Ursachen des Bienensterbens und ihre Folgen
Die Diskussion um das Bienensterben und seine Auswirkungen auf die Natur und Landwirtschaft ist präsent. Trotz der Beobachtung zahlreicher Bienen während der Schwärmzeit im Sommer, gibt es Berichte über erhebliche Verluste bei den Bienenvölkern.
Die Honigbiene (Apis mellifera) spielt eine zentrale Rolle für die Bestäubung. Etwa 80 % der heimischen Nutz- und Wildpflanzen sind auf Bienenbestäubung angewiesen. Dies betrifft rund ein Drittel aller für die Ernährung relevanten Lebensmittel. Der volkswirtschaftliche Nutzen der Bestäubungsleistung übersteigt die Honigproduktion erheblich. In Deutschland beläuft sich dieser Wert auf rund zwei Milliarden Euro jährlich, weltweit auf 70 Milliarden US-Dollar. Damit zählt die Honigbiene zu den bedeutendsten Nutztieren nach Rind und Schwein.
Im Frühjahr wurden in Deutschland Verluste von bis zu 200.000 Bienenvölkern gemeldet, was mehr als doppelt so viele verendete Honigbienen sind als üblich. Umfragen der Ruhr-Universität Bochum und weiterer Forschungsinstitute unter 3.600 Imkern mit etwa 60.000 Völkern zeigten insbesondere in Süddeutschland hohe Verluste. Als Ursachen werden verschiedene Faktoren diskutiert.
Varroa-Milbe als Hauptursache
Eine der Hauptursachen für das Bienensterben ist die Varroa-Milbe (Varroa destructor). Der etwa 1,6 Millimeter große Parasit wurde vor rund 25 Jahren von Asien nach Europa eingeschleppt und schädigt sowohl adulte Bienen als auch die Bienenbrut. Das Milbenweibchen legt bis zu sieben Eier in eine Brutzelle. Die jungen Milben saugen an der Bienenbrut, insbesondere an der Arbeiterinnenbrut, und verursachen direkte Schäden sowie Sekundärinfektionen und Virusübertragungen.
Die Varroa-Milbe gilt als Hauptgrund für das Bienensterben im Winter 2002/2003, bei dem ein Drittel der Bienenvölker in Deutschland verendete. Auch im vergangenen Jahr konnte sich der Parasit durch das zeitige Frühjahr stark ausbreiten, was zu geschwächten Bienenvölkern vor dem Winter führte und als mögliche Ursache für die jüngsten Verluste gesehen wird. Die Bekämpfung der Varroa-Milbe stellt Imker vor Herausforderungen.
Bienenforscher in Deutschland haben komplexe Bekämpfungskonzepte entwickelt. Dazu gehören eine laufende Kontrolle der Befallsstärke mittels Gemülldiagnose. Im Jahresverlauf werden Maßnahmen wie Drohnenbrutentnahme und Ablegerbildung im Frühjahr sowie chemische Verfahren wie Behandlungen mit Ameisensäure im Spätsommer oder Träufelbehandlung mit Oxalsäure im Herbst empfohlen.
Pflanzenschutzmittel als Todesursache
In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel. Im Jahr 2008 waren über 12.000 Bienenvölker betroffen, als der Wirkstoff Clothianidin ein Bienensterben im Rheintal auslöste. Das Saatgutbehandlungsmittel wurde während der Aussaat von Maissaatgut abgerieben. Die entstandenen Stäube gelangten über die Luft auf blühende, von Bienen beflogene Pflanzen.
Seitdem ruhen die Zulassungen für Mais-Beizmittel aus der Wirkgruppe der Neonikotinoide (Clothianidin, Imidacloprid und Thiamethoxam), da die Rolle von Guttationswasser als Kontaminationsweg noch nicht ausreichend erforscht ist. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) vereinbarte mit der Industrie eine Qualitätssicherung für Maissaatgut und die Umrüstung von Sägeräten zur Minderung der Staubemissionen. Für die Behandlung von Rapssaat ist Clothianidin jedoch weiterhin zugelassen. Aktuell werden verendete Bienen in Karlsruhe untersucht, nachdem der Landesverband Badischer Imker ein Bienensterben mit Verdacht auf Clothianidin-Vergiftung meldete.
Landschaftsverarmung und Nahrungsmangel
Ein weiteres Phänomen ist die Verarmung der Landschaft, die schleichend wirkt. Honig- und Wildbienen verhungern im Sommer, da zu wenige Blütenpflanzen Nahrung bieten. Für Bienen ist nicht nur die Nahrungsmenge, sondern auch eine große Vielfalt an Pollen wichtig, die sie zur Herstellung von Gelee Royale für ihren Nachwuchs benötigen. Eine diverse Pollennahrung der Arbeiterinnen führt zu einer gehaltvolleren Ernährung.
Ein einseitiges Nahrungsangebot, bedingt durch Monokulturen, senkt die Fitness eines Bienenvolkes. Einige Bundesländer versuchen, durch die Förderung verschiedener Agrarumweltmaßnahmen entgegenzuwirken, eine umfassende Lösung ist jedoch noch nicht in Sicht.
Nachwuchsmangel und Imker-Fehler
In Deutschland wird die Imkerei vorwiegend als Hobby betrieben, jedoch reicht der Nachwuchs nicht aus, um ältere Imker zu ersetzen. Die Berufsimkerei spielt eine untergeordnete Rolle. Thüringen feierte kürzlich den ersten Imkerlehrling seit 20 Jahren. Zudem wird der Kenntnisstand vieler Bienenzüchter bemängelt. Fehler in der Imkerei, insbesondere im Umgang mit der Varroa-Milbe, führen oft zu stärkeren Völkerverlusten als notwendig.
Derzeit gibt es in Deutschland rund 87.000 Imker mit insgesamt etwa 750.000 Bienenvölkern. Um diese zu erhalten, sind weiterhin intensive Forschungstätigkeiten sowie ein sachlicher Dialog zwischen Landwirtschaft und Imkerei erforderlich. Beide Seiten sind aufeinander angewiesen, da Landwirtschaft ohne Bienen ebenso undenkbar ist wie Bienen ohne Nahrungspflanzen.
