Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Keine Schnittblume ist derzeit so populär wie die Tulpe. Vom Markt bis zum Discounter – es gibt kaum eine Verkaufsstelle, wo die Frühlingsblüher jetzt nicht erhältlich sind. Das Sortiment ist groß, die Farben und Formen lassen keine Wünsche offen. Tulpen sind erschwinglich, in der Vase dankbar, halten länger als eine Woche und brauchen keine spezielle Behandlung. Das macht sie so beliebt.

Keine Schnittblume ist derzeit so populär wie die Tulpe. Vom Markt bis zum Discounter - es gibt kaum eine Verkaufsstelle, wo die Frühlingsblüher jetzt nicht erhältlich sind.

Direkt an den Keukenhof-Park schließen die bunten Felder mit Millionen von Zwiebelblumen an. Viele Touristen glauben, dass es sich hier um Blumen handelt, die früher oder später irgendwo in einer Vase stehen. Das ist aber ein Irrtum!

Die meisten Schnitt-Tupen werden in einer der 400 niederländischen Tulpengärtnereien unter Glas getrieben. (Alle Fotos: TPN/GPP)

Die Schnitt-Tulpensaison geht noch bis Mai. Tagtäglich werden in den Niederlanden Abertausende Stiele geerntet, gebündelt, verpackt und binnen 24 Stunden auf den Weg in den deutschen Handel gebracht.

Der Keukenhof – ein touristisches Megaevent

Wer im Frühjahr einmal in unserem Nachbarland unterwegs war, verbindet die Tulpe vielleicht auch mit dem legendären Keukenhof, der in der dritten Märzwoche wieder seine Pforten geöffnet hat. Für Blumenliebhaber auf der ganzen Welt steht ein Besuch des berühmten Gartens auf der Wunschliste der Orte, die man mindestens einmal im Leben gesehen haben sollte. Millionen Blumenzwiebeln wurden im letzten Herbst gepflanzt, damit sich der Park vom 21. März bis zum 12. Mai ein wahres Blütenmeer verwandelt. 2024 feiert der Keukenhof sein 75. Jahr des Bestehens. Anfangs war das Schaufenster des niederländischen Blumenzwiebelsektors allerdings überhaupt nicht für normalsterbliche Besucher, geschweige denn als internationales touristischen Highlight gedacht. Auf dem Gelände präsentierten die Blumenzwiebelgärtner den Blumenzwiebelhändlern und den gärtnerischen Kollegen ihre Sortimente, ihre Spezialitäten, ihre Besonderheiten und das, was sie in langwierigen Veredlungsprozessen stolz hervorgebracht hatten. Es war ein brancheninternes Event zu einer Zeit als es noch keine Farbfotografie gab, mit der man verschiedene Nuancen von Blüten festhalten konnte … Von damals ist noch viel übriggeblieben, denn die Blumenzwiebelzüchter zeigen den Kollegen heute noch stolz ihre Neuheiten. Aber zum Glück dürfen wir Touristen und Blumenfreunde heute staunend dabei sein.

Bollenstreek à la Mondrian

Der Keukenhof-Park liegt mitten im Bollenstreek, dem südlichen Blumenzwiebelgebiet in den Niederlanden zwischen den Städten Haarlem und Leiden. Diese Region ist im Frühjahr wirklich einzigartig. Denn nicht nur der Park lockt, sondern auch die unzähligen Hektare der riesigen Farbflächen in der unmittelbaren Umgebung. Felder mit Millionen von Tulpen, Narzissen, Hyazinthen schaffen eine unglaubliche Atmosphäre. Die flache Landschaft sieht zu dieser Jahreszeit wirklich aus wie vom Künstler Piet Mondrian gestaltet. Keiner der sich jetzt durch diesen Landstrich bewegt, ob mit dem speziellen Zug, dem Reisebus, dem Auto, dem Fahrrad oder gar zu Fuß, kann sich der Macht der Farben entziehen. Unzählige Fotos werden gemacht, weil man kaum fassen kann, was man sieht und weil man es festhalten will für zuhause oder für die Daheimgebliebenen. Die meisten Niederlande-Besucher glauben, dass es sich bei den Tulpen auf diesen eindrucksvollen Feldern um die Blumen handelt, die früher oder später irgendwo in einer Vase stehen. Das ist aber ein Irrtum!

Geköpft

Die Felder dienen ausschließlich der gärtnerischen Blumenzwiebelproduktion. Die blühenden Tulpen dort werden deshalb NICHT geschnitten, um verkauft zu werden, sondern sie werden zum Schrecken der Touristen im Stadium voller Reife mit riesigen Mähmaschinen geköpft. Die einfarbigen Blütenhügel sind im April schon von Straßenrand aus sichtbar und manchen Touristen stehen die Tränen des Entsetzens in den Augen bei so einem vermeintlichen Frevel. Die Blumenzwiebelgärtner köpfen die schönen Blumen allerdings aus bestem Grund: Die Tulpen sollen gar nicht daran denken, Samen anzusetzen und auszubilden, das würde ihnen nur Kraft rauben. In aller Ruhe bleiben die um ihre Blüten beraubten Stiele stehen und verwelken. So bekommen die Zwiebeln die Stärke, die sie jetzt brauchen und können unter der Erde richtig dick wachsen. Im späten Sommer werden die prächtigen Bollen geerntet. Diese kommen dann in den Handel und werden entweder im Herbst in unsere Gärten gepflanzt oder aber – und das ist noch wahrscheinlicher – sie gelangen in eine der 400 niederländischen Tulpengärtnereien, die sie für uns zu Schnittblumen treibt. Im kühlen Gewächshaus bei 16 bis 18 Grad Celsius wachsen die Tulpen innerhalb von nur drei Wochen zur Blüte heran. Geerntet wird mehrfach am Tag und zwar dann, wenn die Knospen eben Farbe zeigen. Dann ist die Haltbarkeit in der Vase am längsten und wir haben viel Freude an ihnen.

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