Die Grüne Stadt

Stadtbäume: Herausforderungen und Lösungsansätze für mehr Vitalität

Stadtbäume leiden unter vielfältigen Belastungen, die ihre Lebensdauer verkürzen. Experten fordern ein Umdenken in der Planung, um die Vitalität urbaner Gehölze zu verbessern. Neue Konzepte für Standortqualität und Artenvielfalt sind entscheidend für eine nachhaltige Stadtbegrünung.

Dauerstress und unzureichende Standortbedingungen in urbanen Räumen

Jörg Cremer vom Fachverband geprüfter Baumpfleger beschreibt die Situation als Dauerstress. Bäume in urbanen Gebieten leiden unter Bodenverdichtungen, Abgasen, Feinstaub und Streusalz. Hinzu kommen zunehmende Trockenphasen. Ein wesentlicher Faktor ist die unzureichende Gestaltung der Pflanzgruben, die oft zu klein sind und minderwertiges Pflanzsubstrat enthalten. Die Nähe zu Gebäuden mit ihren Versorgungsleitungen führt zudem zu wiederholten Eingriffen im Wurzelraum.

„Unsere Arbeit in den Städten besteht genaugenommen darin, die Vielzahl unterschiedlicher Planungs- und Pflanzfehler auszugleichen, damit die komplett überforderten Bäume nicht zu einem Sicherheitsrisiko werden.“

Baumpfleger sehen ihre Aufgabe darin, die negativen Auswirkungen dieser Bedingungen zu minimieren und die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Ihr Ziel ist es, Bäume so zu begleiten, dass sie ihr volles Potenzial entfalten und zu langlebigen, vitalen Gehölzen heranwachsen können. Dies erfordert jedoch ein Umdenken in der Planung.

Bedeutung der Standortqualität für gesunde Stadtbäume

Cremer betont die Notwendigkeit, mehr in den Standort als in den Baum selbst zu investieren. Große Pflanzgruben und hochwertiges Pflanzsubstrat sind demnach unerlässlich. Die anfängliche Form der Baumkrone bei jungen Gehölzen ist dabei weniger entscheidend, da diese im Laufe der Jahre durch Aufasten geformt wird.

Alternative Konzepte für die Straßenbepflanzung

Ein grundlegend anderes Konzept für die Straßenbepflanzung könnte die Situation verbessern. Anstatt Bäume nah an Gebäuden im Gehweg- und Parkbereich zu platzieren, schlägt Cremer baumlose Gehwege und breite Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen vor. Dies würde den Bäumen mehr Wurzelraum bieten, Schäden durch Wartungsarbeiten oder parkende Autos reduzieren und die Pflegekosten senken. Gleichzeitig würde es mehr Licht in die Gebäude lassen und die Verkehrssicherheit erhöhen.

Diversität bei Baumarten und Kronenformen

Monokulturen in Straßenzügen sind laut Cremer nicht mehr zeitgemäß, da sie anfällig für Krankheiten und Schädlinge sind. Eine abwechslungsreiche Bepflanzung mit verschiedenen Baumarten würde das Risiko streuen und die Ausfälle einzelner Bäume besser kompensieren. Obwohl Städte sich oft schwer mit der Umstellung tun, könnten Aufklärungskampagnen die Akzeptanz in der Bevölkerung fördern, wie Beispiele wie die Klimabaum-Alleen in Würzburg zeigen.

Auch die Kombination unterschiedlicher Kronenformen könnte das innerstädtische Klima positiv beeinflussen. Einheitlich bepflanzte Straßenzüge mit gleich aufgebauten Baumkronen bilden oft einen „grünen Deckel“, unter dem sich Feinstaub ansammeln kann. Eine Vielfalt an Kronenformen würde eine bessere Durchlüftung ermöglichen und somit zur Verbesserung der Luftqualität beitragen.

Berufsbild Baumpfleger

Der Beruf des Baumpflegers bietet Perspektiven für naturverbundene und körperlich fitte Personen. Baumpfleger sorgen durch professionellen Schnitt für die optimale Entwicklung von Gehölzen und gewährleisten die Verkehrssicherheit durch das Entfernen morscher, kranker oder beschädigter Äste. Auch Fällungen gehören zu ihren Aufgaben. Einige Baumpfleger arbeiten zudem in Sachverständigenbüros oder als Baumkontrolleure im öffentlichen Dienst.

Für die Arbeit im Baum kommen Seilklettertechnik oder Hebebühnen zum Einsatz. Professionelle Baumpfleger sind dabei stets mindestens zu zweit unterwegs, um die Sicherheit zu gewährleisten. Zuverlässigkeit, Konzentrationsvermögen, schnelle Auffassungsgabe und körperliche Fitness sind grundlegende Voraussetzungen für diesen Beruf. Eine „grüne Ausbildung“ im Gartenbau, der Land- oder Forstwirtschaft ist empfehlenswert.

„Wer professioneller Baumpfleger werden will, sollte sich auch einen professionellen Baumpflegebetrieb suchen.“

Cremer weist darauf hin, dass die Wahl eines spezialisierten Baumpflegebetriebs entscheidend ist. Betriebe, die Baumpflege nur nebenbei anbieten, verfügen oft nicht über die gleiche Erfahrung und Routine wie spezialisierte Unternehmen, was sowohl für die berufliche Entwicklung als auch für die persönliche Sicherheit von Bedeutung ist. Qualifizierte Betriebe und Stellenangebote sind auf der Website des Fachverbands geprüfter Baumpfleger zu finden.

22.04.2020

Zurück