Studie bestätigt Befürchtungen des Berufsstandes
Eine Studie des Thünen-Instituts zum Mindestlohn in Gartenbau und Landwirtschaft bestätigt Befürchtungen des Berufsstandes. Demnach hat der Mindestlohn erhebliche Auswirkungen auf den Anbau arbeitsintensiver Kulturen. Es wird mit einem Rückgang des Anbaus in Deutschland gerechnet. Dies ist die Bewertung des Zentralverbandes Gartenbau e. V. (ZVG) zum veröffentlichten Working Paper der Bundesbehörde.
Die Befragung der Betriebe belegt zudem handwerkliche Fehler des Arbeitszeitgesetzes in Bezug auf Erntearbeiten im Gartenbau.
Herausforderungen durch steigende Produktionskosten
Der Mindestlohn wird uns stark fordern. Steigende Produktionskosten bei preiswerten Lebensmitteln – gerade bei Obst und Gemüse – sind eine Gratwanderung. Der Wert von heimischem Obst- und Gemüse in bester Qualität aus der Region für die Region muss sich auch beim Preis wiederfinden.
Dies erklärte Jens Stechmann, Vorsitzender des Bundesausschusses Obst- und Gemüse, dessen Träger auch der ZVG ist. Die unflexiblen Arbeitszeitregelungen ignorieren die Realitäten gärtnerischer Betriebe.
Praxisferne Arbeitszeitregelungen
Besonders in der Erntesaison ist die Ruhezeitregelung in der Praxis oft nicht umsetzbar. Stechmann erläuterte, dass es keinem Erntehelfer zuzumuten sei, während der Mittagshitze der Sommermonate auf dem Feld zu arbeiten, nur um die nächtlichen Ruhezeiten einzuhalten. Auch hinsichtlich der Produktqualität müsse bevorzugt in den Morgen- und Abendstunden geerntet werden.
Erforderliche Ruhezeiten und Pausen wurden in der Vergangenheit schon einvernehmlich mit den Mitarbeitern geregelt und benötigen daher keine staatliche Kontrolle.
Der ZVG hatte die Politik in der Vergangenheit wiederholt auf die praxisfernen bürokratischen Anforderungen und eine drohende Veränderung im Anbauspektrum hingewiesen. Zudem wurde auf die Verschiebung arbeitsintensiver Kulturen in andere europäische Länder aufmerksam gemacht. Neben Spanien und Portugal sind auch die Türkei, Griechenland und Polen starke Anbieter im Gemüsebau.
Die Studie, die im April an Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt übergeben wurde, ist auf der Homepage des Thünen-Instituts verfügbar.
