GaLaBau-Betriebe leisten schnelle Hilfe nach Katastrophen
Die jüngsten extremen Wetterereignisse und die daraus resultierenden Überschwemmungen in Deutschland haben die Notwendigkeit einer Anpassung an veränderte klimatische Bedingungen verdeutlicht. Neben der akuten Hilfe für Betroffene rücken präventive Maßnahmen zur Klimaanpassung in den Fokus.
Nach den Überflutungen engagierten sich zahlreiche Betriebe des Garten-, Landschafts- und Sportplatzbaus (GaLaBau) in der Soforthilfe. H. Christian Leonhards, Präsident des Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen (VGL NRW) e.V., hob das Engagement der Mitgliedsbetriebe hervor.
Kurzfristig sind zunächst Hilfe und Unterstützung für die betroffenen Menschen notwendig und wir sind stolz darauf, dass sich neben unzähligen anderen Freiwilligen auch viele unserer Mitgliedsbetriebe massiv engagieren.
Beispielsweise unterstützten Teams des Unternehmens Forster Garten- und Landschaftsbau aus Alfter die betroffenen Gebiete an der Ahr. Mathias Forster berichtete von der Räumung von Wohnungen, dem Leerpumpen von Kellern und der Befreiung von Schlamm. Zudem mähte das Pflegeteam Flächen der Bundesakademie für Bevölkerungsschutz und Zivile Verteidigung (BABZ), um Hubschrauberstarts und -landungen zu ermöglichen.
In Hagen leisteten die Unternehmen Borgmeier Garten- und Landschaftsbau und Robert Kramer Garten- und Landschaftsbau mit 25 Mitarbeitern, Radladern und Sattelzügen Soforthilfe. Ihre Hauptaufgabe war die Befreiung von Straßen und Zufahrten von Schlamm, Schutt und Müll, um die Befahrbarkeit wiederherzustellen.
Weitere engagierte Betriebe waren Michael Holzweiler (Bielefeld), Maximilian Untermann (Hamm), Schraps & Vogel (Kempen) und Crämer & Wollweber (Königswinter) sowie viele weitere aus angrenzenden Bezirksverbänden. Leonhards betonte, dass diese Betriebe stellvertretend für viele GaLaBau-Unternehmen stünden, die mit Maschinen, Technik und Fachkräften akute Nothilfe leisteten.
Anpassung an den Klimawandel durch grüne Infrastruktur
Nach den Flutkatastrophen fordern verschiedene Akteure ein Umdenken in der Politik. Jörg Asmussen, Hauptgeschäftsführer des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), wies darauf hin, dass die Klimafolgenanpassung vielerorts zu kurz komme. Der Städte- und Gemeindebund forderte eine Reform des zivilen Bevölkerungsschutzes, insbesondere im Hinblick auf Warnsysteme und Notfallkonzepte.
Auch aus der Wissenschaft kommen klare Signale. Professor Dr. Helmut Grüning vom Technikum für Hydraulik und Stadthydrologie der FH Münster erforscht Möglichkeiten zur Starkregenvorsorge.
Wir können solche Sturzfluten nur bis zu einem gewissen Grad verhindern. In Extremsituationen ist die Natur letztlich stärker, aber wir können durchaus etwas tun. Unsere Städte müssen grundsätzlich grüner werden, um Verdunstungs- und Versickerungsprozesse hervorzurufen. Neben Kühleffekten in Hitzephasen wird das Grundwasser angereichert und bei Starkregen werden Oberflächenabflüsse zurückgehalten, um die Kanalisation zu entlasten. Dazu müssen viele Akteurinnen und Akteure zusammenarbeiten – Verkehrsplanung, Stadtplanung, Politik und Wissenschaft müssen gemeinsame Lösungen entwickeln.
Neben der langfristigen Bekämpfung des Klimawandels sind schnelle Maßnahmen zur Klimaanpassung von Bedeutung. Leonhards hob hervor, dass sich Städte und Gemeinden für Starkregenereignisse wappnen und vor Überflutung schützen müssen. Bewährt haben sich hierbei Maßnahmen wie die Gewässerrenaturierung, die Entsiegelung von Oberflächen sowie die Dach- und Fassadenbegrünung.
Ein weiteres Instrument ist die Anlage sogenannter multifunktionaler Flächen. Darunter fallen Verkehrsflächen oder Sportplätze, die bei Starkregenereignissen als temporäre Wasserspeicher dienen. Das Wasser fließt dort hin und läuft zeitverzögert wieder ab, wodurch die Spitzenbelastung der Kanalisation reduziert wird. Abgesenkte Mulden in der Nähe von Gebäuden oder Straßen können ebenfalls als potenzielle Speicher dienen, um Schäden oder Überflutungen zu vermeiden.
Leonhards betonte die Dringlichkeit eines Umbaus der Städte, der mit der Natur statt gegen sie arbeitet. Er verwies auf Förderprogramme der EU, des Bundes und der Länder für solche "nature-based-solutions". Der VGL NRW mit seinen über 1.000 Fachbetrieben in Nordrhein-Westfalen stehe bereit, diese Zukunftsaufgabe gemeinsam mit Städten und Gemeinden anzugehen.

