Pflanzen und Pflanzenteile

Die Geflügelte Senna: Ein Spätsommerblüher im Botanischen Garten

Der Botanische Garten Karlsruhe präsentiert im September die Geflügelte Senna, einen Spätsommerblüher mit leuchtend gelben Blüten. Die Pflanze, auch Popcornstrauch genannt, überrascht mit einem ungewöhnlichen Duft und ist botanisch mit der Erdnuss verwandt.

Ein Blick auf die botanische Geschichte und Besonderheiten

Im September präsentiert der Botanische Garten Karlsruhe die Geflügelte Senna (Senna didymobotrya), eine Pflanze, deren botanische Beschreibung erst im 19. Jahrhundert erfolgte. Bemerkenswert ist, dass bereits im Gartenführer von 1825 elf weitere Arten der Gattung Senna in Karlsruhe verzeichnet waren.

Die Geflügelte Senna ist ein wahrer Sommer-Dauerblüher.

Besucher können sich an den leuchtend gelben Blüten der Geflügelten Senna bis in den Oktober hinein erfreuen. Der Botanische Garten Karlsruhe setzt seit Juli seinen Blühkalender fort, nachdem dieser coronabedingt drei Monate pausieren musste.

Eine sommerblühende Kübelpflanze

Die ursprünglich aus dem tropischen Afrika stammende Pflanze blüht von Juni bis Oktober. Ihre gelben Blütenkerzen heben sich deutlich vom dunkelgrünen, gefiederten Laub ab. Die lange Blühdauer resultiert daraus, dass die einzelnen Blüten nacheinander von unten nach oben aufblühen und ihre Farbe von einem bräunlichen Knospen-Ton zu einem leuchtenden Gelb wechseln.

Die Blüten selbst sind geruchlos. Reibt man jedoch an den Blättern, entfaltet sich ein Duft, der an Erdnüsse oder Popcorn erinnert. Thomas Huber, der Leiter des Botanischen Gartens Karlsruhe, berichtet, dass dieser Effekt bei Besuchern stets Überraschung hervorruft.

Vielfältige Bezeichnungen und botanische Verwandtschaft

Aufgrund ihres ungewöhnlichen Duftes wird die Geflügelte Senna im Volksmund auch Popcornstrauch genannt. Weitere Bezeichnungen sind Indische Gewürzrinde, Kerzenstrauch und Erdnuss-Kassie. Die Erstbeschreibung unter dem lateinischen Namen „Cassia“ erfolgte 1839 durch den deutschen Arzt und Botaniker Johann Baptist Georg Wolfgang Fresenius. Die heute gültige Erstbeschreibung als „Senna didymobotrya“ durch Howard Samuel Irwin und Rupert Charles Barneby wurde 1982 veröffentlicht.

Botanisch ist die Geflügelte Senna mit der Erdnuss verwandt, da beide zur Familie der Hülsenfrüchte gehören. Zu dieser Familie zählen auch Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Linsen, Platterbsen (Wicken) und Sojabohnen, die weltweit als wichtige Nahrungsquelle dienen. Ihre Früchte und Samen enthalten essenzielle Nährstoffe wie Eiweiß, Kohlenhydrate und Vitamin B1 und sind daher häufig Bestandteil der vegetarischen und veganen Küche.

Im Gegensatz zu ihren essbaren Verwandten ist die Geflügelte Senna für den Verzehr nicht geeignet und gilt als giftig. Ein Sud aus ihren Blättern wird jedoch in der traditionellen Medizin gegen Magenbeschwerden, als Anti-Malaria-Mittel und als mildes Abführmittel eingesetzt. In Afrika finden die Senna-Früchte zudem beim Fischfang Verwendung.

Pflege und Überwinterung

In ihrer tropischen Heimat erreicht die Geflügelte Senna als Strauch eine Höhe von zwei bis drei Metern und eine Breite von anderthalb bis zwei Metern. In Gärten wird sie meist als sommerblühende Kübelpflanze kultiviert. Sie benötigt im Sommer einen sonnigen, warmen Standort, viel Wasser und regelmäßige Düngergaben.

Vor dem Einräumen im Herbst werden die Jahrestriebe zurückgeschnitten. Die Kübelpflanze überwintert in einem temperierten Haus bei mindestens 12 Grad Celsius. Da sie relativ früh wieder austreibt, benötigt sie auch im Winter viel Licht. Thomas Huber weist darauf hin, dass die Pflege im privaten Garten daher anspruchsvoll sein kann.

Sonderführung zur Kübelpflanzenpflege

Am 20. September um 14:30 Uhr bietet der Gartenleiter eine Sonderführung an, bei der er Tipps zur Pflege und Überwinterung von Kübelpflanzen gibt. Die zweistündige Führung ist auf maximal 20 Personen begrenzt. Anmeldungen sind über das Service Center unter Telefon +49(0)62 21.6 58 88 15 oder per E-Mail an service@schloss-bruchsal.de erforderlich. Der Preis beträgt 9,00 € für Erwachsene und 4,50 € ermäßigt.

Historische Anlage des Botanischen Gartens

Die eindrucksvollen Glashäuser des Botanischen Gartens, vor denen sich eine große Wiese mit Blausternen erstreckt, stammen aus dem 19. Jahrhundert. Sie wurden ursprünglich von Heinrich Hübsch entworfen, der auch das Gebäude der Kunsthalle konzipierte. Die historischen Gewächshäuser aus Metall und Glas wurden aufwendig saniert und 2018 wiedereröffnet. Seitdem orientieren sich Gestaltung und Pflanzenauswahl an den historischen Vorlagen aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

04.09.2020

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