Naturschutz, Pflanzen und Pflanzenteile

Pflanzenatlas dokumentiert Wandel der Flora in Deutschland

Ein neuer Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, basierend auf fast 30 Millionen Datensätzen, wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgestellt. Erstmals werden in 3.000 Verbreitungskarten die Vorkommen von Pflanzenarten in Deutschland dargestellt.

Veränderungen in der Pflanzenwelt und ihre Ursachen

Ein neuer Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands, basierend auf fast 30 Millionen Datensätzen, wurde vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) vorgestellt. Erstmals werden in 3.000 Verbreitungskarten die Vorkommen von Pflanzenarten in Deutschland dargestellt. Dieser Datenbestand gibt Aufschluss über den Zustand und den Wandel der Natur und ermöglicht vielfältige Auswertungen.

Die Daten belegen Veränderungen in der Pflanzenwelt. So ist das Flammen-Adonisröschen vielerorts verschwunden, was auf die intensivere landwirtschaftliche Nutzung zurückgeführt wird. Im Gegensatz dazu hat das Dänische Löffelkraut zugenommen. Ursprünglich an salzigen Küstenböden beheimatet, hat es sich durch den Einsatz von Streusalz entlang von Autobahnen ins Binnenland ausgebreitet. Dieser Wandel der Flora gilt als Indikator für Veränderungen in Natur und Landschaft.

Einflussfaktoren und urbane Zentren

So schlagen sich beispielsweise die negativen Folgen der langjährigen Stickstoffemissionen einer intensiven Landwirtschaft in weiten Teilen Nordwestdeutschlands in einer veränderten, an hohe Nährstoffkonzentrationen angepassten Pflanzenwelt nieder. Auch zeigen die Daten die Bedeutung der großen Städte als Einfalltor für gebietsfremde Arten an.

Dies erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Großstädte und urbane Zentren wie Hamburg, Berlin oder das Ruhrgebiet weisen aufgrund ihrer Strukturvielfalt eine hohe Artenzahl auf, aber auch einen hohen Anteil an pflanzlichen Neueinwanderern. Der Atlas erfasst die Verbreitung von etwa 3900 einheimischen und wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen in Deutschland. Auch Neueinwanderer und sogenannte „Gartenflüchtlinge“ wie Ambrosia oder Riesen-Bärenklau sind enthalten.

Bedeutung der Datengrundlage und ehrenamtliches Engagement

Das Inventar der Pflanzenverbreitung liegt nun erstmals für ganz Deutschland vor und ist als Datenbank von Bedeutung. Die Datenbank umfasst fast 30 Millionen Fundmeldungen, die vom „Netzwerk Phytodiversität Deutschland e. V.“ für den Atlas erstellt wurden. Diese Daten wurden von Tausenden, überwiegend ehrenamtlich tätigen Pflanzenexperten über Jahre hinweg in der Natur und in Siedlungsräumen erfasst.

Ohne den ehrenamtlichen Einsatz der vielen Pflanzenkennerinnen und -kenner hätte dieser immense Fundus nicht zusammen getragen und daraus dieses für den Naturschutz unschätzbar wertvolle Inventar nicht erstellt werden können.

Mit diesen Worten würdigte die Präsidentin des BfN, Prof. Beate Jessel, die ehrenamtliche Arbeit. Die Daten des Pflanzeninventars zeigen zudem die hohe Artenvielfalt in bisher weniger beachteten Gebieten Deutschlands, wie dem unteren Elbtal, dem Thüringer Becken oder dem nördlichen Oberrheingraben. Dies unterstreicht die Notwendigkeit flächendeckender Naturschutzmaßnahmen, wie die Einrichtung großräumiger Schutzgebiete und die Integration des Naturschutzes in eine naturverträgliche Land- und Forstwirtschaft.

Der Erhalt der natürlichen und standortspezifischen Vielfalt in der sich weiter wandelnden Landschaft ist als wichtiges Ziel in der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt und im Bundesnaturschutzgesetz formuliert. Und nicht nur für den Naturschutz ist das rechtzeitige Erkennen von Umweltveränderungen eine unverzichtbare Grundlage der Zukunftsplanung. Die kontinuierliche Erfassung unserer Pflanzenwelt als Grundlage dieses Schutzziels bleibt daher eine wichtige Daueraufgabe, dem sich das Bundesamt verpflichtet fühlt.

Dies betonte BfN-Präsidentin Jessel.

30.01.2014

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