Organisation und Büro

DAK-Gesundheitsreport: Personalmangel erhöht Gesundheitsrisiken deutlich

19.04.2023

Personalmangel treibt den Krankenstand in die Höhe: Beschäftigte sind erschöpft, arbeiten krank und leiden unter Stress. Der DAK-Report zeigt, wie dringend Unternehmen gegensteuern müssen – auch im GaLaBau.

Hohe Belastung und Präsentismus verschärfen die Lage in vielen Branchen

Der zunehmende Fachkräftemangel wirkt sich spürbar auf die Gesundheit von Beschäftigten aus. In Branchen mit akuter Personalnot ist der Krankenstand überdurchschnittlich hoch und erreicht Werte von bis zu 7,0 Prozent. Gleichzeitig steigt die körperliche und psychische Belastung im Arbeitsalltag deutlich an.

Eine umfassende Analyse von 2,4 Millionen Erwerbstätigen sowie eine Befragung von mehr als 7.000 Beschäftigten zeigen, dass bereits 45 Prozent regelmäßig unter Personalmangel leiden. Besonders betroffen sind Pflegeberufe und die Kinderbetreuung, doch die Entwicklung ist branchenübergreifend relevant – auch für den Garten- und Landschaftsbau.

Hohe Belastung und steigender Krankenstand

Beschäftigte in Mangelberufen berichten häufig von starkem Termin- und Leistungsdruck, Überstunden und fehlenden Pausen. Die Folgen sind deutlich messbar: Mehr als die Hälfte fühlt sich regelmäßig erschöpft, ein Drittel leidet unter Schlafstörungen oder Beschwerden des Muskel-Skelett-Systems, und rund ein Viertel klagt über Schmerzen oder Kopfschmerzen.

Der Zusammenhang zwischen Personalmangel und Krankenstand ist klar erkennbar. In besonders betroffenen Berufsgruppen liegt der Krankenstand bis zu 1,5 Prozentpunkte über dem Durchschnitt von 5,5 Prozent. Spitzenwerte erreichen unter anderem die Altenpflege mit 7,0 Prozent sowie Tätigkeiten in der Fahrzeugführung, Kinderbetreuung und im Maschinenbau mit bis zu 6,8 Prozent.

„Ständiger Personalmangel ist kein Problem der Zukunft, sondern schon heute für fast die Hälfte der Beschäftigten Realität – mit gravierenden Gesundheitsrisiken. Die Arbeitswelt steht enorm unter Druck.“

Präsentismus verschärft die Situation

Ein zentrales Problem ist der sogenannte Präsentismus. Viele Beschäftigte gehen trotz Krankheit zur Arbeit, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. In Bereichen mit regelmäßigem Personalmangel liegt dieser Anteil bei 70 Prozent – deutlich höher als bei Beschäftigten ohne Personalengpässe.

Diese Entwicklung verstärkt die Belastung zusätzlich und führt zu einem Teufelskreis: Hohe Fehlzeiten erhöhen den Druck auf die verbleibenden Mitarbeitenden, was wiederum neue Krankheitsfälle begünstigt. Gleichzeitig bleibt die notwendige Erholung aus, da Betroffene in ihrer Freizeit oft nicht abschalten können.

„Man kann von einem Teufelskreis sprechen. Hohe Fehlzeiten und Personalmangel bedingen einander und verstärken sich jeweils in den Effekten.“

Betriebliches Gesundheitsmanagement gewinnt an Bedeutung

Viele Unternehmen schöpfen die Möglichkeiten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements bislang nicht aus. Nur 31 Prozent der Beschäftigten in Bereichen mit Personalnot sehen ein ausreichendes Engagement ihres Arbeitgebers für das Wohlbefinden der Mitarbeitenden. Gesundheitsaspekte spielen im Arbeitsalltag häufig eine untergeordnete Rolle.

Angesichts der prognostizierten Fachkräftelücke von rund fünf Millionen Arbeitskräften bis 2030 steigt der Handlungsdruck weiter. Gefordert sind koordinierte Maßnahmen von Politik, Sozialpartnern und Unternehmen, um Arbeitsbedingungen nachhaltig zu verbessern.

„Wir müssen diese gesamtgesellschaftliche Aufgabe jetzt gemeinsam angehen. Nur so kann die Gesundheit der Beschäftigten geschützt und gleichzeitig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Unternehmen nachhaltig gesichert werden.“

Für Betriebe im Gartenbau und in der Kommunaltechnik bedeutet dies, Arbeitsprozesse gezielt zu optimieren, Belastungen zu reduzieren und die Balance zwischen Arbeit und Erholung aktiv zu fördern. Ein nachhaltiges Gesundheitsmanagement wird damit zu einem entscheidenden Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Mitarbeiterbindung.

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