Branchenverbände, Die Grüne Stadt

BGL-Jubiläumskongress: Urbanes Grün im Fokus von Gesellschaft und Wandel

Der BGL-Jubiläumskongress in Berlin beleuchtete die Chancen und Herausforderungen urbanen Grüns im gesellschaftlichen Wandel. Über 450 Vertreter diskutierten die Bedeutung von Grünflächen für Digitalisierung, Klima, Gesundheit und Bürgerengagement.

Die Bedeutung urbanen Grüns im Kontext gesellschaftlicher Veränderungen

Der Kongress „Grün für die Gesellschaft - die Gesellschaft für Grün“ am 12. November 2014 in Berlin befasste sich mit den Chancen und Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels für urbanes Grün und die grüne Branche. Über 450 Vertreter aus Politik, Verbänden, Wissenschaft, Kultur und der Fachöffentlichkeit nahmen an der Veranstaltung im Allianz Forum teil. Der Kongress wurde anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Bundesverbands für den Garten- und Landschaftsbau e.V. (BGL) ausgerichtet.

Digitalisierung, Klima und Gesundheit: Die Rolle des Grüns

Nach der Begrüßung durch BGL-Präsident August Forster beleuchtete der niederländische Zukunfts- und Trendforscher Rob Creemers die Auswirkungen der Digitalisierung und des technologischen Wandels auf die Arbeitswelt, das Leben und das Freizeitverhalten. Er betonte die wachsende Bedeutung urbanen Grüns für die nachhaltige Stadtentwicklung angesichts des Klimawandels.

Prof. Claudia Hornberg, Gesundheitswissenschaftlerin von der Universität Bielefeld, hob die positive Wirkung von Stadtgrün als Gesundheitsressource hervor, insbesondere für Kinder. Sie führte aus:

Grüne Räume steigern die körperliche Aktivität, beugen Übergewicht vor, verbessern die motorischen Fähigkeiten und erhöhen die soziale Interaktion.Hornberg

Daher sei es wichtig, Grün- und Spielräume bedarfsgerecht zu planen und instandzuhalten.

Sport, Bürgerengagement und Finanzierung von Grünprojekten

Dr. Michael Vesper, Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), unterstrich den Beitrag des Sports zur Lebensqualität in Städten. Er forderte, dieses Potenzial systematischer für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu nutzen und in kommunale Handlungsstrategien zu integrieren. Mögliche Bewerbungen Berlins oder Hamburgs für Olympische Spiele könnten dabei neue Impulse für das Zusammenspiel von Natur, Grün, Sport und Stadtentwicklung setzen.

Joshua David, Präsident der Friends of the High Line aus New York, erläuterte im Interview die Erfolgsfaktoren des Grünprojekts auf einer ehemaligen Hochbahntrasse in Manhattan. Er sprach auch über die Herausforderungen bei der künftigen Finanzierung und dem Erhalt des Areals. Die Journalistin und Autorin Katja Kullmann thematisierte das Phänomen Urban Gardening und dessen Verbindung zu bürgerschaftlichem Widerstand. Sie stellte fest, dass die ursprünglich als Gegenbewegung zur Kommerzialisierung des öffentlichen Raums entstandene Idee inzwischen im gesellschaftlichen Mainstream angekommen sei.

Holger Robrecht, Deputy Regional Manager der internationalen Nachhaltigkeitsinitiative ICLEI, betonte die zentrale Funktion von Städten und grünen Infrastrukturen für eine nachhaltige Entwicklung und das Erreichen von Klimaschutzzielen. Der Philosoph Richard David Precht zeigte auf, wie engagierte Bürger durch eigeninitiierte Projekte die Lebensqualität in ihren Quartieren verbessern. Er argumentierte, dass man sich bei der Finanzierung und Realisierung eines grünen Lebens- und Wohnumfeldes nicht mehr allein auf die Kommunen verlassen könne. Precht stellte fest:

Auch die klassische Planung „von oben“ ist überholt. Künftig kommt es darauf an, Bürger frühzeitig in Grünprojekte einzubinden und fair zu beteiligen.Precht

Er hob hervor, dass die Trennung zwischen Amateuren und Profis bei der Gestaltung öffentlicher Grünräume nicht mehr gelte. Der Amateur starte ein Projekt, benötige aber den Profi für die Umsetzung. Precht schloss mit der Bemerkung, dass das Bedürfnis nach Grün wachse und die grüne Branche von diesem Wandel profitieren könne. Precht, Kullmann und Creemers nahmen an der Podiumsdiskussion „Lebendiges Grün – Privileg oder Grundrecht?“ teil.

Diskussion über Finanzierung und Bürgerbeteiligung

Die Diskussionsrunde wurde durch Uwe Lübking, Beigeordneter beim Deutschen Städte- und Gemeindebund, und BGL-Vizepräsident Eiko Leitsch ergänzt. Leitsch forderte, Grün als Teil der Daseinsvorsorge anzuerkennen, da es den Menschen wichtig sei. Er verwies auf eine forsa-Umfrage, wonach vier von fünf Befragten in zwölf deutschen Großstädten Parks und Grünflächen von Einsparungen in öffentlichen Haushalten ausnehmen würden. Lübking entgegnete, dass viele Kommunen aufgrund angespannter Haushaltslagen kaum finanziellen Spielraum über die Erfüllung von Rechtsansprüchen hinaus hätten. Er sah mehr Bürgerengagement als notwendig an, um zusätzliche Leistungen zu ermöglichen. Richard David Precht erwiderte, dass Bürgerengagement allein nicht ausreiche. Er forderte ein neues Denken und eine bürgerfreundlichere Mentalität in den Verwaltungen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass ein konstruktives Zusammenspiel aller Akteure – Politik, Verwaltung, Bürger, Unternehmen und Experten – entscheidend sei, um bedürfnisorientierte Grünprojekte zu realisieren.

Bundesregierung zur naturnahen Stadtbegrünung

Peter Altmaier, Chef des Bundeskanzleramtes, präsentierte die Position der Bundesregierung zur naturnahen Stadtbegrünung. Er betonte, dass die zukunftsgerechte Ausrichtung von Städten eine komplexe Aufgabe sei, zu der die grüne Branche einen wertvollen Beitrag leiste. Altmaier versprach, die Kommunen seitens des Bundes weiter zu entlasten, um finanzielle Freiräume für Grünprojekte zu schaffen. Gleichzeitig gelte es, verstärkt über innovative Finanzierungsmodelle wie Public-Private-Partnerships nachzudenken.

14.11.2014

Zurück