Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Die KickOff-Veranstaltung des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. (VGL) für nachhaltiges Wirtschaften fand am 10. Oktober an der DEULA in Kirchheim unter Teck zusammen mit 225 Teilnehmenden statt. Wichtige Impulse kamen nicht nur vom bekannten Trendbeobachter Mathias Haas, sondern auch von Experten aus der Branche, die ihr Fachwissen in Kurzvorträgen darstellten und gewollt unterschiedliche Akzente für die nachfolgenden Workshops setzten.

Eine erfolgreiche VGL-Veranstaltung in Sachen nachhaltiges Wirtschaften fand am 10. Oktober an der DEULA in Kirchheim zusammen mit 225 Teilnehmern statt. (Fotos: Sven Falk)

Erkennbar anders

Trendbeobachter Mathias Haas war der Hauptreferent und moderierte die Veranstaltung zusammen mit Philipp Erhard, Vorstand Markt und Wirtschaft sowie Hartmut Bremer, VGL-Beauftragter für nachhaltiges Wirtschaften im Garten-und Landschaftsbau. Erhard und Bremer bereiteten diesen Tag auch inhaltlich mit vor. Zukunftsfitness, innovative Geschäftsbeispiele und somit auch neue Alleinstellungsmerkmale sind mehr denn je gefragt. Sich nachhaltig abheben, um so den zeitgemäßen Wünschen der Kunden nachzukommen und mit passenden Ideen zu überzeugen, ist Zukunftsmusik. Dabei können Produktbeispiele, wie beispielsweise ein Garten ohne Kunststoffe als Beweis für den Wandel dienen.

Eine ehrliche Selbstanalyse zeigt auf, wo bereits betriebliche Innovation drinsteckt und wo für die Zukunft noch zu beackernde Felder liegen. Erkennen, anpacken und umsetzen: Was machen Sie in Zukunft nicht mehr oder anders? Wo befriedigen Sie die Ansprüche ihrer Kunden besser als der Mitbewerber? Jedes Unternehmen ist einzigartig, deshalb braucht es auch zuallererst Klarheit als Basis für die passgenaue Struktur mit Zukunftsperspektive. Die Welt verändert sich, die Unternehmen verändern sich und mit ihnen ihre Ausrichtung und die Chance auf Erfolg. Testen, testen und noch mal, testen Sie Ihre Ideen an Ihren Kunden und Lieferanten, so schnell und zeitnah wie möglich, war beispielsweise einer der vielen Tipps von Haas.

Fachexpertise mit Zukunft

Sechs Kurzvorträge zu Themen wie Kreislaufwirtschaft, Vegetationstragschichten, Materialverbrauch, eigenen Strom für das Unternehmen produzieren, Mechanisierung und Digitalisierung beinhalteten jede Menge Zukunftsideen. Die Paul Saum GmbH & Co. KG in Hohenfels-Liggersdorf ist beispielsweise durch ihre eigene Stromproduktion per PV-Anlage zu 95 Prozent autark. Elektroautos, E-Radlader, E-Stamper und E-Flex gehören mittlerweile zur Ausstattung und steigern den Eigenverbrauch, der zurzeit bei 60 Prozent liegt, weiter. Zudem produziert die Firma Saum zusammen mit einem weiteren Unternehmen Fernwärme, die durch Hackschnitzel erzeugt wird. Abnehmer sind unter anderem Gemeinde, Gastronomie und Gewerbe.

Toni Kiesel von der Kiesel AG sieht eine Lösung für den Fachkräftemangel in der Mechanisierung der Baustellen. Die Reduzierung von Handarbeit ist förderlich für die Mitarbeitergesundheit, beschleunigt die Prozesse und benötigt weniger Manpower. Laut seiner Kalkulation ist eine Maschine mit einem Mitarbeiter günstiger ist als zwei Mitarbeiter. Digitale Assistenzsystemen entlasten zudem, Schnellwechselsysteme sparen Zeit und benötigen nur ein Grundgerät: Die P-Linie von Kenki Technology macht so flexibel, dass es fast keinen unproduktiven Maschinenstillstand mehr gibt.

