Ergebnisse des Heinze BaukonjunkturMeetings 2024
Das diesjährige Heinze BaukonjunkturMeeting beleuchtete die aktuellen Entwicklungen und gab Ausblicke auf das Baujahr 2024. Die Veranstaltung, die unter anderem in Bielefeld und Ulm stattfand, basierte auf umfassenden Befragungen von Baustoffherstellern, Architekten und Studierenden.
Ergänzt wurden die Erkenntnisse durch Vorträge von Dr. Philipp Deschermeier vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hölker vom Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel e. V. (BDB) und Prof. Dr. Udo Mantau vom Beratungsunternehmen INFRO.
Anreize statt Regulierungen gefordert
Dr. Philipp Deschermeier, Senior Economist am IW, thematisierte die demografische Entwicklung und den Wohnungsmarkt. Er wies auf den Mangel an barrierearmen Wohnungen hin: Nur jede 40. Wohnung in Deutschland erfüllt diese Anforderungen. Bis 2035 wird ein Bedarf von rund zwei Millionen altersgerechten Wohnungen prognostiziert.
„Es braucht Anreize und Förderung, keine zusätzlichen Regulierungen durch den Staat. Die KfW-Förderung speziell für Umbaumaßnahmen sollte verstetigt und ausgebaut und Vergleichbares für den Neubau etabliert werden.“
Michael Hölker vom BDB erläuterte, wie der Baustoff-Fachhandel diese Forderungen politisch kommuniziert. Der jährliche Wohnbautag in Berlin sei ein wichtiger Baustein der politischen Kommunikation. Der Baustoff-Fachhandel pflegt einen regelmäßigen Austausch mit dem Bundesbauministerium. Diese Gesprächskanäle sind in der aktuellen Situation, in der die Baubranche zahlreichen Herausforderungen gegenübersteht, von großer Bedeutung.
Zinswende als Zeitenwende im Wohnbau
Volkswirt Prof. Dr. Udo Mantau bestätigte, dass die Zinswende zu fundamental geänderten Rahmenbedingungen in der Baubranche geführt hat. Der Traum von 400.000 fertiggestellten Wohnungen sei ausgeträumt, aber auch ein Rückgang auf unter 200.000 Wohneinheiten werde nicht eintreten. Selbst bei 300.000 realisierten Einheiten bleibe Wohnen in Deutschland ein wachsendes politisches Problem.
Dennoch gebe es optimistische Faktoren: Nachlassende Knappheiten bei Vorprodukten, freiwerdende Kapazitäten und sich stabilisierende Bauzinsen sorgen für eine leichte Entspannung. Der Bauüberhang im Wohnbau ist weiterhin vergleichsweise hoch. Im Jahr 2022 befanden sich rund 741.000 Wohneinheiten in der Realisierung, davon mehr als 450.000 Einheiten im Bau (60,8 %) und 234.000 Wohnungen bereits im Rohbau (31,6 %).
Strukturwandel im Nichtwohnbau
Christopher Kramp von der Heinze Marktforschung informierte über den Strukturwandel im Nichtwohnbau. Die Zeiten, in denen Warenlager und Handelsgebäude die Genehmigungszahlen für gewerbliche Bauprojekte dominierten, sind vorbei. Auch bei anderen Betriebsgebäuden findet ein Strukturwandel statt: Die Verbreitung von Homeoffice hat die Nachfrage nach Verwaltungs- und Bürogebäuden reduziert. Eine Ausnahme bildet der öffentliche Neubau, der Zuwachsraten verzeichnet.
Insgesamt spiegeln sich die wirtschaftlich schwierigen Rahmenbedingungen im Marktumfeld wider. Modernisierungsprojekte machen aktuell 66 % des gesamten Bauvolumens im Hochbau aus. Neubau- und Modernisierungsvolumen entwickeln sich prinzipiell gegensätzlich. Diese Entwicklung wird sich 2024 fortsetzen. Das reale Modernisierungsvolumen im Wohnbau wird voraussichtlich um 1,7 % auf 149,6 Milliarden Euro steigen.
Trübe Aussichten für 2024
Die Ergebnisse der Hersteller-Befragungen der Heinze Marktforschung zeigten die schlechteste Lagebewertung seit Beginn der Umfragen im August 2015, so Thomas Wagner, Head of Market Research bei der Heinze GmbH. Jeder zweite Hersteller bewertet die aktuelle Lage als schlecht. Nur neun von 100 erwarten eine Verbesserung für Herbst und Winter, während 52 % von einer Verschlechterung ausgehen.
Ein Hauptgrund für die schlechte Stimmung ist die baukonjunkturelle Lage, die von 91 % der Entscheider als schlecht oder sehr schlecht beurteilt wird. Die Mehrheit erwartet eine weitere Verschlechterung. Zwei Drittel der Befragten klagen über einen zweistelligen Absatzrückgang gegenüber dem Vorjahr. Für 2024 rechnen 44 % der Unternehmen mit weniger Absatz.
Trotz der schwierigen Lage profitieren einige Unternehmen von sich erholenden Rohstoffpreisen und zurückgehenden Lieferkettenproblemen. Die Bedeutung fundierter Marktkenntnisse nimmt zu. Aspekte wie die Nutzung von Social-Media-Kanälen, die Gewinnung von Fachkräften und der Einsatz Künstlicher Intelligenz stellen die Hersteller vor große Herausforderungen.
Architekten sorgen sich um Bildungspolitik
Die befragten Architekten bewerten die Stimmungslage etwas positiver, wenn auch mit negativem Ausblick. Fast die Hälfte der 240 befragten Büros bewertet die aktuelle Situation als gut (35 %) oder sehr gut (13 %). 10 % bewerten sie als mangelhaft oder ungenügend (8 %). Tendenziell sehen die Befragten sich verschlechternde Marktbedingungen, wobei Bürokratismus und eine zunehmend schwierige Zusammenarbeit mit Bauämtern als Gründe genannt wurden.
Überraschend war die Antwort auf die Frage nach der größten Sorge: Architekten machen sich am meisten Sorgen um die Schul- und Bildungspolitik in Deutschland, obwohl 15 potenzielle Themen vorgegeben waren.
Die Befragung des Architektur- und Bau-Nachwuchses zeigte ein hohes Interesse an kreativem Arbeiten und der Verbesserung von Wohn- und Lebensbedingungen. Insbesondere Nachhaltigkeitsaspekte waren für viele Befragte von großer Bedeutung. Es besteht ein hohes Interesse an Modernisierung und der Planung von Mehrfamilienhäusern sowie an Informationen über Baustoffe und Hersteller. Mehr Praktikumsmöglichkeiten und Werksbesichtigungen wurden als Wünsche geäußert.


