Spezielle Arbeitsgebiete

Dächer als funktionierender grüner Lebensraum: Herausforderungen und Lösungen

Die Realisierung eines Gründachs erfordert fundierte Überzeugungsarbeit und frühzeitige Planung. Ein Dachbegrünungsseminar beleuchtete das Zusammenspiel von Aufbau und Funktionalität, wobei die überarbeitete FLL-Richtlinie neue Standards setzt und den neuesten Stand der Technik berücksichtigt.

Frühzeitige Abstimmung für optimale Gründach-Lösungen

Professor Wigbert Riehl von der Universität Kassel betonte, dass eine frühzeitige Abstimmung zwischen Hochbau- und Landschaftsarchitekten in der Regel zu technisch einwandfreien und ökonomisch sinnvollen Lösungen bei der Dichtungs- und Wurzelschutzfrage führt. Riehl plädierte für einen in der Dachabdichtung integrierten Wurzelschutz. Er bezeichnete dies als die optimale Lösung und ordnete diese Leistung aus Gewährleistungsgründen dem Hochbauarchitekten und dem Dachdecker zu.

Für Riehl beginnt das Folgegewerk der Landschaftsarchitekten und Landschaftsgärtner nach der Fertigstellung der Dachabdichtung. Ihre Aufgabe ist die Gestaltung der Vegetationsfläche, deren unterschiedliche Funktionsschichten auf die bauartspezifischen Besonderheiten des Gebäudes abgestimmt sein müssen, um eine optimale Wirkungsweise zu gewährleisten.

Substratwahl und Pflege als Erfolgsfaktoren

Riehl wies darauf hin, dass die in den letzten Jahren vermehrt aufgetretenen Schäden bei Dachbegrünungen oft auf eine falsche Auswahl der Substrate zurückzuführen sind. Insbesondere hohe organische Anteile hätten zu Problemen geführt, da sich die organische Substanz über die Jahre zersetzt (mineralisiert). Dies führte entweder zum Ausfall der Vegetation aufgrund veränderter physikalischer Eigenschaften oder zu einem veränderten Pflanzenbestand. Riehl forderte daher, bei jedem Projekt die Begrünungsart, das Planungsziel und ein hierfür geeignetes Substrat unter Berücksichtigung der Pflanzensoziologie genau festzulegen.

Zudem verdeutlichte Riehl, dass eine Dachbegrünung nur im Zusammenspiel mit einer abgestimmten Pflege dauerhaft funktionieren kann. Er bemängelte, dass für Grünpflege oft kein Budget eingeplant werde, weder am Boden noch auf dem Dach.

Durch eine frühzeitige und durchdachte Zusammenarbeit von Architekt und Landschaftsarchitekt lässt sich laut Riehl heute nahezu jedes Dach dauerhaft begrünen. Riehl selbst hat vor über dreißig Jahren seine ersten Dachbegrünungen realisiert und musste – auch dank fachkundiger Pflege – bis heute keine dieser Vegetationsflächen sanieren.

Niederschlagswassermanagement und Dichtigkeitstests

Seit etwa 15 Jahren setzt sich Riehl dafür ein, dass bei neuen Planungen für Dachbegrünungen kein Niederschlagswasser in die Kanalisation abgeführt wird. Bei einem bereits vor zwölf Jahren geplanten Projekt wird beispielsweise das Überschusswasser aus der Extensivbegrünung zunächst in der Intensivbegrünung des Gebäudes genutzt und anschließend in einer Zisterne gesammelt. Dieses Wasser dient dann sowohl der Bewässerung der Dachbegrünung als auch den Sprühanlagen an der Gebäudefassade zur Kühlung der Innenhöfe und Innenräume.

Auf die Frage nach der Dichtigkeitsprüfung eines Daches antwortete Riehl: "Eine Woche Wasser auf dem Dach." Den Vorschlag eines Architekten, stattdessen mit Sensorenbahnen zu arbeiten, begegnete Riehl mit dem Argument der ständigen Fehlermeldungen bei nicht vollständig ausgetrocknetem Beton. Er stimmte jedoch dem Einsatz der mittlerweile ausgereiften und gut einsetzbaren Leckmeldetechnik grundsätzlich zu. Riehl stellte klar, dass vor allem niveaugleiche Anschlüsse Probleme in der Abdichtung verursachen. Daher plädierte er für Los-Festflanschkonstruktionen, die zwar teurer, aber auch dicht sind.

Bedeutung der Substratqualität und neue FLL-Richtlinien

Professor Dr. Stephan Roth-Kleyer von der Fachhochschule Wiesbaden betonte die Aufgabe der Planer, das für den Standort richtige Substrat auszuwählen und eine bedarfsgerechte Ausschreibung durchzuführen. Er plädierte für eine RAL-gütegesicherte Qualität bei Dachsubstraten.

"Das Substrat ist immer noch das Kernstück einer Dachbegrünung und es gibt genug gute Substratausgangsstoffe und Mischtechniken, um sachgerechte und bedarfsgerechte Substrate in hoher gleichbleibender Qualität herzustellen", erläuterte Roth-Kleyer.

Die RAL-Gütesicherung vergibt ihr Gütesiegel nur für ein Jahr, danach muss sich das Substrat einer erneuten Fremdprüfung unterziehen. Zudem überwacht der Hersteller sein Produkt durch laufende Eigenkontrollen. Trotzdem empfahl Roth-Kleyer bei größeren Bauvorhaben grundsätzlich Rückstellproben des angelieferten Substrates zu ziehen.

