Die Grüne Stadt

Urbanes Grün: Ungleiche Verteilung und bürgerschaftliches Engagement

Städte in Deutschland wirken oft grün, doch die Verteilung der Grünflächen ist ungleich. Dies stellt ein sozialpolitisches Problem dar, da Grün die Lebensqualität verbessert. Bürger engagieren sich zunehmend für das öffentliche Grün, um diese Ungleichheit zu mildern.

Herausforderungen der Grünflächenverteilung in Städten

Ein zentrales Problem ist die ungleiche Verteilung von Grünflächen in verschiedenen Stadtteilen. Innenstadtbezirke verfügen tendenziell über wenige Grünflächen, während in peripheren Lagen teilweise über drei Viertel der Grundfläche grün sind. Eine weitere Beobachtung ist, dass in Stadtteilen mit vielen Einfamilienhäusern und Gärten oft auch mehr öffentliches Grün vorhanden ist. Im Gegensatz dazu weisen hochverdichtete Siedlungen mit Hochhäusern und wenigen privaten Gärten meist nur geringe Mengen an öffentlich zugänglichen Parks und Grünflächen auf.

Insbesondere in größeren Städten sind daher Bezirke mit Grünraum unterversorgt. Diese Ungleichverteilung stellt auch ein sozialpolitisches Problem dar. Grün in der unmittelbaren Wohnumgebung verbessert die Lebensqualität der Menschen. Mehr Grün in dicht bebauten Gebieten kann die lokalen Folgen des Klimawandels mildern und schafft Räume für Naturerfahrung, sozialen Ausgleich, Sport und Erholung. Diese Erkenntnis ist nicht neu.

Bereits in der im Mai 2007 verabschiedeten „Leipzig-Charta zur nachhaltigen europäischen Stadt“ vereinbarten die für Stadtentwicklung zuständigen Minister der EU-Mitgliedsstaaten, „den benachteiligten Stadtquartieren besondere Aufmerksamkeit im gesamtstädtischen Kontext zu widmen.“ Die nationale Biodiversitätsstrategie vom 7. November 2007 formulierte für urbane Landschaften die Vision, dass vielfältiges Grün eine hohe Lebensqualität für die Menschen sichern sollte.

Die vor fast zehn Jahren von der Bundesregierung formulierten Ziele waren entsprechend ambitioniert. Bis 2020 sollte die Durchgrünung der Siedlungen deutlich erhöht sein, sodass öffentlich zugängliche Grünflächen mit vielfältigen Qualitäten und Funktionen in der Regel fußläufig erreichbar sind.

Von diesem politischen Ziel sind wir noch weit entfernt.

Dies erklärte Helmut Selders, Präsident des Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. Der Verband forderte in der Vergangenheit eine nationale Strategie zur grünen Stadtentwicklung.

Wir hoffen sehr darauf, dass im aktuell geführten Weißbuchprozess konkrete Vorschläge und Konzepte zur Stärkung des Urbanen Grüns entwickelt werden.

Dies betonte Selders.

Bürgerschaftliches Engagement für das öffentliche Grün

Professor Dr. Udo Kuckartz, Umweltbewusstseinsforscher aus Marburg, bescheinigt den Deutschen eine hohe Sensibilität für Umweltthemen. Entsprechend entwickelt sich in immer mehr Städten bürgerschaftliches Engagement für das öffentliche Grün. Zwei Faktoren fördern diese Entwicklung: Zum einen sind in vielen kommunalen Verwaltungen die Budgets und die Ausstattung der Grünflächenämter reduziert, was die Verantwortlichen zu Alternativen in Pflege und Unterhaltung zwingt. Zum anderen wächst in der Bevölkerung das Bedürfnis, konkret und praktisch Einfluss auf das eigene Lebensumfeld zu nehmen.

Im Frühjahr werden in vielen Städten und Gemeinden Aufräumaktionen organisiert, bei denen Bürger den öffentlichen Raum von Müll befreien. In Düsseldorf sammelten beispielsweise beim „Dreck-Weg-Tag“ im März 2016 unter dem Motto „Gib dem Dreck seinen Sack“ rund 6.800 Helfer insgesamt 20,5 Tonnen Müll ein, der anschließend von der Stadt entsorgt wurde. Weit verbreitet sind auch Patenschaften für Grünflächen oder Bäume. Der Verkehrsverein Pro Stuttgart koordiniert dies für die baden-württembergische Landeshauptstadt.

Bürger übernehmen dabei Aufgaben wie das Wässern von Bäumen im Sommer oder die Sauberhaltung des Bodenbereichs. In vielen Städten gibt es auch Aufrufe zu Baumspenden. Die Stadt Mannheim ruft unter dem Titel „GrünTaten“ dazu auf, Bäume zu spenden, um die Stadt schöner und grüner zu gestalten. Ähnliche Initiativen sind „Baumstarke Stadt“ in Leipzig, „Mein Baum – Meine Stadt“ in Hamburg, „1.000 Bäume für Bonn“, „Bürgerbäume“ in Friedrichshafen oder „Mein Baum für Magdeburg“.

Auf der Internetseite der Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) ist eine Liste mit beispielhaften Aktionen verfügbar. Dort werden Baumpflanzkampagnen und Baumpatenschaften aus verschiedenen Mitgliedsstädten des GALK-Arbeitskreises Stadtbäume vorgestellt, inklusive Links zu weiterführenden Informationen.

Der Tag des Baumes als Zeichen für mehr Grün

Am 25. April wird der Tag des Baumes begangen, an dem traditionell bundesweit öffentliche Baumpflanzungen stattfinden.

Der diesjährige Baum des Jahres, die Winterlinde, eignet sich außerordentlich gut als Stadtbaum. In den Baumschulen stehen Selektionen und Sorten zur Verfügung, so dass für verschiedenste Standorte der jeweils perfekte Baum gewählt werden kann.

Dies erklärte BdB-Präsident Selders.

24.04.2016

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