Klimaresiliente Bäume für urbane Räume
Heimische Stadtbäume wie Linde und Ahorn leiden zunehmend unter den Folgen des Klimawandels, darunter anhaltende Trockenperioden, Hitzewellen und Frosteinbrüche. Ihre Trockenstresstoleranz ist oft überschritten, was ihren Rückgang in Innenstädten zur Folge hat. Das Projekt „Stadtgrün 2021“ der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim sucht daher nach klimaresilienten Baumarten.
Was liegt dabei näher als Bäume zu wählen, die von Haus aus mit Hitze, Trockenheit und Wasserknappheit bestens vertraut sind.
Dies erklärt Dr. Susanne Böll, Leiterin des Stadtgrün-Projektes. Die Testkandidaten stammen überwiegend aus Osteuropa, da diese Baumarten aufgrund ihrer kontinentalen Herkunft an extreme Bedingungen angepasst sind. Seit 2010 werden 30 verschiedene Baumarten an drei klimatisch unterschiedlichen Standorten in Deutschland getestet. Am Standort Würzburg werden die Bäume unter anderem auf ihre Trockenstresstoleranz geprüft, wobei die Bedingungen im Jahr 2015 31 Hitzetage mit Durchschnittstemperaturen von bis zu 40 °C sowie lange Trockenperioden umfassten.
Ökologische Integration nicht heimischer Bäume
Die Masterarbeit von Rosa Albrecht geht der Frage nach, ob nicht heimische Stadtbäume ökologische Nischen bieten oder als „ökologische Wüsten“ zu betrachten sind. Es wird untersucht, ob die Artenvielfalt in den Kronen einer heimischen Linde mit der einer osteuropäischen Silberlinde vergleichbar ist. Bisher fehlen hierzu Vergleichswerte.
Für die Datenerhebung steigt Rosa Albrecht regelmäßig in einem Hubsteiger in die Baumkronen. Dabei ist ein präzises Vorgehen des Hubsteigerfahrers erforderlich, um Schäden an Bäumen und Ästen zu vermeiden. Nach über 40 Stunden Hubsteigerfahrt agieren Studentin und Fahrer als eingespieltes Team.
Zur Erfassung des Insektenspektrums werden drei verschiedene Fangmethoden eingesetzt. Fliegende Insekten wie Käfer, Zikaden und Wanzen werden mittels Fensterfallen gesammelt. Nicht fliegende Insekten, Raupen und Spinnen werden durch Klopfproben von Ästen gewonnen. Zusätzlich kommen Gelbtafeln zum Einsatz, um unter anderem Zwergwespen zu erfassen. Die Untersuchung zielt nicht nur auf die Bestimmung der Artenvielfalt ab, sondern auch darauf, ein ökologisches Gleichgewicht zwischen den Arten zu überprüfen. Das Vorkommen von Nützlingen, wie beispielsweise Zwergwespen, gilt als Indikator für ein funktionierendes Ökosystem im Baum. Schlupfwespen werden beispielsweise zur natürlichen Schädlingsbekämpfung bei einem Befall von Frostspanner-Raupen eingesetzt.
Erste Ergebnisse und Ausblick
Erste Beobachtungen zeigen, dass die nicht heimischen Stadtbäume eine beachtliche Insektenbesiedlung aufweisen. Rosa Albrecht kehrt nach jeder Hubsteigerfahrt mit gut gefüllten Fallen zurück. Die genaue Artenvielfalt wird sich nach der Laborauswertung zeigen. Bereits jetzt ist jedoch ein deutlicher Blattfraß erkennbar, was darauf hindeutet, dass heimische Insekten auch die osteuropäischen Bäume als Nahrungsquelle nutzen.
Wir sind sehr gespannt, was die Auswertung am Ende zeigen wird. Denn damit wird zum ersten Mal eine 'echte' Diskussionsgrundlage geschaffen, inwieweit unsere nicht heimischen Baumarten tatsächlich von unseren heimischen Insekten angenommen werden.
Dr. Susanne Böll betont die Bedeutung der Ergebnisse für die Diskussion um die Akzeptanz nicht heimischer Baumarten durch heimische Insekten. Das Projekt „Stadtgrün 2021“ wird gemeinsam von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau und dem Biozentrum der Universität Würzburg (Lehrstuhl für Tierökologie und Tropenbiologie) durchgeführt.

