Buchweizen: Mehr als nur ein „Arme-Leute-Essen“
Ein neues Forschungsprojekt an der Universität Hohenheim widmet sich dem Anbau von Buchweizen mit dem Ziel, dessen wirtschaftliche Nutzung zu fördern und gleichzeitig die Artenvielfalt in Agrarlandschaften zu erhöhen. Buchweizen, einst als „Arme-Leute-Essen“ bekannt, gewinnt zunehmend an Bedeutung als trendiges Lebensmittel und bietet ökologische Vorteile als Insektenweide.
Das vom Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz (MLR) geförderte Projekt untersucht die Voraussetzungen für einen wirtschaftlichen Anbau und dessen Auswirkungen auf die Biodiversität. Projektpartner sind apl. Prof. Simone Graeff-Hönninger von der Arbeitsgruppe Anbausysteme und Modellierung sowie apl. Prof. Dr. Friedrich Longin von der Landessaatzuchtanstalt. Begleitet wird das Vorhaben von Dr. Klaus Wallner von der Landesanstalt für Bienenkunde und Claus-Peter Hutter, Leiter der Umweltakademie Baden-Württemberg.
Buchweizen zählt zu den vielversprechenden Pflanzenarten, die für einen Anbau in Südwestdeutschland geeignet sein könnten. Die Pflanze stellt wenig Ansprüche an den Boden und kann wegen ihrer kurzen Vegetationszeit und eines potenziell möglichen späten Saattermins als Zweitkultur angebaut werden.
Buchweizen ist entgegen seinem Namen kein Getreide, sondern ein Pseudogetreide aus der Familie der Knöterichgewächse. Seine kleinen dreikantigen Früchte ähneln Bucheckern. Bis ins 19. Jahrhundert war Buchweizen in Deutschland weit verbreitet, verlor jedoch mit der Intensivierung der Landwirtschaft an Bedeutung, da sein Ertrag im Vergleich zu herkömmlichen Getreidesorten gering ist. Pro Hektar werden etwa 20-25 Dezitonnen geerntet, was etwa der Hälfte des Ertrags von Sommerweizen entspricht.
Buchweizen als Insektenweide und Förderer der Artenvielfalt
Dabei kann Buchweizen einen wichtigen Beitrag für den Erhalt der Artenvielfalt leisten. Er blüht relativ spät und lang ab Mitte Juni bis weit in den Juli und ist deswegen für Insekten eine Nahrungsquelle zu einem Zeitpunkt, zu dem die meisten anderen Kulturarten schon verblüht sind.
Diese späte Blütezeit erhöht die Vielfalt nützlicher Insekten in der Landwirtschaft erheblich. Studien zeigen, dass auf Buchweizenfeldern bis zu 60 verschiedene Arten aus 16 Insektenfamilien beobachtet werden können. Trotz dieser ökologischen Vorteile ist die landwirtschaftliche Nutzung von Buchweizen in Deutschland gering. Viel Wissen über Anbau, Sortenwahl, Düngung und Ernte ist verloren gegangen.
apl. Prof. Dr. Friedrich Longin und apl. Prof. Simone Graeff-Hönninger wollen diese Wissenslücken schließen. Gleichzeitig wird die Anzahl und Art der Insekten, die Buchweizenblüten besuchen, systematisch erfasst.
Wenn es gelingt, dass Buchweizen in Zukunft wieder mehr angebaut wird, dann trägt das auch dazu bei, die Biodiversität in der Agrarlandschaft zu erhöhen und die Nahrungsversorgung der Insekten gerade im Sommer zu verbessern. Und ein toller Sortenhonig springt dabei auch heraus.
Grundlagen für rentable landwirtschaftliche Nutzung
Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, ein Anbausystem für Buchweizen zu entwickeln. Dabei werden die Auswirkungen verschiedener Aussaattermine und Stickstoffdüngungsstufen auf Ertrag, Bestandsentwicklung, Blühdauer, Standfestigkeit sowie Qualitätsmerkmale wie Kornform, -größe und wertgebende Inhaltsstoffe untersucht. Die geernteten Buchweizenproben werden vermahlen und das Mehl der Bäckerfachschule Stuttgart für Backversuche zur Verfügung gestellt.
Ein entscheidender Faktor für einen rentablen Anbau ist die richtige Sortenwahl.
So existieren z. B. Sorten, die immer weiter wachsen und neue Blüten bilden. Entsprechend werden auch ihre Früchte unterschiedlich reif, was sie für die landwirtschaftliche Nutzung kompliziert macht, weil es keinen optimalen Erntezeitpunkt gibt. Ideal sind Sorten, bei denen alle Blüten gleichzeitig blühen und somit auch die Früchte gleichzeitig reif sind.
Ziel ist die Züchtung von Sorten, die an die klimatischen Bedingungen Süddeutschlands angepasst sind und hohe Erträge liefern. Es zeichnet sich ab, dass der Anbau von Buchweizen als Zweitkultur für Landwirte interessant sein kann. Obwohl Buchweizen wenig Ansprüche an den Boden stellt, ist er kälteempfindlich.
Eine Aussaat im Juni, wenn die ersten Kulturarten abgeerntet sind, könnte ideal sein. Buchweizen hat eine kurze Vegetationsdauer, so dass er bereits im September geerntet und anschließend der Acker wieder für Aussaat von Winterkulturen genutzt werden kann. Der Landwirt kann so ein und dasselbe Feld mit zwei Kulturen innerhalb eines Jahres bewirtschaften und muss nicht alleine vom Buchweizenertrag leben.
Es wird untersucht, inwieweit eine spätere Aussaat, etwa Mitte Juni im Vergleich zu Mitte Mai, zu Ertragsverlusten und Reifeverzögerungen im September führt.
Dieses Projekt kann als Modellprojekt gesehen werden, wie wir neue Wege des Kulturlandschafts-Management angehen und vermitteln wollen.
