege sind entscheidend, um Schäden vorzubeugen und die Sicherheit zu gewährleisten.

Kletterpflanzen als Miniatur-Ökosysteme

Bäume im urbanen und ländlichen Raum sind häufig von Kletterpflanzen wie Efeu, Waldreben, Knöterich oder Kletterrosen bewachsen. Dieser Bewuchs bringt sowohl ökologische Vorteile als auch potenzielle Risiken mit sich, insbesondere im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht.

Kletterpflanzen nutzen Bäume, um höhere und damit hellere Standorte zu erreichen. Dies ermöglicht ihnen eine effizientere Photosynthese und fördert ihr Wachstum sowie ihre Vermehrung.

Für gesunde Bäume stellt ein solcher Bewuchs in der Regel kein unmittelbares Problem dar. Es kann Jahre dauern, bis beispielsweise Efeu einen Großbaum in nennenswertem Umfang beschattet. Bäume können sich oft an diese Konkurrenz anpassen.

Ökologisch gesehen sind derart bewachsene Bäume sogar etwas sehr Positives, denn sie bieten unzähligen Insekten, Spinnen, Vögeln und Kleinsäugern Schutz, Nahrung und Brutplätze – da bildet sich ein eigenes kleines Ökosystem. Efeu ist dabei besonders wertvoll. Erst liefert er Bienen und anderen Insekten Nektar und Pollen, danach bildet er blauschwarze Beeren, über die sich viele Vögel freuen – und viele brüten in dem Dickicht auch gleich.

Schäden durch Kletterpflanzen vorbeugen

Im Siedlungsraum kann dichter Bewuchs jedoch problematisch werden, insbesondere im Kontext der gesetzlich vorgeschriebenen Verkehrssicherungspflicht. Baumbesitzer sind verpflichtet, sicherzustellen, dass von ihren Gehölzen keine Gefahr ausgeht.

Die Beurteilung der Standsicherheit und des Astbruchrisikos erfordert eine genaue Inspektion von Stamm und Ästen. Spannungsrisse, Rindenablösungen, Verfärbungen oder Pilzfruchtkörper lassen sich nur erkennen, wenn der Bewuchs die Sicht nicht versperrt. Bei stark bewachsenen Bäumen, insbesondere mit Efeu oder Knöterich, ist die Entfernung der Kletterpflanzen oft unumgänglich, um eine fachgerechte Begutachtung zu ermöglichen.

Einige Kletterpflanzen wie Efeu oder Blauregen (Wisteria) können direkt zu Astbruch führen. Sie verursachen mitunter Einschnürungen, die potenzielle Sollbruchstellen darstellen. Zudem kann das Gewicht des Bewuchses, insbesondere in äußeren Kronenbereichen und im Winter, Astbruch hervorrufen. Regelmäßige Baumkontrollen, die Entfernung von Efeu bei Bedarf und fachgerechter Schnitt sind daher essenziell.

Je früher wir mit im Boot sind, desto besser, und zwar für alle Beteiligten. Der Baum kann sich im künstlichen Lebensraum bestmöglich entwickeln. Die Baumbesitzer können sich entspannen und sparen Kosten, weil es erst gar nicht zu teuren massiven Eingriffen kommt. Und wir Baumpfleger dürfen weiterhin dem schönsten Job der Welt nachgehen: in und mit den Bäumen arbeiten.

Misteln: Halbschmarotzer mit Wirkung

Misteln (Viscum) sind Halbschmarotzer, die sich mithilfe ihrer Saugwurzeln an die Leitungsbahnen der Bäume anheften und sich vom nährstoffreichen Pflanzensaft ernähren. Abhängig von der Vitalität des Baumes und der Anzahl der Misteln kann dies zu einer Schwächung oder sogar zum Absterben des Gehölzes führen. Besonders im urbanen Umfeld ist eine frühzeitige und fachgerechte Entfernung von Misteln ratsam.

Baumpflege: Den passenden Betrieb finden

Der Begriff Baumpfleger ist rechtlich nicht geschützt. Um eine qualifizierte Baumpflege sicherzustellen, empfiehlt sich die Beauftragung eines Mitgliedsbetriebs des Fachverbands geprüfter Baumpfleger. Dieser Verband nimmt ausschließlich geprüfte Baumpfleger auf und fördert deren Weiterbildung.

24.03.2020

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