Warum alte Sorten verschwinden und Vielfalt neu gefragt ist
Die Vielfalt traditioneller Kulturpflanzen nimmt seit Jahrzehnten kontinuierlich ab. Alte Sorten wie blaue Kartoffeln, gelbe Beete oder seltene Kräuter verschwinden zunehmend aus dem Anbau. Ursache ist vor allem die industrielle Landwirtschaft, die sich auf wenige ertragreiche und standardisierte Sorten konzentriert.
Im globalen Handel dominieren heute wenige genetische Linien. So basieren viele der weltweit angebotenen Apfelsorten auf nur drei Ursprungssorten. Gleichzeitig verdrängen Hybridsorten traditionelle, samenfeste Pflanzen, da sie sich nicht eigenständig vermehren lassen. Damit geht nicht nur geschmackliche Vielfalt verloren, sondern auch wertvolles genetisches Material.
Genetische Ressourcen gehen verloren
Historisch gewachsene Landsorten verfügen über wichtige Eigenschaften wie Krankheits- und Schädlingsresistenzen. Diese wurden über Generationen selektiert und angepasst. Mit ihrem Verschwinden verliert die Landwirtschaft eine wichtige Grundlage für zukünftige Züchtungen und stabile Anbausysteme.
Bereits 1992 verpflichteten sich zahlreiche Staaten im Rahmen des Übereinkommens über die biologische Vielfalt zum Erhalt dieser Ressourcen. Dennoch zeigen aktuelle Entwicklungen, dass viele Maßnahmen bislang nicht ausreichen, um den Rückgang wirksam zu stoppen.
Monokulturen und Energiepflanzen verstärken den Trend
Der zunehmende Anbau von Energiepflanzen wie Raps oder Mais führt vielerorts zu großflächigen Monokulturen. Diese sind nicht nur ökologisch problematisch, sondern tragen auch zum Verlust struktureller Vielfalt in der Agrarlandschaft bei.
Untersuchungen zeigen, dass insbesondere der Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutzmitteln negative Auswirkungen auf Klima und Biodiversität hat. Dabei entsteht unter anderem Lachgas, das ein deutlich höheres Treibhauspotenzial als Kohlendioxid besitzt.
Auswirkungen auf Artenvielfalt und Landschaft
Mit der Vereinheitlichung der Anbauflächen gehen wichtige Lebensräume verloren. Strukturreiche Landschaften mit unterschiedlichen Kulturen, Hecken und Randstreifen werden zunehmend durch großflächige, einheitliche Nutzungen ersetzt. Dies wirkt sich direkt auf Insekten, Vögel und andere Tierarten aus.
„Die Entwicklung ist wirklich beängstigend.“
Der Rückgang der Artenvielfalt ist deutlich messbar. Internationale Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der weltweiten Arten bedroht ist und die Gesamtzahl vieler Populationen bereits stark abgenommen hat.
Initiativen für den Erhalt alter Sorten
Organisationen und Initiativen setzen sich verstärkt für den Schutz und die Wiederverbreitung alter Sorten ein. Dazu gehören der Ankauf und die Pflege von Streuobstwiesen sowie der gezielte Aufbau von Netzwerken zur Erhaltung genetischer Ressourcen.
Auch im Kleinen wächst das Engagement: Immer mehr Privatpersonen und Betriebe integrieren alte Sorten wieder in ihre Gärten und Anlagen. Der Anbau seltener Kräuter und regional angepasster Pflanzen gewinnt dabei an Bedeutung.
„Wir brauchen mehr Maßnahmen und ein Umdenken der Politik wie auch der Menschen.“
Für den Garten- und Landschaftsbau eröffnet sich damit die Chance, aktiv zur Biodiversität beizutragen. Durch die Integration vielfältiger, standortangepasster Pflanzen kann nicht nur die ökologische Qualität von Flächen verbessert, sondern auch ein Beitrag zum langfristigen Erhalt genetischer Ressourcen geleistet werden.
