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Der Abschwung im Verarbeitenden Gewerbe Deutschlands hat sich im Januar weiter verlangsamt. Das signalisiert der von S&P Global erhobenen HCOB Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI). Danach konnte der wichtige Konjunkturfrühindikator seinen Aufwärtstrend zu Jahresbeginn fortsetzen und sich den sechsten Monat in Folge verbessern. Mit 45,5 Punkten nach 43,3 im Dezember erreichte der EMI den höchsten Stand seit Februar 2023, notierte aber erneut unter der Wachstumsschwelle von 50,0.

Die aktuellen EMI-Daten zeigen: Der Optimismus in den Chefetagen deutscher Unternehmen hält sich weiter in Grenzen.© Mohamed Hassan/pixabay.com

Den aktuellen EMI-Umfrageergebnissen zufolge fielen die Rückgänge bei Produktion, Auftragseingang und Einkaufsmenge so geringfügig aus wie seit mehreren Monaten nicht mehr. Dennoch hielt der Job-Abbau in der Branche an. Dies kann auf die geringeren Auslastungen sowie die verhaltenen Geschäftsaussichten zurückgeführt werden. Die seit Ende 2022 sukzessive Verbesserung der Lieferzeiten kam im ersten Monat des neuen Jahres fast zum Stillstand. Das lag unter anderem an den Vorfällen im Roten Meer und den daraus resultierenden Verzögerungen im Frachtverkehr aus Asien.
 
„Die deutsche Industrie tritt zu Jahresbeginn weiter auf der Stelle. Zwar hat laut jüngstem EMI der Abschwung im Januar nachgelassen, gleichzeitig fehlt aber die Kraft für eine echte konjunkturelle Trendwende“, betonte BME-Hauptgeschäftsführerin Dr. Helena Melnikov. Offensichtlich drückten immer neue Hiobsbotschaften wie die Haushaltskrise der Ampelkoalition, Lieferketten stressende Bahnstreiks im Güterverkehr, anhaltende Bauernproteste oder die Behinderungen der internationalen Containerschifffahrt im Roten Meer auf Stimmung und Geschäfte der Unternehmen. Eine Trendwende jenseits der 50,0-Punkte-EMI-Wachstumsschwelle sei daher kurzfristig nicht zu erwarten. Dafür spreche auch, dass sowohl der Gesamtindex als auch die meisten EMI-Teilindizes in der Schrumpfungszone verharrten.
 
„Die Richtung stimmt, die Dynamik muss aber noch zunehmen“, kommentierte Dr. Gertrud R. Traud, Chefvolkswirtin der Helaba Landesbank Hessen-Thüringen, auf BME-Anfrage die aktuellen EMI-Daten. Die deutsche Industrie sei immer noch schwach, allerdings signalisiere der EMI eine sukzessive Besserung. Damit das so weitergeht, müssen zwei Faktoren erfüllt sein. Erstens: Notwendigkeit einer Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen und zweitens eine Erholung der weltweiten Industriekonjunktur. „Das zweite scheint wahrscheinlicher als das erste. Das wäre zumindest ein Anfang“, fügte die Helaba-Bankdirektorin in ihrem Statement für den BME hinzu.
 
„Mit diesen Werten steigt das Risiko einer weiteren Schrumpfung der deutschen Wirtschaft im ersten Quartal. Es ist ein gefährlicher Mix aus Frustration über die Wirtschaftspolitik und die geopolitischen Risiken, der auf der Unternehmensstimmung lastet“, sagte Dr. Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, dem BME.
 
„Hohe Kosten für Energie, Kapital, Personal aber auch überbordende Bürokratie bleiben eine Belastung für die Industrie. Hinzu kommt vielfach die anhaltende Auftragsflaute“, teilte DIHK-Konjunkturexperte Jupp Zenzen dem BME mit. Einige Unternehmen spürten bereits die negativen Auswirkungen der Sicherheitslage im Roten Meer auf ihre Lieferketten. Derzeit – auch aufgrund der allgemeinen Nachfrageschwäche – halte sich der wirtschaftliche Schaden aber noch in Grenzen. Auf lange Sicht könnten die Lieferkettenstörungen die Konjunktur belasten, selbst wenn es sich nur um Verzögerungen handele. Denn die weltweiten Frachtkapazitäten seien begrenzt. Zenzen: „Der Ausblick für das Verarbeitende Gewerbe bleibt insgesamt leider ungewiss.“
 
Zur jüngsten Entwicklung des EMI-Teilindex Einkaufspreise gab Dennis Rheinsberg, Direktor - Energy & Industrials der IKB Deutsche Industriebank AG, dem BME folgende Einschätzung: „Die Entwicklung der Einkaufspreise im Januar korrespondiert mit den negativen Erwartungen in Bezug auf die BIP-Entwicklung im ersten Quartal. Die überwiegend seitwärts laufenden Notierungen der börsennotierten Industrierohstoffe signalisieren kaum Impulse von der Nachfrageseite. Lediglich einige Stahlsorten zogen wie im Vormonat an. Die Energierohstoffe tendierten uneinheitlich: während Rohöl leicht anzog, gaben die Erdgaspreise vor dem Hintergrund komfortabel gefüllter Speicher, guter LNG-Versorgung und einer insgesamt verhaltenen Nachfrage deutlich nach.“

Über den EMI: Der HCOB Einkaufsmanagerindex Deutschland (EMI) gibt einen allgemeinen Überblick über die konjunkturelle Lage in der deutschen Industrie. Er ist eine Momentaufnahme der Geschäftssituation im Verarbeitenden Gewerbe und ein gewichteter Durchschnitt der Messwerte für Neuaufträge, Produktion, Beschäftigung, Lieferzeiten und Vormateriallager. Der Index erscheint seit 1996 unter Schirmherrschaft des BME. Er wird von S&P Global, einem börsennotierten US-amerikanischen Finanzdienstleistungskonzern, erstellt und beruht auf der Befragung von rund 500 Einkaufsleitern und Geschäftsführern der Verarbeitenden Industrie in Deutschland (nach Branche, Größe, Region repräsentativ für die deutsche Wirtschaft ausgewählt). Der EMI orientiert sich am Vorbild des US-Purchasing Manager´s Index (S&P Global US Manufacturing PMI). 

 

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