Allgemeines, Naturschutz

Bestnoten für norddeutsche Seen

Mehr als die Hälfte der tiefen und nährstoffarmen Seen Norddeutschlands erfüllen die EU-Vorgaben für ihren ökologischen Zustand. Sie sind zudem frei von Schadstoffen und eignen sich hervorragend zum Baden und Tauchen. Das Umweltbundesamt kürte diesen Seentyp zum „Gewässertyp des Jahres“ 2014.

Norddeutschlands Gewässer: Ein Vorbild für Europa

Mehr als die Hälfte der tiefen und nährstoffarmen Seen Norddeutschlands erfüllen die Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie hinsichtlich ihres ökologischen Zustands. Fast alle Seen dieses Typs weisen zudem einen guten chemischen Zustand auf, da sie frei von Schadstoffen sind. Dies macht sie besonders geeignet für Aktivitäten wie Baden und Tauchen.

Zu den bekannten Gewässern dieses Typs zählen der Große Stechlinsee und der Wandlitzsee in Brandenburg sowie der Plöner See in Schleswig-Holstein. Das Umweltbundesamt hat den „tiefen, nährstoffarmen See Norddeutschlands“ anlässlich des Internationalen Tags des Wassers zum „Gewässertyp des Jahres“ 2014 ernannt. Dieser Seentyp ist im Norddeutschen Tiefland östlich der Elbe in Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein verbreitet.

Bundesweit erreichen lediglich knapp 40 Prozent aller Seen die Ziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Diese Ziele gelten als erfüllt, wenn sich in einem See die für ihn typischen, natürlich vorkommenden Gemeinschaften von Fischen, Pflanzen und Kleinstlebewesen etablieren. Diesen Zustand klassifiziert die Richtlinie als gut oder sehr gut. 52 Prozent der tiefen, nährstoffarmen Seen Norddeutschlands erreichen diesen Zustand bereits.

Keiner der anderen in Norddeutschland vorkommenden Seentypen kann so positiv bewertet werden. Das positive Gesamtbild wird durch einen guten chemischen Zustand und eine im Vergleich zu anderen Seen geringe Nährstoffbelastung ergänzt. Die überdurchschnittlich gute Bewertung dieses Seentyps ist auf das günstige Verhältnis zwischen Einzugsgebietsgröße, Wasservolumen, Kalkgehalt und Seebeckentiefe zurückzuführen, wodurch Nährstoffeinträge reduziert werden.

Gelangen dennoch Nährstoffe in den See, wird das Wachstum von Phytoplankton angeregt. Dessen Masse bleibt jedoch gering, sodass der Abbau den Sauerstoffgehalt des Wassers nicht übermäßig beansprucht. Phytoplankton und Nährstoffe werden anschließend am Gewässerboden abgelagert und so dem Nährstoffkreislauf entzogen. Funktioniert dieser Selbstreinigungsprozess, bildet sich eine typische Tier- und Pflanzengemeinschaft mit Armleuchteralgen, Wasserinsekten und Fischen wie Kleiner Maräne, Barsch und Hecht. Die gute Wasserqualität vieler dieser Seen macht sie ideal zum Baden und Tauchen.

Auch Freizeitschiffer nutzen diese Seen mit Kanus und Kleinmotorbooten. Viele der brandenburgischen und mecklenburgischen Seen sind über Oder, Havel und Elbe schiffbar mit Nord- und Ostsee verbunden. Bei etwa der Hälfte der tiefen und nährstoffarmen Seen besteht jedoch weiterhin Handlungsbedarf. Dies betrifft beispielsweise Bereiche, in denen die natürlichen Gegebenheiten nicht ausreichen, um übermäßige Nährstoffeinträge aus dem Einzugsgebiet zu kompensieren. Solche Einträge können zu starkem Algenwachstum und Trübung des Wassers führen.

Nährstoffeinträge aus kommunalen Abwässern und landwirtschaftlichen Betrieben können durch Kläranlagen und Ringkanalisationen um die Seen wirksam reduziert werden. Problematisch können auch bauliche Veränderungen natürlicher Uferbereiche sein, etwa für Promenaden, Badestellen und Bootsanleger. Bekannte Vertreter dieses Seetyps sind unter anderem der Große Stechlinsee, der Wandlitzsee und der Werbellinsee in Brandenburg, der Breite und der Schmale Luzin sowie der Schweriner See in Mecklenburg-Vorpommern, der Schöhsee und der Plöner See in Schleswig-Holstein sowie der Arendsee in Sachsen-Anhalt.

22.03.2014

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