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Die Abkehr von der steinernen Stadt

Seit 37 Jahren ist die GalaBau-Fachtagung des Fachverbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V. (FGL HH) Impulsgeber und Diskussionsplattform für eine grüne, nachhaltige Stadtentwicklung. Die 37. Fachtagung am 7. Februar in der Handwerkskammer Hamburg stand mehr denn je im Zeichen des Klimawandels und seiner Folgen für den urbanen Lebensraum. Die Botschaft: Um die Klima-Problematik in den Städten positiv beeinflussen und abmildern zu können, muss die historisch gewachsene Vorstellung einer „steinernen Stadt“ und die hiermit verbundene Trennung von Natur und Architektur endgültig abgelöst werden.

Kritische Eröffnungsworte zur grünen Metropole Hamburg

Zu Beginn der GaLaBau-Fachtagung fand der Vorsitzende des FGL HH, Thomas Schmale, mahnende Worte. „Hamburg gilt als grüne Metropole, aber seit Jahren zitieren wir immer wieder dieselben Probleme: Flächenkonkurrenz, Klimastress und Pflegemängel. Und leider finden wir kaum Verbesserungsansätze im derzeitigen Klimaplan der Stadt“, erklärte Schmale.

Aus diesem Grund hätten sich die fünf führenden grünen Verbände Hamburgs zur Initiative „Green 5“ zusammengeschlossen und zur Wahl ein gemeinsames Forderungspapier an die Hamburger Fraktionen und zuständigen Senatoren versandt.

Negative Baumbilanz und fehlende Grünstrategien

„Das Papier vereint zentrale Anregungen, mit denen wir den Gründefiziten der Stadt Hamburg entgegenwirken können“, so Schmale. Als Beispiel nannte er die seit Jahren negative Baumbilanz der Stadt: Während andere Bundesländer wie Schleswig-Holstein aktiv aufforsten und Bürger mit Initiativen wie dem Einheitsbuddeln zum Pflanzen von Bäumen motivieren, gelinge es Hamburg nicht einmal, den bestehenden Baumbestand zu erhalten.

Zwar müsse Hamburg verdichten, um weiter wachsen zu können, betonte der Vorsitzende. „Für eine zukunftstaugliche Stadtentwicklung benötigen wir aber auch Grün- und Freiflächen, die hochwertig und nachhaltig gestaltet, gebaut und gepflegt werden.“ Andere Städte würden bereits feste Anteile ihrer Bauareale für solche Flächen vorsehen.

Kritisch merkte Schmale an, dass sich im Hamburger Klimaplan – abgesehen von bereits initiierten Projekten – keine einzige Klimaschutzmaßnahme finde, die sich konkret mit Grün oder Pflanzen befasse. Diese Kritik richtete er vor rund 290 anwesenden Experten und Entscheidern aus Stadtplanung, grüner Branche und Politik.

Stadtplanung konsequent „grün“ denken

Unterstützung erhielt Schmale von der Hamburger Stadtplanerin und Architektin Alexandra Czerner. „Die begonnene Klimakatastrophe ist in wachsenden Städten mit all ihren Folgen für Flora und Fauna deutlich stärker spürbar als im ländlichen Raum“, erklärte die Referentin.

Überall dort, wo Hitze, CO2 und Feinstaub entstehen, brauche es direkt vor Ort Kühlung, Filterung und die Umwandlung von CO2 in Sauerstoff. Hochverdichtete Stadtstrukturen benötigten daher deutlich mehr Grünflächen.

„Um dies zu erreichen, ist es zwingend notwendig, die Vorstellung von Stadt in unseren Köpfen umzubauen und alle Bausteine in Architektur und Stadtplanung konsequent grün zu denken. Eine grundlegende Naturdurchwachsenheit ist notwendig, um den Lebensraum Stadt langfristig wieder gesünder zu gestalten“, so Czerner.

Konkrete Forderungen für klimaangepasste Städte

Zu ihren Forderungen zählen neben einer Verkehrsreform mit umfassenden Mobilitätskonzepten auch die bundesweite gesetzliche Verankerung einer verpflichtenden Grünflächenzahl für alle Gebäude und Straßenräume. Zudem sprach sich Czerner gegen Grenzbebauungen ohne Grünzonen zwischen Haus und Bürgersteig aus.

Versiegelte Flächen müssten konsequent aufgebrochen und intensiv begrünt werden, um die Naturnähe zu stärken und die Gesundheit der Bevölkerung langfristig zu schützen.

„Klimabäume“, Biodiversität und naturnahes Grün

Mit der Frage, welche Baumarten sich als Lebensraum für urbane Insekten besonders eignen, befasste sich Dr. Susanne Böll von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Veitshöchheim. Sie stellte die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Stadtgrün 2021“ vor.

Dabei handelt es sich um die erste Studie, die die Artenvielfalt von Insekten und Spinnen in den Baumkronen heimischer und nicht-heimischer Stadtbaumarten vergleichend untersucht hat.

„Die Quintessenz ist, dass ein hoher Individuen- und Artenreichtum auf allen Baumarten festgestellt wurde und sich heimische Arten in ihrer Biodiversität nicht von verwandten südosteuropäischen Arten unterschieden“, erläuterte Böll.

Ein Drittel der Arten sei ausschließlich auf heimischen, ein weiteres Viertel nur auf südosteuropäischen Baumarten gefunden worden. Mischpflanzungen könnten daher eine höhere Artenvielfalt fördern als reine heimische Monoalleen.

Eine zentrale Rolle spiele zudem der Grünstreifen, in dem die Bäume stehen. „Er ist ein wichtiger Teillebensraum für viele erfasste Arten und spricht für eine variantenreiche Baumartenwahl sowie das konsequente Anlegen von Grünstreifen im Stadtraum.“

Plädoyer für naturnahe Gestaltung

Ein eindrucksvolles Plädoyer für „leben und leben lassen“ hielt Fritz Hilgenstock vom Unternehmen hilgenstock naturgarten aus dem schweizerischen Niederuzwill. Er präsentierte Beispiele naturbelassener Gartenanlagen und gab praxisnahe Tipps zur naturnahen Gestaltung von Gärten und Freiflächen.

„Viele heimische Wildpflanzen sind unschlagbar nachhaltig, ökologisch sinnvoll, pflegeleicht und kostengünstig. Sie schaffen nicht nur in Privatgärten eine lebendige Artenvielfalt, sondern beleben auch den öffentlichen Raum“, so Hilgenstock.

Allerdings sei die naturnahe Gartengestaltung im deutschen Normengefüge oft schwer umsetzbar. „Dabei geht so vieles. Man muss es nur wollen und zulassen können“, sagte der Referent – und fand damit die passenden Schlussworte für die vom Klimawandel geprägte GaLaBau-Fachtagung.

20.02.2020

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