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Nachhaltige Landwirtschaft: DBU fordert Standards und technischen Fortschritt

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) betont die Notwendigkeit, die weltweite Nahrungsmittelversorgung für eine wachsende Bevölkerung auf bestehenden Ackerflächen zu sichern. Dies erfordert eine nachhaltige Landwirtschaft, die Erträge steigert und gleichzeitig hohe Nachhaltigkeitsstandards einhält, wobei technischer Fortschritt unerlässlich ist.

Herausforderungen und Notwendigkeit einer nachhaltigen Transformation

Die Sicherstellung der weltweiten Nahrungsmittelversorgung für eine wachsende Bevölkerung stellt eine der größten Herausforderungen unserer Zeit dar. Prognosen der Vereinten Nationen zufolge muss die Nahrungsmittelproduktion bis 2050 nahezu verdoppelt werden, um rund 9,1 Milliarden Menschen ausreichend zu versorgen. Gleichzeitig wächst in der Europäischen Union die Sorge vor zukünftigen Nahrungsmittelengpässen.

Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) betont, dass dieser zusätzliche Bedarf auf den bereits existierenden Ackerflächen gedeckt werden muss. Dabei sei es unerlässlich, schädigende Auswirkungen auf Wasser, Boden, Luft, Arten und Biotope auf ein dauerhaft tragfähiges Maß zu reduzieren. Diese komplexe Aufgabe erfordere eine nachhaltige Landwirtschaft, deren Konturen noch zu entwickeln sind.

„Wir müssen auf bestehender Fläche effizienter wirtschaften, Erträge steigern und gleichzeitig hohe Nachhaltigkeitsstandards einhalten. Eine Lösung ohne die Zuhilfenahme des natürlichen biologischen und technischen Fortschritts ist nicht vorstellbar“, so Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der DBU.

Die DBU, die nach ihrer Internationalen Sommerakademie mit Experten aus Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik zu diesem Ergebnis kommt, sieht die Notwendigkeit, den Status quo zu verändern. Die gegenwärtige Landwirtschaft, die den technischen Fortschritt nutzt und Effizienzsteigerungen aufweist, wird in Teilen der Öffentlichkeit als industrialisiert kritisiert. Eine klare Trennung zwischen sachlich gerechtfertigter Kritik und emotional motivierten Meinungen sei derzeit kaum möglich.

Für ein allseits anerkanntes Leitbild einer nachhaltigen Entwicklung ist es laut DBU entscheidend, die Nachhaltigkeitsdefizite der Landwirtschaft klar zu benennen, sachlich fundierte Ziele zu definieren und praktikable Lösungsansätze zu erarbeiten. Die DBU hat hierfür konkrete Handlungsfelder für Deutschland und die EU identifiziert, die auch ihre eigene Förderarbeit beeinflussen.

Zunächst sei die Entwicklung eines umfassenden Bewertungssystems der Nachhaltigkeit erforderlich, das faktenbasiert, transparent und für Verbraucher verständlich ist. Dies gelte insbesondere für Kriterien der artgerechten Haltung von Tieren. Die heutigen Produktionsverfahren müssen einer Nachhaltigkeitsbewertung unterzogen und bei Bedarf schrittweise unter verantwortlicher Nutzung des technischen Fortschritts weiterentwickelt werden. Ein breit angelegter gesellschaftlicher Diskussionsprozess soll der Festlegung von Nachhaltigkeitszielen vorangehen.

Die DBU sieht folgende konkrete Handlungsfelder für Deutschland und die EU:

  • Landnutzungswandel: Ein weiterer Landnutzungswandel soll weitestgehend beschränkt werden. Global bedeutet dies, möglichst kein Naturland in Agrarland umzuwandeln. National ist der Flächenumfang von Grünland und Ackerland stabil zu halten. Bei notwendiger Umwandlung in Siedlungsflächen muss der Saldo durch Rekultivierung ausgeglichen werden, wofür überregionale Ansätze des Flächenmanagements notwendig sind.
  • Artenrückgang in Agrarlandschaften: Die Vereinheitlichung der Bewirtschaftung von Flächen zur Ertragsoptimierung reduziert die Lebensraum- und Artenvielfalt. Lokale Lösungen sind gemeinsam mit den Bewirtschaftern zu erarbeiten, um die Populationen typischer Arten der Agrarlandschaften zu stabilisieren. Ein erster Ansatzpunkt ist die lokale Optimierung der zukünftig verpflichtenden Greening-Maßnahmen.
  • Tierhaltung: Für die wichtigsten Haltungsformen von Nutztieren sind Nachhaltigkeitsbewertungsverfahren zu entwickeln. Insbesondere sollen tiergerechte und emissionsarme Ställe, sogenannte „Ställe der Zukunft“, entwickelt werden.
  • Verminderung der Verluste reaktiver Stickstoffverbindungen: Organische Dünger aus der Tierhaltung sind eine wesentliche Quelle für Stickstoffemissionen, die weitreichende ökologische Wirkungen wie Eutrophierung, Versauerung und Minderung der Biodiversität nach sich ziehen. Diese Verluste sind durch zeitnahes Aufbereiten der Exkremente und bedarfsgerechtes Verwenden der Nährstoffe zu vermeiden.
  • Nährstoffkreisläufe: Eine nachhaltige Landwirtschaft und Ernährung erfordert das konsequente Rückführen der in Nahrungsmitteln enthaltenen Nährstoffe aus urbanen Räumen. Dies bedingt umfassende Verfahrensänderungen bei der Aufbereitung von organischen Abwässern und Abfällen aller Art. Die Rückführung sollte nicht auf Phosphat beschränkt sein, sondern alle Pflanzennährstoffe einschließlich Stickstoff umfassen, wobei die Eliminierung von Schadstoffen Voraussetzung ist.
  • Grünlandnutzung: Die Grünlandnutzung ist stärker zu differenzieren in Dauergrünland zur Bereitstellung hochwertiger Futtermittel und Extensivgrünland mit vorrangiger Naturschutzzielsetzung. Beide Ziele sind nicht gleichzeitig auf einer Fläche erreichbar, aber durch räumliche und betriebliche Verzahnung. Entsprechende Pilotvorhaben sind zu entwickeln.
  • Verbraucherinformation: Verbraucher können sich nur dann nachhaltig orientieren, wenn sie fundierte Angaben direkt auf der Verpackung oder über das Internet erhalten. Hierfür sind einfache Konzepte zur Darstellung wichtiger Nachhaltigkeitsindikatoren zu entwickeln und zu erproben.

Nachhaltige Landwirtschaft sichert im globalen Maßstab und über Generationen hinweg die Nahrungsmittelversorgung und -qualität aller Menschen, erhält die Produktivität der Böden und die Artenvielfalt dauerhaft. Dazu gehört, dass Umweltbelastungen auf ein unvermeidbares Maß im Rahmen der natürlichen Regenerationsmöglichkeit reduziert sind, Tiere artgerecht gehalten werden, die ökonomische Existenzfähigkeit landwirtschaftlicher Betriebe gesichert ist und die in der Landwirtschaft tätigen Menschen gerechte und zufriedenstellende Lebensbedingungen vorfinden.

Aus ethischer Sicht haben Nahrungsmittel Vorrang vor Futtermitteln, diese vor der stofflichen und schließlich der energetischen Nutzung von Biomasse.

Weltweit ist die Landwirtschaft noch weit von diesem Leitbild entfernt. Beispiele hierfür sind abnehmende Nährstoffgehalte vieler Böden in Afrika, Versalzung und übermäßige Nutzung fossiler Wasserreserven in Dürregebieten sowie Stickstoffüberschüsse in Ostasien. In Mitteleuropa, einer günstigen Region für Landwirtschaft, sind der Artenrückgang in der Agrarlandschaft und die Stickstoffüberschüsse beim konventionellen Bewirtschaften die wichtigsten Nachhaltigkeitsdefizite.

Auch der Ökolandbau, der bei diesen Kriterien die Anforderungen der Nachhaltigkeit gut erfüllt, hat ungelöste Probleme wie systembedingte Rückgänge der Phosphor- und Kaliumgehalte der Böden und eine ungenügende Flächeneffizienz. Eine stärkere Ausdehnung des Ökolandbaus könnte zu Lasten bisher nicht genutzter Naturlandschaften gehen.

Die globale Landwirtschaft steht vor der Herausforderung, eine stark steigende Nachfrage nach Nahrungsmitteln mit hohen Qualitätsansprüchen und günstigen Preisen sowie einen steigenden Bedarf an Futtermitteln und Rohstoffen für industrielle und energetische Nutzung mit begrenzten Flächenressourcen in Einklang zu bringen. Ein Landnutzungswandel, also die Umwandlung von Flächen mit natürlichen Ökosystemen wie Regenwäldern, Savannen und Mooren, kommt aus Nachhaltigkeitsgründen nicht in Frage, da dies zur Freisetzung von Treibhausgasen und negativen Auswirkungen auf die Biodiversität führt.

Deutschland kann mit seinem Innovationspotenzial einen Beitrag zur Entwicklung einer nachhaltigen Landwirtschaft leisten.

10.07.2014

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