Laut Roth-Kleyer wird auch die neue FLL-Richtlinie für Dachbegrünungen die Gültigkeitsdauer der Prüfzeugnisse anpassen. Derzeit wird eine Gültigkeitsdauer von drei Jahren diskutiert, wobei eine jährliche RAL-Gütesicherung das FLL-Prüfzeugnis ersetzen kann. Eine weitere Neuerung der im Frühjahr 2008 erwarteten Richtlinie ist die Deklarierung der Ausgangsstoffe. Bisher gab es hierzu keine Vorgabe, was die Transparenz der Inhaltsstoffe erschwerte. Roth-Kleyer zeigte sich erfreut, dass es zukünftig auch kein "Zuviel an organischer Substanz" mehr geben wird.

Bislang galt eine Obergrenze von bis zu 12 Massenprozent bei "Leichtsubstraten", was im schlimmsten Fall bis zu 50 Volumenprozent ausmachen konnte. Die zukünftige Richtlinie begrenzt die Massenprozente für organische Stoffe auf 90 Gramm pro Liter, was eine Reduktion der Volumenprozente zur Folge hat. Diese Werte haben sich laut Roth-Kleyer bei Untersuchungen an verschiedenen Hochschulen und Untersuchungsanstalten bewährt. Auch die Obergrenze bei der Wasserdurchlässigkeit der Substrate wird sich verändern. Die pH-Wert-Spanne wird zukünftig für alle Substrate gleich und von 6,0 bis 8,5 enger gefasst. Auch beim Salzgehalt gibt es Veränderungen; die absolute Obergrenze wird zukünftig bei zweieinhalb Gramm pro Liter liegen.

Roth-Kleyer hofft zudem auf eine Tabelle im Anhang, die Planern einen Vergleich der alten und neuen Richtlinie erleichtert. Interessenten können den sogenannten Gelbdruck über die FLL beziehen.

Wasserspeicherung und Einschichtsysteme

Dr. Martin Upmeier, Geschäftsführer der Firma Zeobon, erläuterte die Unterschiede der verschiedenen Aufbaumöglichkeiten von Dachbegrünungen. Überraschend war, dass ein extensives Einschichtsubstrat mit einer Körnung von 0 bis 10 Millimetern mit 28 Litern fast genauso viel Wasser speichert wie ein vergleichbarer mehrschichtiger Aufbau mit einem Drän- und Speicherelement von 25 Millimetern Höhe, kombiniert mit einem Extensivsubstrat der Körnung 0 bis 12 Millimeter (29,6 Liter).

Die mehrschichtige Lösung mit einem Dränschüttstoff schneidet mit 26,5 Litern sogar schlechter ab, was die Wasserspeicherung betrifft. Upmeier erklärte zudem, dass die Wasserrückhaltung durch Dränschüttstoffe oder Einschichtbegrünungen besser ist. Bei einem Dränelement fließt überschüssiges Wasser direkt ab, während es bei einer Schüttung eine längere Fließstrecke um die Körner herum hat und somit mehr Zeit benötigt. Für den Spezialfall des 0°-Daches, das oft zu ungewollter Wasserspeicherung durch Pfützenbildung neigt, empfahl Upmeier die Wasserverdrängung durch ein Dämmelement.

"Für mich ist das Umkehrdach in diesem Fall die Königslösung", so Upmeier, der jedoch auch die Verlegeprobleme der Platten kennt, wenn das Wasser nicht vom Dach abgeleitet wird.

Weitere Möglichkeiten sind laut Upmeier der Einbau einer Kapillarbruchschicht wie Kies (1,5 x Wasserhöhe) oder die Erhöhung der Schichtstärke bei Einschichtbegrünungen (mindestens 10 cm oberhalb des Wasserspiegels), wobei hier die Kapillarkräfte zu einer Verteilung des Wassers im Substrat führen. Die Qualität des Ablaufwassers einer Dachbegrünung ist für die weitere Nutzung entscheidend.

Upmeier wies darauf hin, dass organische Substanzen zu einer Verfärbung des Wassers führen, was bei einer angeschlossenen Brauchwassernutzung oft unerwünscht ist. Er empfahl daher rein mineralische Schüttstoffgemische und den Einsatz von Zeolith als absorbierenden Stoff. Upmeier zeigte sich erfreut, dass die einschichtige Intensivbegrünung mit Inkrafttreten der neuen FLL-Richtlinie keine Sonderbauweise mehr sein wird. Er sieht die Vorteile dieser Begrünungstechnik vor allem in der schnelleren Bauausführung und dem Verzicht auf kostenintensive Dränmatten, Dränschüttstoffe und Trennvliese. Plattenbeläge können laut Upmeier direkt in das Substrat verlegt werden, und nachträgliche Korrekturen im Aufbau sind jederzeit möglich. Upmeier hält diese Möglichkeit für eine sehr wirtschaftliche Bauweise, sofern die Qualität des Substrates beachtet wird.

Im Anschluss an die theoretischen Ausführungen besuchten die Seminarteilnehmer am Nachmittag die Grube Hummerich, in der aktiver Lavaabbau betrieben wird. Den Abschluss bildete die Besichtigung der Substratproduktion bei Vulkatec in Kretz. Alle Dachbegrünungssubstrate von Vulkatec verfügen bereits seit dem Jahr 2005 über die fortlaufende RAL-Gütesicherung.

17.01.2008

Weitere Informationen erhalten Sie hier:

Vulkatec Riebensahm GmbH

Im Pommerfeld 2
56630Kretz
Deutschland

Tel.:+49 (2632) 95 48 0
Fax:+49 (2632) 95 48 20

E-Mail:
Web: 

Zurück