Verbände drängen auf Reformen, um Fachkräftebedarf nachhaltig zu sichern
Mit Blick auf die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen rückt die Sicherung und Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in den Fokus der grünen Branche. In einem gemeinsamen Positionspapier formulieren der Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau NRW sowie der Landesverband Gartenbau NRW zentrale Handlungsfelder zur Stärkung des Nachwuchses.
Die Organisationen sehen die Branche als wesentlichen Akteur für Klima- und Umweltschutz sowie für die Entwicklung lebenswerter Städte und Gemeinden. Gleichzeitig betonen sie die Bedeutung qualifizierter Fachkräfte für die Umsetzung dieser Aufgaben und fordern verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Nachwuchsmangel bleibt zentrale Herausforderung
Die grüne Branche bietet vielfältige berufliche Perspektiven, sieht sich jedoch mit rückläufigen Bewerberzahlen konfrontiert. Viele Ausbildungsplätze und Fachstellen können nicht ausreichend besetzt werden. Eine Umfrage unter Mitgliedsbetrieben zeigt, dass rund 80 Prozent der Unternehmen in den kommenden Jahren von einem steigenden Fachkräftebedarf ausgehen.
Um dem entgegenzuwirken, wird eine landesweite Kampagne zur Stärkung des Berufsbildes Gärtner gefordert. Ziel ist es, die Attraktivität der Ausbildung zu erhöhen und mehr junge Menschen für Tätigkeiten im Garten- und Landschaftsbau sowie im Gartenbau zu gewinnen.
Zusätzlich verschärft der zunehmende Mangel an Lehrkräften mit gärtnerischem Hintergrund die Situation an berufsbildenden Schulen. Eine stärkere Fokussierung auf gärtnerische Inhalte an Berufskollegs gilt daher als notwendig, um die Ausbildungsqualität langfristig zu sichern.
Digitalisierung in der Ausbildung vorantreiben
Die fortschreitende Digitalisierung verändert Arbeitsprozesse in der Branche nachhaltig. Um Auszubildende praxisnah und zukunftsorientiert zu qualifizieren, sehen die Verbände erheblichen Investitionsbedarf in die technische Ausstattung der Bildungseinrichtungen.
Gefordert werden insbesondere moderne digitale Infrastruktur sowie der verstärkte Einsatz digitaler Maschinen und Geräte in der Ausbildung. Parallel dazu soll die digitale Lehre konsequenter ausgebaut werden, um aktuelles Fachwissen zeitgemäß zu vermitteln.
Forschung und Lehre langfristig sichern
Vor dem Hintergrund des Klimawandels gewinnt die Qualifikation von Fachkräften zusätzlich an Bedeutung. Ausbildung und Studium müssen nach Auffassung der Verbände gezielt gestärkt werden, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Als bedeutendstes Bundesland im Gartenbau ist Nordrhein-Westfalen auf leistungsfähige Hochschulstandorte angewiesen. Der Rückgang gartenbaulicher Studienangebote wird daher kritisch bewertet. Diese bilden nicht nur Fachkräfte für Betriebe aus, sondern auch zukünftige Lehrkräfte, Verwaltungsmitarbeitende und Spezialisten für Forschung und Entwicklung.
Zur Sicherung der akademischen Ausbildung wird die Einrichtung eines neuen Studiengangs im Zentrum Nordrhein-Westfalens angeregt. Ziel ist es, die Qualifizierung auf Hochschulniveau auszubauen und dem Fachkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken.
Branche als Partner für klimaresiliente Entwicklung
Die Verbände unterstreichen die Rolle der grünen Branche bei der Gestaltung klimaresilienter Lebensräume. Durch die Schaffung und Pflege von Grünflächen leisten Betriebe einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an Hitzeperioden und Starkregenereignisse.
„Der Dienstleistungs- und der Produktionsgartenbau in NRW leisten einen wesentlichen Beitrag zum Klima-und Umweltschutz, zur Stadt- und Gemeindeentwicklung und zur Ausbildung junger Menschen. Wir schaffen systemrelevante Grünflächen für klimaresiliente Kommunen, die ihre Bürger vor zunehmenden Hitzeperioden und Starkregenereignissen besser schützen. Mit unserem Engagement bei der Durchführung von Landesgartenschauen unterstützen wir Kommunen dabei, mehr grüne Infrastruktur zu schaffen, was vor allem den Bürgern vor Ort mit mehr Lebensqualität zu Gute kommt. Unserer Verantwortung für diese Themen wollen wir auch weiterhin gerecht werden und stehen bereit, gemeinsam mit Politik und Gesellschaft die zukünftigen Herausforderungen anzugehen. Dafür benötigen wir allerdings politische Rahmenbedingungen, die eine zeitgemäße Aus- und Weiterbildung gewährleisten“
„Wir wünschen uns mehr Wertschätzung für die berufliche Bildung und plädieren für eine NRW-weite Landeskampagne zur Imagesteigerung und Inwertsetzung des Berufsbildes Gärtner. Problematisch ist für unsere Ausbildungsbetriebe und deren Auszubildenden auch der ansteigende Lehrermangel mit gärtnerischem Hintergrund an den berufsbildenden Schulen, der sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird. Sinnvoll wäre ein neuer Fokus auf gärtnerische Lehre an den Berufskollegs, um den Nachwuchssicherzustellen, der so wichtig für den Erhalt und die Ausweitung von nachhaltigem Grün ist“
Die Branche signalisiert Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit Politik und Gesellschaft, um die anstehenden Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen und die Ausbildung zukunftsfähig aufzustellen.
