Nachhaltige Stadt- und Grünentwicklung durch Gartenschauen
Gartenschauen sind wichtige Instrumente der Stadt- und Grünentwicklung, deren Wirkung weit über die eigentliche Veranstaltungsdauer hinausreicht. Die erfolgreiche Nachnutzung der Flächen ist entscheidend für die Nachhaltigkeit solcher Projekte. Daher ist es von großer Bedeutung, bereits in der Planungsphase von Bundes-, Internationalen und Landesgartenschauen (BUGA/IGA/LaGa) Konzepte für Pflege, Nutzung, Bespielung und Verwaltung des Geländes als dauerhaften Park zu entwickeln.
Das Bonner Praxisforum beleuchtete das Thema umfassend. Diskutiert wurden Aspekte wie Parkkonzepte, Managementstrategien, Kosten- und Wertschöpfungsanalysen, Bürgerbeteiligung, Denkmalschutz und Tourismusförderung. Praktiker präsentierten exemplarische Maßnahmen, die den Erhalt und die erfolgreiche Funktion von Volksparks nach einer BUGA sicherstellen.
Praxisbeispiele für erfolgreiche Parkentwicklung
Ein klassisches Problem nach einer Gartenschau ist der Rückbau des temporären Pflanzenschmucks. Thomas Hanster, Parkleiter des Grugaparks in Essen, zeigte auf, wie mit Kreativität und Kooperationen auch bei knappen kommunalen Kassen ein hoch frequentierter Park refinanziert werden kann. Der Grugapark zieht mit rund 60 Kooperationspartnern und einem Eintrittsgeld sowie Initiativen wie Pflanzen-Raritätenbörsen und einer Mustergartenanlage, die von GaLaBau-Betrieben gepflegt wird, regelmäßig Besucher an.
Dieter Fuchs, Leiter des Grünflächenamtes in Bonn, berichtete über seine Erfahrungen mit Großveranstaltungen im Rheinauenpark, der aus der BUGA 1979 hervorging. Er veranstaltet dort jährlich das Open-Air-Konzert „Rheinkultur“ mit bis zu 200.000 Besuchern. Seine praktischen Hinweise umfassten unter anderem eine Detaillösung im Wegebau: Anfahrtswege werden parallel mit Rasengittersteinen gepflastert, um Grünflächen vor Beschädigungen durch Lieferfahrzeuge zu schützen und die Ästhetik zu bewahren.
Diethild Kornhardt, Leiterin des Volksparks Bornstedter Feld in Potsdam, stellte dar, wie sie durch die Akquisition externer Pächter und Kooperationspartner neue Attraktionen ansiedelte. Der stark von Familien frequentierte Park bietet heute eine Fußballschule, einen Jugendzirkus, Partygärten und eine Beachvolleyball-Anlage. Eigene Veranstaltungsmarken wie das internationale Drachenfest trugen zur hohen Akzeptanz bei.
Christoph Schmidt, Geschäftsführer der GrünBerlin GmbH, erläuterte das Parkmanagement des Britzer Gartens, der aus der BUGA 1985 entstand. Auf Wunsch der Bevölkerung, die sich in einer Umfrage für den Erhalt der Grundstrukturen aussprach, erhielt der Park eine Neukonzeption für langfristige Pflege und Entwicklung. Ursprünglich war nach der Gartenschau eine extensive Nutzung mit Biotopbereichen und großen Wiesenflächen vorgesehen.
Johannes Blume, Städtischer Gartenbaudirektor in Dortmund, überraschte die Teilnehmer mit der Nachricht, dass Gespräche über eine erneute BUGA in Dortmund liefen. Die Stadt Dortmund schätzt den Wert ihrer Grünflächen, die 49 % des Stadtgebiets ausmachen. Der Westfalenpark, bereits dreimaliger BUGA-Standort, ist ein wichtiger Imagefaktor für den Freizeitwert Dortmunds. Eine zukünftige BUGA oder IGA, die den Rombergpark und den Botanischen Garten einbezieht, könnte der demografischen Entwicklung entgegenkommen.
Auch Köln erhofft sich durch eine wiederholte BUGA den Ausbau des „Grünzugs Süd“ unter Einbeziehung des Friedensparks und des Großmarktgeländes, wie Dr. Bauer vom dortigen Grünflächenamt betonte.
Die BUGA Schwerin 2009 diente als Beispiel für die Instandsetzung einer barocken Gartenanlage und deren Nachnutzung. Stefan Wenzel, Ministerialrat im Ministerium für Verkehr, Bau und Landesentwicklung Mecklenburg-Vorpommern, berichtete über die Zusammenarbeit von Behörden, bauausführenden Unternehmen, der BUGA-Gesellschaft, der Stadt und dem Denkmalschutz bei der Renovierung des Schlossgartens nach Plänen von Peter Joseph Lenné.
Dieter Hütte, Geschäftsführer der TMB Tourismus-Marketing Brandenburg GmbH, fasste seine Erfahrungen aus zwei BUGAs und vier LaGas zusammen: Ein städtebauliches Rahmenkonzept, das massive Investitionen in die touristische Infrastruktur beinhaltet und private Investoren anzieht, kann Städte nachhaltig verändern.
Förderung und Ausblick auf zukünftige Parknutzung
Der positive Impuls einer BUGA setzt sich oft durch die Einbindung in nachfolgende Themenjahre fort. Um das Bewusstsein für werthaltige Grünflächen zu schärfen und Parks im Marketing zu unterstützen, vergibt die DBG zweijährlich einen Ehrenpreis für hervorragend nachhaltige Parknutzung. Köln erhielt diesen Preis 2007, Essen 2010, wie Jochen Sandner, Geschäftsführer der DBG, ausführte. Die Ausschreibung für den Preis legt strenge Kriterien fest, darunter die Schaffung hochwertiger Städtebauflächen, der Zugewinn wertvoller Grünflächen, eine positive wirtschaftliche und touristische Entwicklung sowie der Erhalt städtischer Grünanlagen in hohem Pflegezustand.
Das neue Event-Format der DBG hat sich als wertvolle Diskussionsplattform etabliert. Aufgrund der positiven Resonanz wird das Praxisforum 2013 in Bonn fortgesetzt, dann mit einem stärkeren Workshop-Charakter und mehr Zeit für den Austausch, alternierend zum DBG Forum.