Theorie und Praxis im GaLaBau verzahnt
Ein neuer Studiengang, BWL-Handel-Management im Garten- und Landschaftsbau (B.A.), verbindet betriebswirtschaftliches Hochschulwissen mit praxisorientierten Fachkenntnissen. Diese Kombination ermöglicht eine direkte Anwendung im Unternehmen. Achim Off und Joachim Becker vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. waren maßgeblich an der Entwicklung dieses Studiengangs beteiligt.
Aktuell werden drei der acht Studierenden an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) in Mosbach sowie in ihren jeweiligen Unternehmen ausgebildet. Off und Becker betonen die Bereicherung, die die Studierenden von Beginn an in die Betriebe einbringen. Für den kommenden Studienbeginn im Herbst werden erneut Studienplätze angeboten.
Qualifizierung für Führungspositionen
Die Initiatoren rufen bundesweit GaLaBau-Betriebe auf, sich als Partnerunternehmen für den Studiengang an der DHBW in Mosbach zu registrieren. Ziel ist die Ausbildung spezialisierter Betriebswirtschaftler mit umfassendem GaLaBau-Wissen. Absolventen sollen wichtige Schnittstellen zwischen Büro und Baustelle besetzen, um potenzielle Verluste zu minimieren.
Der betriebswirtschaftliche Theorie-Block findet an der DHBW statt. Die praktische Umsetzung erfolgt in GaLaBau-Unternehmen, ergänzt durch vertiefende Aufgaben. Besonders praxisrelevante Inhalte wie Vermessung, Baustoffkunde, Bautechnik, Pflanzenverwendung, Vegetationstechnik und CAD werden einmal pro Semester in zwei Schwerpunktwochen von der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau in Heidelberg (LVG HD) aufbereitet.
Das Studium erstreckt sich über drei Jahre, aufgeteilt in sechs Semester. Im dritten Jahr erfolgt eine Spezialisierung auf einen betriebswirtschaftlichen Schwerpunkt, der auf spezifische Führungsaufgaben im Ausbildungsunternehmen ausgerichtet ist. Inhalte an der DHBW umfassen Projektplanung, Projektmanagement, öffentliches Auftragswesen und Planspiele, die allgemeine betriebswirtschaftliche Themen mit fachspezifischen Veranstaltungen für den GaLaBau verknüpfen.
Die fachspezifischen Inhalte, hierzu gehören beispielsweise Seminar- und Projektarbeiten, werden ausschließlich von Branchenexperten betreut und unterrichtet.
Dies erläutert Prof. Dr. Hubert Speth, Studiengangsleiter BWL-Handel. Die Studieninhalte sind detailliert auf der Webseite der DHBW Mosbach einsehbar. Nach drei Monaten Theorie in Mosbach, inklusive der Schwerpunktwochen an der LVG HD, erfolgt der Einsatz im Betrieb zur Anwendung des erworbenen Wissens. Prof. Dr. Speth ergänzt, dass die Ausbildungspläne der Dualen Partner den Transfer theoretischer Inhalte in die Praxis sicherstellen. Ein Theorie-Praxis-Transfer findet somit in jedem Semester sowohl an der Hochschule als auch im Unternehmen statt.
Erfahrungen der Studierenden
Jonas Baumann, Student bei der Becker GmbH, fand nach dem Abitur ein Studium im Baubereich, das nicht ausschließlich akademisch ausgerichtet war. Nach einem Praktikum im Garten- und Landschaftsbau wurde er von Joachim Becker auf diese Studienmöglichkeit hingewiesen. Er ist von dem dualen Studienformat überzeugt und führt mittlerweile selbstständig Aufmaße und 3D-Planungen aus.
David Garcke, angestellt im Unternehmen seines Onkels Thomas Garcke, entdeckte den Studiengang zufällig und schrieb sich nach Absprache ein. Er schätzt den Wechsel zwischen Hochschule und Betrieb und kann das erlernte Wissen direkt im Unternehmen einbringen. Die Bietigheimer Gartengestaltung GmbH bildet zwei Studenten aus, darunter Wolfgang Raddatz. Dieser absolvierte seine GaLaBau-Ausbildung in Köln und war danach als Vorarbeiter tätig. Sein ehemaliger Geschäftsführer wies ihn auf das Studium hin. Raddatz sieht die Studieninhalte als wertvolle Ergänzung seines Praxiswissens, insbesondere im Bereich Kalkulation. Er war bereits an Projekten wie einer Dachbegrünung am Porsche Tower und einer Spielplatzgestaltung beteiligt.
Benedikt Krzok, der seine Ausbildung bei der ERDA Gartenservice GmbH abschloss, nahm das Angebot seines Chefs für den dualen Studiengang an. Er empfand den Studiengang anfangs als stark handelsorientiert, sieht aber im aktuellen Semester deutliche Bezüge zu Dienstleistungsunternehmen. Der Wechsel zwischen Theorie und Praxis empfindet er als befriedigend, da er das Wissen sofort anwenden kann.
Zusammenarbeit von Betrieben und Studieninteressierten
Interessierte GaLaBau-Betriebe aus ganz Deutschland können sich als duale Partner registrieren lassen. Danach entscheiden sie jährlich über die Anzahl der auszubildenden Studierenden und teilen dies der DHBW mit. Der dreijährige Ausbildungsvertrag wird direkt mit dem gelisteten GaLaBau-Betrieb geschlossen, woraufhin die Einschreibung an der DHBW möglich ist. Prof. Dr. Speth sichert zu, dass Firmen, die einen Platz reservieren, auch einen Studierenden schicken dürfen, sofern ein passender Kandidat gefunden wird. Die Entlohnung orientiert sich an der Ausbildungsvergütung im Garten- und Landschaftsbau.
Voraussetzungen für den Studiengang sind Interesse an betriebswirtschaftlichen und GaLaBau-spezifischen Inhalten. Eine vorherige Ausbildung ist vorteilhaft, aber keine Zulassungsvoraussetzung. Für Studieninteressierte ohne allgemeine Hochschulreife oder Meisterabschluss wird eine Zulassungsprüfung angeboten. Die Einschreibung ist bis zum 30. September 2024 möglich. Am 13. Juli findet der Tag des Dualen Studiums auf dem Campus der DHBW in Mosbach statt.
Vorteile des Studiengangs
Die Absolventen des Bachelor-Studiengangs sind durch ihr betriebswirtschaftliches und fachliches Wissen gut gerüstet, um die Geschäftsleitung mittlerer und großer Garten- und Landschaftsbaubetriebe zu unterstützen. Sie können die Schnittstelle zwischen Büro und Baustelle effizient besetzen, ein Bereich, in dem die LVG HD ihren Schwerpunkt in der Ausbildung sieht. Wöchentliche Feedbackrunden mit den Studierenden tragen zur laufenden Optimierung der Inhalte bei.
Die Bindung an das Unternehmen ist hoch; in der Regel werden 80 Prozent der Studierenden übernommen oder bleiben dem Unternehmen als Fachkräfte mit drei Jahren Berufserfahrung erhalten. Das Studium bereitet zudem auf Betriebsübergaben oder -gründungen vor und ist auch für die Zulieferindustrie des Garten- und Landschaftsbaus relevant.