Martin Kronimus sieht ebenfalls den Minimalismus als Erfolgschance: „Weniger Materialeinsatz heißt nicht grundsätzlich Qualitätsverlust, aber dies muss sich auch in unseren Normen wiederspiegeln.“ Walter Feess‘ Motto der Zukunft heißt „Nicht verschwenden – wiederverwenden“. Dies kann jedoch nur gelingen, wenn alle an einem Strang ziehen. Für Oliver Meyer von Kullmann und Meinen ist es 5 vor 12: „Die Klimakrise ist eine existenzielle Bedrohung der Menschheit. Unternehmen, die sich nicht an dessen Bekämpfung beteiligen, werden in Zukunft laut CSRD (Corporate Sustainability Reporting Directive, EU-Richtlinie zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ab 2024) nicht mehr wettbewerbsfähig sein.“ Denn demnächst werden auch die Kreditvergabe sowie die Vergabe staatlicher Subventionen hiervon abhängig sein. „Die digitale Weiterentwicklung hat ökonomischen und ökologischen Einfluss auf die Zukunft der Unternehmen und ist eine der wichtigsten Transformationen des 21. Jahrhunderts. Ein niederschwelliges Angebot zur betrieblichen Bestandsaufnahme hilft für die ersten Schritte“, erläutert Lucas Winkler in seinem Vortrag.

Dieser umfassende Input war gewollt, denn danach ging es in die verschiedenen Workshops mit dem Titel World Cafés. Hier hatten die Teilnehmenden zum ersten Mal die Möglichkeit, in der Gruppe kreativ zu werden und konkrete Ideen für die Zukunftsgestaltung ihrer Unternehmen zu erarbeiten. Die insgesamt fünf World Cafés brachten wunderbare Impulse aller anwesenden Unternehmer-Generationen zu den Themen Digitalisierung und KI, Maschinen und Mobilität, Stein und Beton, Boden und Grundwasser sowie Abfall und Recycling. Dabei standen die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaftsweise, Transparenz, Vergleichbarkeit und eben ein Handeln für Generationen im Vordergrund.

Feedbacks

Paul Saum, Unternehmer aus Hohenfels geht begeistert nachhause. Er sieht einen großen Nutzen für jeden Seminarteilnehmer und auch er nimmt einiges für sein eigenes Unternehmen mit, was er in Zukunft umsetzen möchte. „Ich habe persönlich sehr viel gelernt an diesem Tag“, sagt Saum. Johannes Prügl vom Bodeninstitut Prügl, ist begeistert von diesem neuen Format und hat das Gefühl, dass seine vorgetragenen Inhalte zum Thema schützenswerter Oberboden tatsächlich beim hochinteressierten Publikum angekommen sind. Hartmut Bremer freut sich über die aktive Mitarbeit aller Teilnehmenden. „Wir hoffen, wir konnten hier bei vielen ein kleines Feuer entfachen und wünschen uns, dass die Fackeln daheim weiter brennen. Mit der Unterstützung des Verbandes wird es dann auch mit der Umsetzung in den Betrieben funktionieren“, äußert sich Bremer. Laut dem Unternehmer Thomas Heumann aus Weinstadt war diese Veranstaltung nicht nur überfällig, sondern hatte genau das richtige Format. Aus seiner Sicht wurden die Unternehmer direkt angesprochen, sich für die Zukunft der Branche stark zu machen. „Die Betriebe, die sich um die hier angesprochenen Themen kümmern, müssen sich zukünftig keine Gedanken um ihre Marktsituation machen“, ist sich Heumann sicher. Gerade die Zukunft der Landschaftsgärtner steckt voller Chancen, es gilt diese nur zu erkennen und zu nutzen. Als absolut gewinnbringend beschreibt somit auch Unternehmensberater Ansgar Lienert diesen Kick-Off: „Die Sensibilität zum Thema Nachhaltigkeit wurde gefordert und selbst ich konnte neues Wissen beim Umgang mit Grundwasser und Boden mitnehmen.“

Fazit

Die Herausforderungen des Klimawandels bieten gerade dem Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau riesige Wachstumschancen. Ohne „grün/blaue“ Infrastruktur wird es keine Stadtentwicklung mehr geben. Allerdings muss auch der GaLaBau mit innovativen Techniken und Materialien dafür Sorge tragen, dass auch in unserer grünen Branche im Sinne des Klimaschutzes verantwortlich gearbeitet wird!

 

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