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Ackerbau im Wandel: Anpassungsstrategien an Greening und reduzierten Pflanzenschutz

Die DLG-Pflanzenbautagung beleuchtete den tiefgreifenden Wandel im Ackerbau. Landwirte müssen sich an Greening und reduzierten Pflanzenschutz anpassen. Es braucht neue Strategien, um Herausforderungen wie den Ackerfuchsschwanz zu meistern und die Vielfalt der Greening-Optionen sinnvoll zu nutzen.

Anpassungen an neue Rahmenbedingungen im Ackerbau

Die Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Ackerbau unterliegen einem tiefgreifenden Wandel. Die Reduzierung chemischer Pflanzenschutzmittel und die Einführung des Greenings erfordern von Landwirten eine Erweiterung ihres Methodenrepertoires und eine präzise Anpassung ihrer Anbausysteme. Dies war der zentrale Tenor der diesjährigen Pflanzenbautagung der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) in Bernburg-Strenzfeld.

Ludwig Wreesmann, Landwirt aus Altenoythe, demonstrierte am Beispiel des Maisanbaus, wie solche Anpassungen in der Praxis aussehen können. Angesichts massiver Probleme mit Winderosion auf leichten Böden, insbesondere in der kahlen Phase nach der Maisaussaat, entwickelte er nach dem Scheitern verschiedener Ansätze (z.B. Direktsaat in Ackergrasstoppeln) ein System der Streifenbearbeitung nach abfrierender Zwischenfrucht. Ähnlich optimierte er den Einsatz organischer Düngung, um sie passgenau in sein System zu integrieren.

Andere Bereiche des Ackerbaus stehen noch vor vergleichbaren Herausforderungen. Insbesondere der chemische Pflanzenschutz wird in Zukunft mit einem deutlich kleineren Wirkungsspektrum auskommen müssen. Ursachen hierfür sind Zulassungsbeschränkungen, zunehmende Resistenzen und eine geringe Anzahl neuer Wirkstoffe in der Forschung. Dies erfordert eine grundsätzliche Neuausrichtung der Pflanzenschutzstrategien.

„Der Ackerbau gerät an seine Grenzen. Die Mittelpalette zeigt, dass Bekämpfungsmöglichkeiten deutlich zurückgehen werden, bei der Ackerfuchsschwanzbekämpfung wird nichts bleiben“, formulierte Manja Landschreiber von der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein.

Herausforderung Ackerfuchsschwanz

Am Beispiel des Ackerfuchsschwanzes verdeutlichte Manja Landschreiber, dass einfache Pflanzenschutzlösungen oder das Pflügen nicht mehr ausreichen. Stattdessen sind wieder die traditionellen Ackerbautugenden gefragt, die eine Generation von Landwirten möglicherweise vernachlässigt hat. Dazu gehören spätere Saattermine, ein verstärkter mechanischer Einsatz mit Hacke und Striegel sowie die Integration von Sommerungen in die Fruchtfolge und der Einsatz wendender Bodenbearbeitung. Diese Maßnahmen dienen als Sofortlösungen zur Begegnung von Resistenzen und können gleichzeitig zur Imagepflege beitragen.

Das Greening, als Teil der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), wirft einen neuen Blick auf den Ackerbau und die Fruchtfolgeplanung. Es implementiert verbindliche Umweltschutzanforderungen in die erste Säule der GAP und ist Voraussetzung für den vollständigen Erhalt der Direktzahlungen.

Vielfältige Greening-Optionen

Die Greening-Maßnahmen sind vielfältig und umfassen unter anderem den Anbau von mindestens drei verschiedenen Kulturen mit spezifischen Flächenanteilen sowie die Begrenzung des Umbruchs von Dauergrünland. Zudem müssen Landwirte mindestens fünf Prozent (ab 2017 möglicherweise sieben Prozent) ihrer beihilfefähigen Ackerfläche als Ökologische Vorrangflächen nutzen. Beispiele hierfür sind Brachflächen, Terrassen, Landschaftselemente wie Hecken oder Feldgehölze, Blühstreifen, Pufferstreifen und Aufforstungsflächen.

Diese neuen Bedingungen sind aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes notwendig, um die Agrarpolitik stärker am Umweltschutz auszurichten und die öffentlichen Gelder für den Agrarsektor zu legitimieren. Die DLG-Pflanzenbautagung zeigte, dass es nicht die eine universelle Lösung geben wird, sondern unterschiedliche Schwerpunkte für verschiedene Regionen und Betriebe. Der Start des Greenings war von Anlaufschwierigkeiten geprägt, da die ackerbaulichen Anforderungen, insbesondere die Aussaatzeitpunkte, schneller eintraten als die finalen Regelungen der EU-Kommission.

Detlev Dölger von der Hanse-Agro Beratung und Entwicklung GmbH kommentierte, dass die Vorstellungen und Konkretisierungen durch die EU-Kommission dem Arbeitsrhythmus und den anstehenden Feldarbeiten hinterherliefen, was beispielsweise bei Waldrandstreifen zu zusätzlichen Umbrüchen führte, um die Greeningmaßnahmen fristgerecht umsetzen zu können.

Grenzen von Zwischenfrüchten

Insbesondere der Einsatz von Zwischenfrüchten als Greening-Maßnahme kann an Grenzen stoßen. Ein großes Thema ist die Hygiene in Folge von Fruchtfolgeschädlingen, da Zwischenfrüchte Probleme wie die Vermehrung von Nematoden verstärken können. In Hackfruchtfolgen scheidet der Zwischenfrüchteanbau in der Regel aus. Zudem stellt sich die Frage der Düngung beim Zwischenfruchtanbau und ob die Ziele ohne mineralische Düngergaben erreicht werden können.

Der Anbau von Leguminosen kann in Weizenfruchtfolgen zu Engpässen in der späteren Fruchtfolge führen. In Trockengebieten muss der Zwischenfruchtanbau unter dem Aspekt des Wasserverbrauchs kritisch geprüft werden, da sich Wasserverbrauch und Verdunstungsminimierung im Winter gegenüberstehen können.

Positive Effekte für die Öffentlichkeit

Die Diskussion in Bernburg zeigte, dass sich die Möglichkeiten des Greenings auf einem schmalen Grat zwischen pflanzenbaulichem Mehrwert und ökologischem Deckmantel bewegen. Die positive Wahrnehmung vieler Maßnahmen, wie Blühstreifen oder Landschaftselemente, durch die Bevölkerung kann als ein positives Resümee der Diskussion und Auswahl der Greening-Elemente verbucht werden, wie erste Erfahrungen bestätigen.

20.06.2015

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